Für eine Ökumene der Herzen

Ökumene: Auch wenn das gemeinsame Abendmahl wieder in weite Ferne gerückt ist, gibt es doch weltweit viele ökumenische Initiativen der Kirchen für die »verwundete Welt«. In der Liebe ist man eins.
Von Konrad Raiser
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Ökumene
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Es war eine herbe Enttäuschung, als der Vatikan und dann der Vorsitzende der Katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, einem gemeinsamen Abendmahl auf dem Ökumenischen Kirchentag eine Absage erteilt haben. Aber bei der Frage der Gemeinschaft am Tisch des Herrn geht es um mehr als eine Meinungsverschiedenheit. Sie berührt das Zentrum kirchlicher Identität. Diese Identität ist gerade für die römisch-katholische Kirche lehramtlich und kirchenrechtlich abgesichert und wird daher gegen die Zumutung von Veränderungen sowohl von innen wie von außen verteidigt. Aber die Ausdrucksformen kirchlicher Identität sind geschichtlich bedingt. Sie können sich verändern unter dem Einfluss neuer Erfahrungen und Herausforderungen. In der Vollmacht des Geistes kann und wird sich auch die eigene Identität öffnen für die volle Gemeinschaft mit anderen Kirchen.

Unter dem Pontifikat von Papst Franziskus hat sich besonders die Zusammenarbeit zwischen dem Vatikan und dem Ökumenischen Rat der Kirchen (ÖRK) sehr positiv und ermutigend entwickelt. Das gilt zum Beispiel für gemeinsame Aktivitäten im Blick auf Friedensförderung und Migration sowie für den interreligiösen Dialog. Gemeinsam haben der Vatikan und der ÖRK vor zwei Jahren eine »Weltkonferenz gegen Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und populistischen Nationalismus im Kontext globaler Migration« durchgeführt, an der auch buddhistische, hinduistische und muslimische Vertreter teilnahmen. Die Gemeinsame Arbeitsgruppe zwischen dem ÖRK und der römisch-katholischen Kirche nahm den Impuls auf und bereitet ein größeres Studiendokument zum Thema »Migration und Flucht. Ökumenische Herausforderungen und Chancen« mit Handlungsempfehlungen vor.

Unter dem Eindruck der COVID-19-Pandemie riefen der ÖRK und der Päpstliche Rat für den interreligiösen Dialog letztes Jahr in der Erklärung »Interreligiöse Solidarität im Dienst einer verwundeten Welt« zu gemeinsamem Handeln auf.

Mit dem Stichwort der »verwundeten Welt« wird der Blick darauf gelenkt, dass die Pandemie die Verwundbarkeit aller Menschen offenlegt. Unter ihr leiden besonders diejenigen, die ohnedies am Rande leben, das heißt Migranten, Flüchtlinge, Gefangene. Die Erklärung will das Bewusstsein für unsere Verwundbarkeit schärfen und sie setzt dies um in einen »Aufruf zu neuen Formen der Solidarität über alle Grenzen hinweg«. Dabei nimmt sie die Geschichte vom barmherzigen Samariter auf.

Die mit dieser Erklärung unterstrichene enge Zusammenarbeit wurde durch den Papst selbst bekräftigt, der im Juni 2018 als »Pilger« den Ökumenischen Rat der Kirchen besuchte unter dem Motto »Gemeinsam unterwegs sein, beten und arbeiten«.

Nun laufen die Vorbereitungen zur 11. Vollversammlung des Ökumenischen Rates vom 31  August bis 8. September 2022 in Karlsruhe auf Hochtouren. Zu dem Motto »Die Liebe Christi bewegt, versöhnt und eint die Welt« ist jetzt ein vorbereitendes Dokument erschienen. Es ist das erste Mal, dass im Thema einer Vollversammlung von der Liebe und damit vom innersten Zentrum der Wirklichkeit Gottes die Rede ist. Die Liebe Gottes hat in Jesus Christ­us menschliche Gestalt angenommen. Die in der Pandemie gewachsene Einsicht in die menschliche Verwundbarkeit öffnet den Blick dafür, dass sich die Liebe Gottes im Wirken Jesu vor allem als Erbarmen und Mitgefühl für die Geängstigten und Verlorenen äußert. »Es ist diese Art von Liebe, die Liebe des einen, durch den Gott in der Welt mit all ihrer Verletztheit und Zerrissenheit gegenwärtig geworden ist, die die Kirche und die Welt bewegt«, heißt es. Am Ende eröffnet das Dokument den Blick für eine »Ökumene der Herzen«, denn Einheit und Liebe gehören zusammen.

Dr. Konrad Raiser (83) war von 1992 bis 2003 Generalsekretär des ÖRK.

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