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Aktionsnetzwerk setzte Zeichen für weltoffenes Leipzig

Auch Leipziger Kirchen beteiligten sich daran
epd
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  • Abschlusskundgebung am Waldplatz vom Bündnis "Willkommen in Leipzig"

    Abschlusskundgebung am Waldplatz vom Bündnis "Willkommen in Leipzig"

  • Britta Taddiken, Pfarrerin der Thomaskirche, sprach auf dem Waldplatz.

    Britta Taddiken, Pfarrerin der Thomaskirche, sprach auf dem Waldplatz.

  • Teilnehmerin

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  • Teilnehmer der Demonstration

    Teilnehmer der Demonstration

  • Christian Wolff, Mitinitiator/Willkommen in Leipzig – Eine weltoffene Stadt der Vielfalt

    Christian Wolff, Mitinitiator/Willkommen in Leipzig – Eine weltoffene Stadt der Vielfalt

  • Teilnehmer

    Teilnehmer

Rund 1.700 Menschen haben am Montagabend in Leipzig gegen den zweiten Jahrestag der fremdenfeindlichen "Legida"-Bewegung demonstriert. Die Teilnehmerzahlen wurden von der Forschungsgruppe "Durchgezählt" über den Kurznachrichtendienst Twitter bekanntgegeben. Ein Bündnis aus Initiativen, Gewerkschaften, Parteien, Kirchen und Privatpersonen hatte zu mehreren Protestveranstaltungen aufgerufen. In der Nikolaikirche fand zudem ein Friedensgebet statt, mit dem ein Zeichen gegen Fremdenfeindlichkeit und für eine offene, vielfältige und tolerante Gesellschaft gesetzt werden sollte. Der Leipziger "Pegida"-Ableger "Legida" konnte Schätzungen zufolge rund 400 Anhänger mobilisieren. Die Polizei war mit mehreren Hundert Beamten im Einsatz.

Bei dem Friedensgebet wandte sich der Pfarrer der Leipziger Nikolaikirche, Bernhard Stief, gegen "rassistische und fremdenfeindliche Töne in unserem Land". Zugleich betonte er: "Wir wollen nicht übersehen, wenn uns aktuelle Ereignisse zu denken geben." Dazu zählte der Pfarrer zahlreiche Kriege auf der ganzen Welt. An der Veranstaltung in der Nikolaikirche nahmen unter anderem die frühere sächsische Wissenschaftsministerin Sabine von Schorlemer (parteilos), der Rektor der Handelshochschule in Leipzig, Andreas Pinkwart, und der Propst der katholischen Gemeinde St. Trinitatis, Gregor Giele teil. Ein weiteres, sehr kleines Friedensgebet gestaltete am späten Abend in der Thomaskirche Pfarrer Martin Hundertmark.

Von der Zahl der Gegendemonstranten zeigten sich Polizei und Ordnungsamt unterdessen überrascht. "Wegen wesentlich höherer Teilnehmerzahl" mussten Protestteilnehmer kurzfristig eine andere Route nehmen, twitterte die Polizei. Gleich mehrere Gegendemonstrationen führten zum Waldplatz unweit der Leipziger Innenstadt. "Legida" startete direkt in der Nähe mit einer Demonstration, die auch am jüdischen Zentrum Leipzigs, dem Ariowitsch-Haus, vorbeikam. Diese Routenführung hatte vorab zu Kritik an der Stadtverwaltung geführt. Auch die Erlaubnis der Behörde, die Band "Kategorie C" bei "Legida" auftreten zu lassen, die der rechtsextremen Hooliganszene zugeordnet wird, wurde kritisiert. Bewohner des Waldstraßenviertels, durch das "Legida"-Anhänger marschierten, ließen aus Protest die "Ode an die Freude" von Friedrich Schiller aus ihren Fenstern erklingen.

Die "Legida"-Kundgebung sowie die Gegenproteste fanden unter einem hohen Polizeiaufgebot statt. Mehrere hundert Beamte waren mit Hubschraubern, Räumpanzern, Wasserwerfern und der Reiterstaffel im Einsatz. Im vergangenem Jahr war es zum ersten "Legida"-Jahrestag im linksalternativen Stadtteil Connewitz zu heftigen Randalen gekommen. Dabei hatten vermutlich vor allem rechte Randalierer Geschäfte und Häuser angegriffen. Zudem wurden fünf Polizisten bei den Ausschreitungen verletzt. Die Randale hatten bundesweit für großes Aufsehen gesorgt.

Vor zwei Jahren hatte die erste "Legida"-Kundgebung stattgefunden. Am 12. Januar 2015 waren etwa 2.000 bis 3.000 Teilnehmer der fremdenfeindlichen Bewegung durch die Leipziger Innenstadt marschiert.

Fotos: © Armin Kühne

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5 Lesermeinungen zu Aktionsnetzwerk setzte Zeichen für weltoffenes Leipzig
Leipziger schreibt:
10. Januar 2017, 14:35

Heute bin ich mal wieder richtig stolz auf meine Stadt. Wir zahlreichen Gegendemonstranten (jaja, die wenigen Leute um Pfarrer Wolff...) haben klar und deutlich gezeigt, daß diese Stadt und ihre Bürgergesellschaft von menschenverachtenden Parolen nichts, aber auch gar nichts halten. Ein breites Bündnis aus Parteien (ohne CDU und AfD), Gewerkschaften und Kirchen hat das von Anfang an klargestellt -- auch gestern wieder. Es haben beileibe nicht nur linke Jugendliche (gegen)demonstriert, auch viele Ältere waren darunter. Leipzig ist eben doch ein Klein-Paris, was seine Leute bildet. Wenn sich der rechte Spuk nun erledigt haben sollte, um so besser. Dann war der zweite Jahrestag eben zugleich die Beerdigung.

Der Text auf dem Plakat lautet im übrigen vollständig:
Der Weg von "Sorge" zu Gewalt ist kürzer als von Dresden nach Heidenau.

Trefflich, trefflich.
Übrigens: Alles war friedlich.

L. Schuster schreibt:
12. Januar 2017, 13:00

Lieber Leipziger,
Ihr Beitrag und wie auch der Artikel sowieso wundert mich etwas.
1. Wer eins und eins zusammenzählt, weiß es handelt sich um eine höchst politische Demo und hier wird naturgemäß gelogen so wie übertrieben was das Zeug hält. Sie schreiben „ein breites Bündnis aus Parteien (ohne CDU und AfD), Gewerkschaften und Kirchen“ wo ich mich frage, muss die Kirche bei diesen doch sehr einseitigen, sowie Propaganda und Lügen Bündnis dabei sein?

2. Massenweise muslimische junge, Männer strömen nach Deutschland ein und wenn z. B. viele unsere Mütter und Väter mit heranwachsenden Töchtern die Einwanderungsströme mit sehr vielen Sorgen betrachten, sind sie nach Ansicht dieser Demonstranten gleich Fremdenfeindlich bzw. Rassist. Hier geht muss die Kirche sehr aufpassen, die Sorgen ihre Christen in Wahrheit nicht zu verstehen.

Viele werfen ihr vor, warum sie zu wenig mahnt vor dem Islam. Z. B. Mädchen zu wenige warnt, Sex mit muslimischen Männern zu haben und nicht mehr leichtsinnig feiern zu gehen. Kurz: Macht sich unsere Kirch bei solch einer Kundgebung im Namen des angeblichen Friedens sich nicht lächerlich und völlig unmöglich?

Leipziger schreibt:
14. Januar 2017, 22:44

Lieber Herr Schuster, was wundert Sie?
1. Wie kommen Sie darauf, daß dies ein "Propaganda und Lügen Bündnis" gewesen sei? Ich habe alle Reden gehört und dabei keine Lügen vernommen. (Auf der Gegenseite war das oft anders.) Es waren im übrigen drei Demos (eine von der Nikolaikirche, eine vom Hbf, eine von Connewitz), und ich fand es richtig, daß sich die Kirche (und zwar von Anfang an) hier mit engagiert hat. Ja, das mußte sein, ich habe auch einige Pfarrer gesehen. Es ist Legida nicht gelungen, das Klima in unserer Stadt zu verändern -- alle sind jetzt froh (OBM und Polizeipräsident eingeschlossen). Gegen Rechtsextreme hat sich Kirche immer schon engagiert.
2. Natürlich kann man die Zuwanderung kritisch sehen, deshalb ist man/frau nicht gleich Rassist. Aber was ich von deren Demos (in Leipzig ist ja Protest in Hör- und Sichtweite möglich) gehört habe, hatte mit "besorgten Bürgern" nichts zu tun. Da ging es oft auch nur um "Merkel muß weg" oder "Jung muß weg" (unser OBM) oder andere Haßparolen ohne jegliche inhaltliche Substanz. Deshalb ist die Bewegung auch an Auszehrung verschieden. Keiner wird sie vermissen.
Schließlich: Kirche hat ein friedliches Miteinander in der Gesellschaft anzumahnen und dafür einzutreten. Das gilt für alle Religionen. Ich finde nicht, daß sie sich damit lächerlich oder gar unmöglich macht. "Suchet der Stadt Bestes" (Jer 29,7) wird bei uns halt gelebt.

Britta schreibt:
15. Januar 2017, 11:58

Jaja, das Engagement der Kirche gegen Rechts hat gute alte Tradition, so über 80 Jahre...
Man könnte auch sagen, frei nach Jesus: "Lasset meine Hirten in Ruhe (gegen Rechts engagieren). Die Frohe Botschaft habt ihr immer, Rechte habt ihr aber nicht immer..."

Beobachter schreibt:
15. Januar 2017, 19:20

Hört, hört, interessante Neuigkeiten.
Man mußte also (mindestens) 3 Grüppche "organisieren", um überhaupt in Erscheinung zu treten!
"Es ist Legida nicht gelungen, das Klima in unserer Stadt zu verändern -- alle sind jetzt froh (OBM und Polizeipräsident eingeschlossen)" So, so, ein OBM und ein DDR-Major sind "alle"? Wie sehr die inzwischen dazu wohl kaum noch gebrauchte LEGIDA Veränderungen in Gang gestzt hat, wird sich im Herbst zeigen!
"Natürlich kann man die Zuwanderung kritisch sehen, deshalb ist man/frau nicht gleich Rassist."
Wo leben Sie eigentlich?
"Kirche hat ein friedliches Miteinander in der Gesellschaft anzumahnen und dafür einzutreten. Das gilt für alle Religionen." Eben für ein Miteinander und nicht für Hetze gegen selbständig Denkende!
Ich finde nicht, daß sie sich damit nicht nur lächerlich oder gar unmöglich macht, sondern unglaubwürdig und überflüssig. Naja, die Leute stimmen ja schon kräftig mit den Füßen ab!

Tageslosung

Der HERR wandte sich Israel wieder zu um seines Bundes willen mit Abraham, Isaak und Jakob und wollte sie nicht verderben, verwarf sie auch nicht von seinem Angesicht bis auf diese Stunde.

(2.Könige 13,23)

Gehört ihr Christus an, so seid ihr ja Abrahams Kinder und nach der Verheißung Erben.

(Galater 3,29)

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