Pfarramt in der Krise?

Beruf: Eine Studie des sächsischen Pfarrvereins hat untersucht, wie zufrieden die Pfarrerinnen und Pfarrer der Landeskirche in ihrem Beruf sind. Das Ergebnis ist alarmierend: Jede/r Dritte ist unzufrieden. Wie kann es weitergehen?
Von Stefan Seidel
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Pfarrerin, Pfarrer, Pfarrerzufriedenheit, Arbeitszeit, Lebensqualität, Arbeit
© epd-bild / Jens Schulze

Der sächsische Pfarrverein wollte im letzten Jahr genauer wissen, wie es objektiv um die Berufszufriedenheit und das chronische Stresserleben der sächsischen Pfarrerschaft bestellt ist und gab eine entsprechende wissenschaftliche Studie in Auftrag.

Dabei trat zutage, dass die Pfarrerinnen und Pfarrer durchschnittlich 54 Stunden pro Woche arbeiten, wobei gut ein Drittel der Geistlichen eine Wochenarbeitszeit von über 60 Stunden angab. Nur ein Drittel der Befragten gab an, meist einen freien Tag pro Woche zu haben, obwohl die Mehrheit der Befragten die Wichtigkeit eines wöchentlich freien Tages betonte. Desweiteren erkannte die Studie, dass bei den Befragten erhöhte Zufriedenheit mit der Abwechslung im Dienst, der Vielfalt der Aufgaben und der Entlohnung bestehe. Hingegen weniger Zufriedenheit mit den Möglichkeiten des beruflichen Aufstiegs, der Anerkennung ihrer Leistung sowie der zeitlichen Regelungen der Arbeit.

Der Studienautor empfiehlt daher »eine bessere zeitliche Regelung und Strukturierung der Arbeit« und ein veränderndes Eingreifen »im Zusammenhang mit den verhältnismäßig hohen Angaben zur wöchentlichen Arbeitszeit« und im Hinblick auf die Überschneidung von Arbeit und Privatleben. Eine Beteiligung der Pfarrerinnen und Pfarrer bei der Klärung ihrer Anforderungen und Wünsche zur zeitlichen Regelung des Berufes sollte dabei in Betracht gezogen werden. Zudem sollte die Rolle der Frau im Pfarrberuf auch zukünftig im Fokus der Aufmerksamkeit stehen, da hier ein höherer Belastungsgrad insbesondere bei der Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben gemessen wurde.

Die Theologin und Psychologin Manja Pietzcker fasst ein Hauptergebnis der Studie so zusammen: Die Studie zeige, »dass zwar nur 16,7 % klar unzufrieden mit ihrer Arbeitssituation sind, aber auch unter den vordergründig Zufriedenen 14,6 % eben eigentlich nicht mit der Situation zufrieden sind, sondern nur ihre Ansprüche den Gegebenheiten angepasst haben, da sie sie sowieso nicht ändern können«. Nach ihrer Einschätzung entstehe ein »alarmierendes Bild«: »Mit 31,3 % ist in der sächsischen Pfarrerschaft nahezu jede/r Dritte mehr oder weniger unzufrieden mit seiner/ihrer Arbeitssituation (nicht mit dem Beruf!).« Gründe dafür könnten in der gemessenen »hohen subjektiven Belastung« liegen – »besonders hinsichtlich der Arbeitsüberlastung, eines hohen Erfolgsdrucks und einer wahrgenommenen sozialen Überlastung«. Auch der offenbar bei vielen nicht verlässlich verfügbare dienstfreie Tag pro Woche und die über 60 Stunden liegende Wochenarbeitszeit bei über einem Drittel der Pfarrerinnen und Pfarrer sollten als Alarmsignale gewertet werden, die auf eine erhöhte Burnout-Gefahr hinweisen. »Gerade die hohe persönliche Verbundenheit mit dem Beruf ›Pfarrer/in‹ (und damit der Berufung) in Kombination mit den offensichtlich wahrgenommenen hohen zeitlichen und ressourcenzehrenden Anforderungen erzeugt Scherkräfte, die eine Person unter Umständen nicht auf Dauer aushalten kann«, schlussfolgert Pietzcker.

Die Weimarer Pfarrerin Teresa Tenbergen schrieb kürzlich in der Kirchenzeitung »Glaube und Heimat« über ihr Ringen mit dem Pfarrerbild: »Pfarrerin zu sein ist der schönste Beruf der Welt. Aber manchmal stimmen Ideale nicht mit der Realität überein. (…) Es hatte lange gedauert, bis ich verstanden hatte, dass ich keinem in klassischen Bildern gemalten Ideal würde entsprechen können, aber es auch nicht muss, um auf meine Weise eine gute Pfarrerin sein zu können. (…) In mein eigenes Bild davon, wie ich Pfarrerin bin und sein kann, sind neben den Dingen, die ich liebe, gerade viele Herausforderungen gemalt. (…) Ich weiß um die Kraft des Bewährten. Aber ich spüre auch meine Ungeduld. Ich spüre, dass ich an Energie verliere, wenn all meine Ressourcen in den Erhalt des Status quo fließen und nichts mehr bleibt, um die neuen Wege zu gehen.« Die Frage ist, ob die Neuformierung des Pfarrberufs von den einzelnen Pfarrpersonen geleistet oder als strukturelles Problem angegangen werden muss.

Studie und Einordnung zur Berufszufriedenheit:

https://saechsischer-pfarrverein.de/studie-zur-berufszufriedenheit/

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