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Abstand: Die »neue Normalität« des Gottesdienstes

Gottesdienste sind nach den Regelungen von Bund und Ländern wieder möglich. Doch viele Pfarrerinnen und Pfarrer sind unsicher, ob sie wirklich wieder Gottesdienste mit Gemeinde feiern sollen – zumal weiter Kontaktbeschränkungen gelten.
Franziska Hein (epd)
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Abstand Corona Gottesdienst
© congerdesign/Pixabay

Beten mit Mund-Nasen-Schutz, zwei Meter Sitzabstand und Gottesdienste ohne Gesang – ausgerechnet am Sonntag Kantate. Viele Pfarrerinnen und Pfarrer machen sich derzeit Gedanken über das Gottesdienstleben in ihren Gemeinden, das durch die Corona-Pandemie eingeschränkt ist. Zu Beginn machten viele Gottesdienste über Telefon oder Youtube. Mittlerweile sind bundesweit wieder Gottesdienste mit Gemeinde möglich – jedoch nur unter strengen Hygienevorkehrungen.

Die kirchlichen Konzepte sehen unter anderem Sicherheitsabstand, beschränkte Besucherzahl, Verzicht auf Handschlag beim Friedensgruß und beim Abschied an der Tür sowie Abendmahl nur unter besonderen, sehr strikten Hygienevorschriften vor: "Die Gottesdienste, die wir jetzt feiern können, werden sich von denen vor dem 15. März unterscheiden", stellt die evangelische Bischöfin von Kurhessen-Waldeck, Beate Hofmann, in einer Kanzelabkündigung für den nächsten Sonntag fest. "Persönlich finde ich besonders traurig, zumal am Sonntag Kantate, dass wir nicht miteinander singen können." Denn beim gemeinsamen Singen besteht eine hohe Ansteckungsgefahr, wie etwa das Beispiel der Berliner Domkantorei zeigt. Fast der halbe Chor steckte sich bei einer Probe vor Beginn der Kontaktbeschränkungen trotz Sicherheitsabstand an. Vieles, was christliche Gemeinschaft spürbar mache, werde weiter nicht möglich sein, sagt Hofmann.

Ähnlich empfindet das auch der Bonner Pfarrer Oliver Ploch, zu dem an normalen Sonntagen 200 bis 300 Menschen in die Kirche kommen. Die Freude sei tatsächlich nie von der Zahl der Gottesdienstbesucher abhängig, sagt er. "Ich habe schon unvergessliche Gottesdienste mit zwei oder drei Leuten gefeiert, zum Beispiel bei Beerdigungen oder im Altenheim oder im Wohnzimmer, am Sterbebett. Das ist manchmal sogar viel intensiver, als bei einem großen Gottesdienst, wo man vieles im Blick haben muss und angespannt ist." Auch er bedauert, dass im Augenblick nicht gemeinsam gesungen werden kann und dass die Begegnung beim Kirchenkaffee wegfällt.

In sozialen Netzwerken machen sich Pfarrerinnen und Pfarrer öffentlich Gedanken, ob und wann sie wieder Gottesdienste mit Gemeinde feiern. Eine Pfarrerin schreibt etwa, sie sei gestresst, weil sie bislang noch nirgendwo Desinfektionsmittel habe auftreiben können. Einige sind verunsichert und wissen nicht, wie sie die Vorgaben aus den kirchlichen Konzepten umsetzen wollen. Trotz aller Vorkehrungen bleibt ein Restrisiko beim gemeinsamen Feiern. Viele Landeskirchen überlassen die Entscheidung den Gemeinden, ob wieder Gottesdienste gefeiert werden sollen. Manche entscheiden sich bewusst dafür, erst später im Mai etwa an Christi Himmelfahrt mit einem Freiluft-Gottesdienst zu beginnen – auch solche Vorschläge liest man bei Twitter und Instagram.

Auch manch ein katholischer Bischof ist vorsichtig. Die katholische Deutsche Bischofskonferenz hat sehr früh ein Konzept für Gottesdienste mit Infektionsschutz vorgelegt und Bundes- und Landesregierungen zu einer Lockerung gedrängt. Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, begrüßte die Lockerungen unter Achtung aller Vorsichtsmaßnahmen. Auf maßgebliches Drängen des Kölner Erzbischofs Kardinal Rainer Maria Woelki wurden zum 1. Mai in Nordrhein-Westfalen Gottesdienste wieder möglich. Am vergangenen Sonntag hielt er Teile der Liturgie hinter einer Plexiglasscheibe im Kölner Dom. Der Magdeburger Bischof Gerhard Feige reagierte verhalten. Er nannte die Lockerungen bei Gottesdiensten laut Mitteilung seines Bistums einen "Pyrrhus-Sieg". Denn gerade Kranke und Schwache, die Trost und Zuspruch brauchen, könnten nicht kommen.

Bischöfin Beate Hofmann spricht von einer "neuen Normalität" bei Gottesdiensten. Es werde zwar alles ein bisschen fremd sein, sagt Pfarrer Oliver Ploch. "Aber live und mit Menschen ist immer noch schöner, als so ganz alleine zu feiern." Ganz alleine sei er ohnehin nie: "Die Kantorin, der Techniker und der liebe Gott sind immer mit von der Partie."

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