»Für mich ist das Singen sehr, sehr wichtig«

Angela Merkel über gute Gottesdienste, eine solidarische Gesellschaft und Inklusion
epd
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Angela Merkel Bundeskanzlerin
© Tim Reckmann/pixelio.de

»Für mich ist das Singen sehr, sehr wichtig, ne gute Predigt, da habe ich auch nichts dagegen.« Das sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Mittwochabend in Potsdam zur Frage, was für sie ein wichtiger Ausdruck des christlichen Glaubens sei.

Zu Gast war Merkel in der Kirche des Potsdamer Oberlinhauses der Diakonie. Dort sprach sie sich auch für eine »Gesellschaft des Zusammenhalts« aus.

Sie würdigte das Engagement für Menschen mit Behinderungen. Diese Arbeit sei auch im 21. Jahrhundert weiter nötig, um »wirklich eine inklusive Gesellschaft, eine Gesellschaft des Zusammenhalts zu gestalten«, sagte Merkel am Mittwochabend in der Kirche des Potsdamer Oberlinhauses der Diakonie. Dabei sei auch der Staat »zur Humanität und damit zur Fürsorge verpflichtet«. Das evangelische Sozialunternehmen hatte die Bundeskanzlerin zur diesjährigen Oberlinrede eingeladen.

»Wo immer es möglich ist, sollten Menschen mit und ohne Behinderungen zusammen sein«, betonte Merkel. Sie sei jedoch überzeugt davon, dass sowohl gemeinsame inklusive Einrichtungen für Behinderte und Nicht-Behinderte als auch Fördereinrichtungen ausschließlich für Menschen mit Handicap notwendig seien. Behinderte müssten ebenso auf dem regulären Arbeitsmarkt wie in geschützten Bereichen arbeiten können.

Sie sei »ein bisschen betrübt« darüber, dass über die Frage inklusiver oder eigenständiger Förderung von Menschen mit Behinderungen zum Teil regelrechte Grabenkämpfe geführt würden. Im Mittelpunkt müssten jedoch die unterschiedlichen Bedürfnisse der Betroffenen stehen, betonte Merkel: »Da braucht man diese verschiedenen Ansätze.«

Merkel, die in der DDR bei Templin selbst im Pfarrhaus einer diakonischen Einrichtung aufwuchs, würdigte zugleich das Oberlinhaus. Die Arbeit dort sei mit Einsatz, Leidenschaft und Geduld aufgebaut worden, sagte Merkel: »Es ist großartig, wie Sie hier wirken.« Unter den Gästen waren auch Brandenburgs früherer Ministerpräsident Manfred Stolpe (SPD), der Präsident des Konsistoriums der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, Jörg Antoine, die Berliner Diakoniechefin Barbara Eschen und der Bevollmächtigte des Landes Brandenburg beim Bund, Staatssekretär Martin Gorholt (SPD).

Das Oberlinhaus mit 13 Tochtergesellschaften und rund 1800 Beschäftigten engagiert sich seit fast 150 Jahren vor allem für Kinder und Menschen mit Behinderungen. Heute werden dort in verschiedenen Einrichtungen, darunter einem Berufsbildungswerk für Auszubildende und Wohnangeboten für Taubblinde und Menschen mit Autismus, nach eigenen Angaben mehr als 30 000 Menschen betreut.

Der historische Oberlinverein wurde 1871 in Berlin zur Betreuung von Kindern gegründet. 1874 wurde die erste Einrichtung im heutigen Potsdam eröffnet, 1886 begann die Arbeit mit Behinderten. Namensgeber des Sozialträgers ist der elsässische Pfarrer und Sozialreformer Johann-Friedrich Oberlin (1740–1826).

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