Vom gemeinsamen Singen träumen

Singt dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder! Psalm 98, Vers1
Arne Mehnert
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Die feinen Klänge des Klaviers perlen durch die Kirche. Nach und nach lässt der Pianist die Melodie des Liedes erkennen. Dann spielt er leiser weiter. Die Lektorin tritt ans Pult und trägt dazu die Worte des Liedes wie ein Gedicht vor.

Dazu meinte eine Dame am Ausgang: »Das wirkte sehr intensiv auf mich. Ich fand es eindrücklicher als nur mitzulesen wie sonst in diesen gesanglosen Zeiten.« »Mich hat es richtig gekribbelt« sagte eine andere, »so hat mich das ergriffen«. Auch ein Herr stimmte zu, wenn auch aus einem ganz anderen Grund: »Das war gut. Denn es nervt mich so, wenn mir beim Singen mit Maske die Brille anläuft.« Vom gemeinsamen Singen träumen viele. Es fehlt einfach. Dabei muss es nicht mal ein neues Lied sein, wie unser Psalmvers rät. Die vertrauten Lieder singen zu dürfen, gemeinsam, ohne Masken, mit vollem Atem – wie schön wäre das! Singen tut gut, an Leib und Seele.

Als mir die Lektorin das Textblatt zurückgab, sah ich ihre Eintragungen. Sorgsam hatte sie die Worte unterstrichen, die sie betonen würde. Sie hatte markiert, was sie auf einem Atemzug vorgetragen wird und wo sie Sprechpausen setzt.

So kann man auch in längst vertrauten Worten den Tiefgang neu entdecken. Viele unserer Lieder sind in Notzeiten geschrieben worden, als Kriege oder auch Seuchen das Leben bedrohten. Die Dichterinnen und Dichter erzählen in ihren Texten davon, wie der Glaube trösten kann, ermuntern oder auch mahnen. Welche Kostbarkeiten haben wir da in unseren Liedern!

Ich freue mich sehr darauf, im Gottesdienst wieder singen zu dürfen. Wann, wissen wir nicht. Aber vielleicht tun wir es bewusster und dankbarer.

Arne Mehnert ist Pfarrerin in Lichtentanne und Gefängnisseelsorgerin in Zwickau.

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