Diskriminierung von Muslimen nimmt zu

Religion ist Hauptgrund für antimuslimische Vorfälle
(epd)
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Diskriminierung von Muslimen nimmt zu
© Utsman Media/Unsplash

Die Diskriminierung von Muslimen sei lange ein vernachlässigtes Thema gewesen, sagt der Berliner Verein Inssan. Entsprechende Vorfälle werden erst seit einiger Zeit systematisch dokumentiert. Die Tendenz ist steigend.

Die Zahl antimuslimischer Vorfälle ist in Berlin deutlich gestiegen. Das geht aus einer am Dienstag veröffentlichten Statistik des "Netzwerks gegen Diskriminierung und Islamfeindlichkeit" beim Verein Inssan hervor. So seien in der Bundeshauptstadt 2019 insgesamt 265 Fälle von Diskriminierung registriert worden, die sich gegen Muslime richteten. Das seien 88 Vorfälle oder über 50 Prozent mehr als im Vorjahr gewesen.

Der Verein forderte, dass öffentlich geführte antimuslimische Debatten "in Politik, staatlichen Einrichtungen, der Justiz, den Bildungseinrichtungen als solche benannt und entschieden angegangen" werden. Lange sei die Diskriminierung gegen Muslime in Deutschland ein vernachlässigtes Thema gewesen. So werde antimuslimischer Rassismus bislang nicht ausreichend erforscht, kritisierte der Verein.

"An dem kontinuierlichen Anstieg der Fallzahlen und an der Qualität der Vorfälle zeichnet sich eine schreckliche Entwicklung ab", sagte eine der Projektleiterinnen, Zeynep Çetin. Nicht erst der rassistische Anschlag in Hanau und andernorts habe dies deutlich gemacht: "Wir registrieren in den letzten Jahren immer mehr ungehemmte Vorfälle."

Antimuslimische Ressentiments seien nicht nur bei Rechtsextremen oder Rechtspopulisten, sondern in der Mitte der Gesellschaft verankert, betonte der Verein. So würden auch in Berlin täglich Hunderte Menschen "als fremd und nicht zugehörig markiert". Viele Muslime erlebten immer wieder subtile, verdeckte Formen von Diskriminierung, so Çetin.

Von den in Berlin dokumentieren Fällen seien im vergangenen Jahr 225 Personen aufgrund ihrer islamischen Religionszugehörigkeit diskriminiert worden. 162 Personen hätten aufgrund ihrer zugeschriebenen ethnischen Herkunft Anfeindungen und 124 Personen auch aufgrund ihres Geschlechtes erlebt.

So seien Frauen mit 54,7 Prozent häufiger von antimuslimischem Rassismus betroffen gewesen als Männer. Das könne daran liegen, dass Frauen mit Kopftuch leichter als Musliminnen zu erkennen seien, begründete Çetin. Es sei aber auch möglich, dass Frauen Vorfälle häufiger meldeten.

Für 2019 dokumentierte Inssan überdies 51 Prozent der Diskriminierungen im sozialen Nahraum. Dazu zählten Vorfälle in der Öffentlichkeit, auf der Straße, in öffentlichen Verkehrsmitteln, in Nachbarschaft, Sport oder Freizeitvereinen. Insgesamt zwölf Prozent der Fälle hätten im Bereich Bildung stattgefunden, also in Kitas, Schulen, Universitäten und Weiterbildungseinrichtungen. Am Arbeitsplatz habe es elf Prozent der dokumentierten Vorfälle gegeben. 19 Prozent der Übergriffe hätten sich online abgespielt.

Der Verein rief zu mehr Sensibilisierung für antimuslimischen Rassismus auch bei der "nichtmuslimischen Community" auf. Verbesserungen bei Fällen von strukturellem und institutionellem Rassismus versprechen sich die Vertreter von Inssan zudem durch das in Berlin geplante Landesantidiskriminierungsgesetz.

Inssan ist ein 2002 gegründeter Verein. Er verfolgt nach eigenen Angaben das Ziel, "die Entwicklung eines deutschsprachigen Islam zu fördern". Der Verein richtet sich unter anderem an Menschen, die von antimuslimischem Rassismus betroffen sind und bietet dazu Beratung an.

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