Wann kommt der Kelch für alle?

Ökumene: Während viele Christen an der Basis für dieses Jahr auf evangelisch-katholische Abendmahlsfeiern hofften, sind diese plötzlich wieder in die Ferne gerückt. Der Weg ökumenischer Nähe scheint noch weit.
Von Stefan Seidel
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© Foto: epd-bild/Jens Schulze

Während derzeit vielerorts die Gebetswoche für die Einheit der Christen stattfindet, hat die ökumenische Annäherung zwischen evangelischen und katholischen Christen hierzulande einen herben Rückschlag erlitten.

Denn die evangelischer- wie katholischerseits positiv begrüßte ökumenische Programmschrift »Gemeinsam am Tisch des Herrn« vom September 2019 wurde kürzlich vom Vatikan zurückgewiesen. Somit sind vorerst die Hoffnungen auf eine baldige Feier gemeinsamer Abendmahle zerstoben. Mit dieser Frage hatte sich zuvor über zehn Jahre lang der Ökumenische Arbeitskreis evangelischer und katholischer Theologen (ÖAK) beschäftigt. In ihrem abschließenden Votum »Gemeinsam am Tisch des Herrn« hatten sie sich schließlich für eine mögliche Teilnahme von Prote­stanten an der katholischen Euchari­stie sowie von Katholiken am evangelischen Abendmahl ausgesprochen. Denn die ökumenischen Dialoge der letzten Jahrzehnte hätten »in allen Fragen, die im 16. Jahrhundert im Hinblick auf die Thematik Abendmahl/Eucharistie kontrovers besprochen worden sind, in einem Maße Verständigungen erreicht, die es nicht mehr erlauben, die verbliebenen Differenzen als kirchentrennend zu betrachten«. Im Blick auf den theologischen Sinngehalt der Eucharistie/des Abendmahls bestehe heute Einigkeit, die es erlaube, auf dieser Grundlage die Vielfalt der liturgischen Traditionen zu würdigen. Ziel der Bestrebungen sei es, Abendmahl/Eucharistie »gemeinsam zu feiern«.

Doch Ende letzten Jahres bremste der Vatikan die ökumenische Euphorie und widersprach dem Votum »Gemeinsam am Tisch des Herrn« mit »Lehrmäßigen Anmerkungen«. Darin wird gegenseitigen Abendmahlseinladungen von Katholiken und Protestanten eine klare Absage erteilt. Erst solle die Einheit in Glaubensfragen erreicht werden, heißt es. Die römisch-katholische Kirche betrachtet sich demnach als von Christus mit dem »sakramentalen Mittlerdienst« beauftragt, weshalb man die Abendmahlsfrage nicht von der Kirchenfrage trennen könne. Nicht ist also nach dieser Lehre Christ­us der alleinige Gastgeber der Eucharistie, sondern die beauftragte Kirche. Und dabei müsse die »Einheit in der Apostolischen Lehre« sowie die »Apostolische Sukzession« (die ungebrochene Weitergabe des Bischofsamtes, Anm. d. Red.) gewährleistet sein. Rom verweist außerdem auf bestehende Unterschiede im Kirchen- und Amtsverständnis, zum Beispiel bei der Frauenordination. Außerdem fehle ein eindeutiges Bekenntnis zur Realpräsenz Christi in der Eucharistie. Das Fazit lautet: »Eine Vorwegnahme der Einheit in der eucharistischen Mahlgemeinschaft, ohne die Einheit im Glauben erlangt zu haben, steht in Gefahr, alles weitere Bemühen um die Lösung der noch ausstehenden Glaubensdifferenzen zu relativieren.« Es wird darauf verwiesen, dass es bislang »keinen tragfähigen Konsens über die Inhalte der ökumenischen Bemühungen gibt«.

Nun hat wiederum der ÖAK darauf reagiert und am Wochenende in einer Stellungnahme verlautbart: »Eine wechselseitige, gastweise Öffnung der Mahlfeiern für Christinnen und Christ­en der anderen Konfession will keine Unterschiede relativieren, sondern kann in der Begegnung miteinander über die Grenzen der Konfession hinweg Interesse aneinander wecken und in Gespräche führen.« Jesus sei gegenwärtig, wenn Christen sich in seinem Namen versammeln, auf sein Wort hören und ihm im Mahl zu seinem Gedächtnis begegnen – unabhängig von liturgischen und konfessionellen Unterschieden.

Nun sind die Kirchen also gefragt, neue Annäherungsmöglichkeiten zu finden. Für die Gebetswoche für die Einheit der Christen ergibt sich daraus jedenfalls viel Stoff zum Beten – und ein Anlass zu neuem Aufbruch. Denn die Gebetswoche soll der Auftakt zum »Jahr der Ökumene 2021/2022« sein, das die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen ausgerufen hat.

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