Sich in den Krippen entdecken

Pfarrerin Katrin Müller hat in der Lausitz 300 Krippen aus 43 Ländern gesammelt – und ausgestellt
Andreas Kirschke
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Krippenausstellung von Katrin Müller in Nieder Seifersdorf (Oberlausitz): Dort zeigt die Pfarrerin 300 gesammelte Krippen aus 43 Ländern. Liebevoll hat sie die Kunstwerke auf dem Grundstück ausgestellt. © A. Kirschke

Eine schlichte, zusammenklappbare Papier-Krippe erfreute Katrin Müller in Kindheitstagen. Davon erzählt die Pfarrerin im Ruhestand gern. Zu Hause in Nieder Seifersdorf bei Niesky (Oberlausitz) zeigt sie insgesamt 300 gesammelte Krippen aus 43 Ländern. Liebevoll und kreativ hat sie die kleinen Kunstwerke in der ehemaligen Schmiede, in der »Grotte« und im »Finnischen Haus« ausgestellt. In jeder Krippe steckt eine besondere Geschichte über Weihnachten.

»Ich will die Freude daran teilen«, sagt die 76-Jährige. »Die Ausstellung soll erzählen, was Weihnachten bedeutet. Es ist nicht nur Licht und Freude damit verbunden. Es ist auch Schmerz, Verlust, Leid, Trauer und Flucht.« Katrin Müller war 1945 erst ein Jahr alt. Damals flohen Mutter, Großmutter und die Kinder aus dem schlesischen Trebnitz Richtung We­sten. Durch das Sudetenland, Herrnhut und Freiberg kamen sie nach Grüna (bei Chemnitz). Von dort zog die Familie später nach Görlitz. Von der Flucht zeugt Hansel, die Puppe, die im Museumsraum zu sehen ist. »Vater sammelte in Grüna erzgebirgische Figuren. Er hatte ein feines Gespür dafür«, erzählt sie. »In den 1950er Jahren schenkte er unserer Familie eine geschnitzte Krippe.« Der Künstler hatte in Bad Warmbrunn in Schlesien sein Handwerk gelernt und später in Seiffen im Erzgebirge gewohnt. Das Thema dieser Krippe heißt »und sie kamen eilend«. »Darin entdecke ich mich immer wieder – ich eile zu den Krippen im Stall, zu den Gästen, denen ich das Weihnachtsgeschehen nahebringen möchte«, meint Katrin Müller.

Als Kind wirkte sie immer wieder gern im Krippenspiel ihrer Kirchen-gemeinde mit. Darin entdeckte sie die Rolle der Hirten nach und nach tiefer. Ihr Konfirmationsspruch aus Psalm 23 hieß »Der Herr ist mein Hirte«. Im Pro-Seminar in Naumburg lernte sie ihren Mann Reinhard kennen. Beide studierten dann in Naumburg und Berlin Theologie und absolvierten ihr Vikariat in Nieder Seifersdorf, wo sie praktische Gemeindearbeit kennenlernten. Von 1972 bis 2007 waren Katrin und Reinhard Müller Pfarrer in Weißwasser. Katrin Müller verantwortete vor allem die Familien- und Frauen-Arbeit sowie die Seelsorge in den Krankenhäusern und Pflegeheimen. Reinhard Müller hatte seine Schwerpunkte in der Jugendarbeit, bei Besuchen und in den Bauangelegenheiten. »Nah am Menschen zu sein, war uns immer wichtig«, unterstreichen sie heute im Rückblick.

Seit 1999 organisierte sie in der evangelischen Kirche in Weißwasser regelmäßige Krippen-Ausstellungen, die den Mittelpunkt des damaligen Weihnachtsmarktes rund um die Kirche bildeten. So fing die Freude am Sammeln für Katrin Müller an. Immer wieder erhielt sie Krippen aus aller Welt als Geschenke von Freunden und Bekannten. »Für mich war es einfach«, meint ihr Mann Reinhard (76) zwinkernd. »Ich wusste ab einem gewissen Zeitpunkt, was ich meiner Frau zum Geburtstag und zu Weihnachten schenken konnte – immer wieder eine neue Krippe, meist aus dem Eine-Welt- Laden.«

Bis zum Eintritt in den Ruhestand 2007 hatte Katrin Müller bereits 80 Krippen aus aller Welt gesammelt. Seitdem kamen immer wieder neue Exponate hinzu. Bis ins ferne Peru reichen die Herkünfte der Krippen. Sie kommen aber auch aus der nahen Umgebung.

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