Nachfolge wagen

Christsein heute: Was würde Jesus tun? Nicht nur junge Christen fragen so nach Orientierung. Vor 85 Jahren hat Dietrich Bonhoeffer eine eindrückliche Antwort formuliert, die bis heute nachhallt.
Von Andreas Ebert
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Nchfolge Jesu, Bonhoeffer
© Grafik: bilderzwerg – stock.adobe.com

Nachfolge ist Bindung an Christus; weil Christus ist, darum muss Nachfolge sein«, sagte Dietrich Bonhoeffer. In seinem Buch »Nachfolge« aus dem Jahr 1937 beschreibt er die Möglichkeit der Nachfolge »in der ganzen Weite der Christusliebe zu allen Menschen, der Geduld, der Barmherzigkeit, der Liebe Gottes mit den Schwachen und Gottlosen« – es ist eine Auslegung der Bergpredigt Jesu. Im Vorwort schreibt er: »Es scheint heute so schwer zu sein, den schmalen Weg der kirchlichen Entscheidung in aller Gewissheit zu gehen und doch in der ganzen Weite der Christusliebe zu allen Menschen (...) zu bleiben; und doch muss beides beieinander sein, sonst gehen wir Menschenwege. Gott schenke uns in allem Ernst des Nachfolgens die Freude, in allem Nein zur Sünde das Ja zum Sünder, in aller Abwehr der Feinde das überwindende und gewinnende Wort des Evangeliums.« Echtes Leben in der Gemeinde führt die Menschen zugleich zum Zeugnis an die Welt. Kirche ist für ihn nur Kirche, wenn sie sich nicht um sich selbst dreht, sondern für andere da ist, so wie Christus der »Mensch für andere« war.

Für Bonhoeffer zieht der Glaube die Christen in das Leben und Leiden Jesu Christi hinein: »Gott ist ein Gott des Tragens. Der Sohn Gottes trug unser Fleisch, er trug darum das Kreuz, er trug alle unsere Sünden und schuf durch sein Tragen Versöhnung. So ist auch der Nachfolger zum Tragen berufen. Im Tragen besteht das Christsein (…) Das Tragen des Nachfolgenden ist Gemeinschaft mit Christus.«

Sein Verständnis der Nachfolge hat für Bonhoeffer radikale Konsequenzen. Ab 1938 engagiert er sich verstärkt in der Ökumenischen Bewegung und versucht, die Kirchen gegen die Kriegsvorbereitungen zu mobilisieren. Im Juni 1939 nimmt er eine Einladung in die USA an, weigert sich aber von Anfang an, dort einen Lehrstuhl zu übernehmen. Er sieht seinen Platz im heraufziehenden Krieg in Deutschland, obwohl er sich bewusst ist, dass er den Kriegsdienst verweigern und das daraus resultierende Todesurteil tragen müsste. Durch familiäre Verbindungen wird Bonhoeffer 1941 »unabkömmlicher« Mitarbeiter der Spionageabwehr, also Mitarbeiter des NS-Staates. In dieser Position kann er ins Ausland reisen und verschwörerisch tätig werden. Er ist mehr und mehr bereit, sich selbst die Hände schmutzig zu machen, anstatt tatenlos den Verbrechen der Nazis zuzusehen. 1943 schreibt er: »Tatenloses Abwarten und stumpfes Zuschauen sind keine christlichen Haltungen. Den Christen rufen nicht erst die Erfahrungen am eigenen Leibe, sondern die Erfahrungen am Leibe der Brüder, um derentwillen Christus gelitten hat, zur Tat und zum Mitleiden.«

Am 5. April wird er aufgrund eines zufälligen Aktenfundes wegen »Wehrkraftzersetzung« verhaftet.

In seinen Texten aus der Haft, später veröffentlicht unter dem Titel »Widerstand und Ergebung«, entwirft er Visionen für eine künftige Kirche in der Nachfolge Christi: ohne staatliche Privilegien an der Seite der Verfolgten und Armen. Als ersten Schritt hierzu solle sie alles Eigentum an Notleidende verschenken. Pfarrer sollten ihren Lebensunterhalt durch freiwillige Spenden ihrer Gemeinde oder einen weltlichen Beruf bestreiten. Er fordert eine religionslose Interpretation des Christentums, da die klassischen religiösen Begriffe die Menschen nicht mehr erreichten, und betont die Diesseitigkeit Gottes durch die Anwesenheit Jesu Christi in der Welt. Die Kirche soll das Wort Gottes weniger durch Worte als vielmehr durch menschliches Vorbild verkündigen. Diese radikalen Gedanken spielten beim Wiederaufbau der Kirche nach dem Krieg keine wirkliche Rolle.

Ein Aktenfund im September 1944 deckt seine Zugehörigkeit zum Verschwörerkreis auf. Am 7. Februar wird er ins KZ Buchenwald verlegt und am 8. April im KZ Flossenbürg gehenkt. Bonhoeffers radikales Zeugnis der Christusnachfolge aber überdauert seinen Tod und ist ein bleibender Stachel im Fleisch eines allzu bequemen Christentums.

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Impressionen Lausitz-Kirchentag


  • Görlitz begrüßt an diesem Wochenende zum »Lausitz-Kirchentag« © Steffen Giersch


  • Stark in der Region: Die Sorben, hier in typischer Tracht © Steffen Giersch


  • Mit viel Musik und zahlreichen Angeboten wurde gefeiert © Steffen Giersch


  • Auch Ministerpräsident Michael Kretschmer besuchte zu diesem Anlass Görlitz © Steffen Giersch


  • Tausende Christen nahmen am Lausitz-Kirchentag teil © Steffen Giersch


  • Strahlender Sonnenschein und Hitze beim Lausitz-Kirchentag, die Stimmung blieb oben auf © Steffen Giersch


  • Gestaltet wurde der Lausitz-Kirchentag von der Sächsischen Landeskirche (EVLKS) und der Landeskirche für Berlin-Brandenburg und Schlesische Oberlausitz (EKBO) © Steffen Giersch


  • Tausende Christen nahmen am Lausitz-Kirchentag teil © Steffen Giersch


  • Stark in der Region: Die Sorben, hier in typischer Tracht © Steffen Giersch


  • Spiel, Spaß und Informationen an vielen Ständen und Veranstaltungsorten in Görlitz © Steffen Giersch


  • Spiel, Spaß und Informationen an vielen Ständen und Veranstaltungsorten in Görlitz © Steffen Giersch


  • Musik gehörte natürlich dazu, beim Gottesdienst und zahlreichen kleinen Teilveranstaltungen © Steffen Giersch


  • Spiel, Spaß und Informationen an vielen Ständen und Veranstaltungsorten in Görlitz © Steffen Giersch




  • Am gemeinsamen Stand der sächsischen Kirchenzeitung DER SONNTAG und der Berliner Zeitung DIE KIRCHE© Steffen Giersch


  • Austausch und Informationen boten viele Stände an – die Besucher nahmen das gerne und gut an © Steffen Giersch


  • Auch diakonische Einrichtungen, wie hier die Bahnhofsmission, informierten © Steffen Giersch


  • Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer besuchte Stände © Steffen Giersch


  • Und Ministerpräsident Kretschmer nahm an zahlreichen Gesprächen und Diskussionsrunden teil © Steffen Giersch


  • Spiel, Spaß und Informationen an vielen Ständen und Veranstaltungsorten in Görlitz © Steffen Giersch


  • Familie in Sorbischer Tracht – jede Stadt hat ihre eigene Tracht, die leicht voneinander variiert © Steffen Giersch




  • Austausch und Informationen boten viele Stände an – die Besucher nahmen das gerne und gut an © Steffen Giersch


  • Ministerpräsident Kretschmer nahm an zahlreichen Gesprächen und Diskussionsrunden teil – ein wichtiges Thema in der Region: Der Braunkohleausstieg © Steffen Giersch


  • Auch Bettina Westfeld nahm an der Diskussionsrunde zum Braunkohleausstieg teil © Steffen Giersch


  • Austausch und Informationen boten viele Christen an – die Besucher nahmen das gerne und gut an © Steffen Giersch


  • Am gemeinsamen Stand der sächsischen Kirchenzeitung DER SONNTAG und der Berliner Zeitung DIE KIRCHE© Steffen Giersch

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