Damit keiner verloren geht

Woche für das Leben: Wenn am Sonnabend in Leipzig die Woche für das Leben mit einem Gottesdienst eröffnet wird, sind besonders die von einer Demenzerkrankung betroffenen Menschen im Blick.
Von Stefan Seidel
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Demenz, Woche für das Leben 2022, Kirche, Bewältigung, Gottesdienste, Nationale Demenzstrategie
© Foto: Ocskay Bence – stock.adobe.com

Mit einem Gottesdienst in der Leipziger Nikolaikirche wird am Sonnabend, 30. April, die diesjährige Ökumenische Woche für das Leben eröffnet. Sie steht unter dem Motto »Mittendrin. Leben mit Demenz« und möchte im Blick auf diese Krankheit Ängste abbauen und Wege des Umgangs fördern. Dies geschieht vor dem Hintergrund, dass immer mehr Menschen von Demenz betroffen sind und sich diese Erkrankung des Gehirns aufgrund der steigenden Alterung der Bevölkerung bis zum Jahr 2050 verdoppeln oder gar verdreifachen wird, wie es im Themenheft der Woche für das Leben heißt.

Darin beschreiben die leitenden Geistlichen der deutschen Kirchen, Bischof Georg Bätzing und EKD-Ratsvorsitzende Annette Kurschus, das Leiden an Demenz so: »Dinge vergessen, die Orientierung verlieren, Vertraute und sich selbst nicht mehr wiedererkennen – solche Erlebnisse sind für einen Teil der Menschen in unserem Land zum dauerhaften, normalen Alltag geworden. Menschen mit Demenz bewegen sich nicht mehr mit jener Selbstsicherheit, die sie durch die Höhen und Tiefen ihres Lebens getragen hat. Wenn ihr Erinnerungsvermögen schwindet und ihre Gedächtnisleistung abnimmt, sind sie immer weniger bei sich selbst zu Hause. Sie müssen sich grundlegend neu orientieren – und mit ihnen sind ihre Angehörigen gefordert, die zunehmende Persönlichkeitsveränderung ihrer Liebsten anzunehmen und in ihre Beziehungen zu integrieren. Wer unter einer Demenz leidet oder Betroffene im Kreis der Familie begleitet, erfährt die Unverfügbarkeit und Verletzlichkeit des Lebens.«

Dabei betonen sie, dass die Würde des Menschen unverlierbar sei – und auch dann garantiert ist, wenn Gesundheit und selbstbestimmtes Leben schwinden. »Nach christlichem Verständnis hat Gott den Menschen nach seinem Bild geschaffen und bejaht ihn in jedem Moment seines Lebens. Er garantiert seine Würde unabhängig von seiner Gesundheit oder jeglichen anderen Eigenschaften«, schreiben Kurschus und Bätzing. Das Ziel im Umgang mit von Demenz betroffenen Menschen müsse sein, ihnen »mehr Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen, die medizinische, pflegerische und seelsorgliche Begleitung zu verbessern, die Angehörigen stärker zu unterstützen sowie die Forschung zu fördern«. Dies möchte die 2020 begonnene »Nationale Demenzstrategie« der Bundesregierung bewirken, an der sich die beiden großen Kirchen beteiligen wollen. Hier ist auch die Schaffung »sorgender Gemeinschaften« im Blick, die sich um von Demenz Betroffene bilden sollten: Neben den Angehörigen auch Freundeskreise, Nachbarschaft, Ehrenamtliche und Pflegefachpersonen. In dieser gelebten Mitverantwortung verwirkliche sich der Auftrag des Neuen Testaments »Einer trage des anderen Last« (Galater 6,2), wie der Gerontologe Andreas Kruse im Themenheft betont.

Für den kirchlichen Bereich bedeutet das auch, angemessene Wege zu finden, wie für Betroffene der Glaube als Kraftquelle gefördert werden kann. Hierzu zählen passende Angebote in der Seelsorge und demenzsensible Gottesdienste. »Die Erfahrung zeigt auch, dass Demenzbetroffenen die tätige Teilnahme an der Liturgie noch lange möglich ist. Sie können in der Regel bekannte Lieder mitsingen und Gebete mitsprechen. Der festgelegte Ritus gibt ihnen Orientierung in ihrem immer wieder auch orientierungslosen Zustand«, schreibt die Fachreferentin Maria Kotulek im Themenheft. Bei diesen Gottesdiensten käme es besonders auf eine Atmosphäre des Willkommens an. Symbole, Musik und ein verlässlicher Ablauf sollten eine besondere Rolle spielen.

Auch die Kollekte des Eröffnungsgottesdienstes wird für ein Projekt für demenzkranke Menschen verwendet: Die Schaffung eines Gartens mit Teich, blühenden Pflanzen, Vogelhäusern und bequemen Sitzmöglichkeiten im Leipziger Pflegeheim »Matthias Claudius«. Die beruhigende Wirkung soll Unruhezustände und Ängste der an Demenz erkrankten Menschen lindern.

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