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Hakenkreuz-Glocken sind untragbar

Interview mit dem Glockenexperten Rainer Thümmel über die Kirchenglocken mit sichtbaren Bezügen zum Nationalsozialismus in Sachsen
Uwe Naumann
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Rainer Thümmel
Dr. Rainer Thümmel ist Glockensachverständiger der Landeskirche Sachsens. © Goralski

Neben dem Lößnitzer Glockenspiel gibt es in Sachsen auch fünf Kirchenglocken mit sichtbaren Bezügen zum Nationalsozialismus. Darüber sprach Uwe Naumann mit dem langjährigen Glockenbeauftragten der Landeskirche Sachsens, Rainer Thümmel. Er ist weiterhin ehrenamtlicher Glockensachverständiger und Vorsitzender des Vereins Freundeskreis Dresdner Synagoge e.V.

Herr Thümmel, Sie haben sich Jahrzehnte mit Glocken beschäftigt. Waren Sie überrascht über diese Diskussion?

Rainer Thümmel: Der Auslöser war ja eine Glocke im pfälzischen Herxheim. Jetzt wird über Lößnitz diskutiert. Veränderungen im Lößnitzer Glockenspiel zu fordern, ist auf jeden Fall berechtigt. Gerade die Empörung Jüdischer Gemeinden kann ich verstehen, denn sie mussten unter dem Hakenkreuz besonders leiden. Dass qualitätsgerechte Kopiegüsse der betroffenen vier Glocken kein Problem sind, habe ich bereits dem Bürgermeister von Lößnitz geschrieben und dieses Schreiben später an den Lößnitzer Pfarrer weitergeleitet, beides bisher noch ohne Antwort.

Hatten Sie in Ihrer Dienstzeit mit solchen Glocken zu tun?

Es betrifft in Sachsen nur eine Handvoll Glocken. Persönlich ist mir bisher kein Fall bekannt geworden, dass Glocken deshalb verändert werden sollten. Und bis vor zwei Jahren war im gesamten Schriftverkehr des Landeskirchenamtes, der mir zu Glocken bekannt ist, keine Rede von Glockenzier mit NS-Symbolen.

Weil die Gemeinden es nicht als Problem ansahen?

Ich denke, dass nur wenige Menschen überhaupt davon wussten. Wer weiß denn, was auf den Glocken seiner Gemeinde steht? In der Regel waren die 1933 bis 1939 gegossenen Glocken Ersatzgüsse für im Ersten Weltkrieg eingeschmolzene Glocken. Nach dem Zweiten Weltkrieg wollten die Gemeinden sicherlich nicht schon wieder auf ihre Glocken verzichten müssen. 

Und nun, da wir davon wissen: Was soll jetzt mit den Kirchenglocken geschehen, auf denen Hakenkreuze eingegossen sind oder Bezug genommen wird auf die Gründung des »Grossdeutschen Reiches«?

Ob man sich von Glocken trennen sollte, auf denen »Großdeutsches Reich« steht, ist fraglich, es hieß ab 1938 so. Hakenkreuze halte ich für untragbar. Glocken mit Hakenkreuz in der Zier kann man nur aussondern, aber nicht abschleifen. Diese Glocken sollten aufbewahrt werden, mit distanzierenden Hinweisen, dass das damals ein Irrweg war. Bei der geringen Anzahl der betroffenen Glocken ist es sicher kein Problem, deren Läuten einzustellen. Es ist nun Sache der Kirchgemeinden, mit Hilfe des Landeskirchenamtes diese Glocken durch Neugüsse zu ersetzen.

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