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»Keine Scheu vor neuen Wegen«

Erstes Interview mit den Bischofskandidaten Ulrike Weyer und Tobias Bilz über ihre Kandidatur.
Uwe Naumann
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Ulrike Weyer, Tobias Bilz
Die von der Kirchenleitung für das Bischofsamt vorgeschlagenen Kandidaten Ulrike Weyer und Tobias Bilz. © evlks

Frau Weyer, warum kandidieren Sie für das Bischofsamt?
Ulrike Weyer: Jeder Pfarrer und jede Pfarrerin soll seinen Dienst in Treue gegenüber seiner Landeskirche ausüben. Nachdem ich mich im Vorjahr bereits zur Kandidatur für das Amt der Landesbischöfin der EKM bereit erklärt hatte, stand außer Frage, dass ich auch der nun erfolgten Anfrage aus Dresden nachkomme. Auf dieses Amt kann man sich nicht bewerben, und neben der Ehre einer solchen Anfrage sind vor allem die vielfältigen Aufgaben und Anforderungen zu sehen. Dies gilt genauso für meinen gegenwärtigen Dienst als Superintendentin im jüngst fusionierten Kirchenbezirk Vogtland – einer Region, die mein Mann und ich sehr schätzen und lieben gelernt haben. Ich arbeite gerne mit den Menschen hier, werde mich aber dem Ruf meiner Kirche nicht entziehen und im Falle der Wahl Verantwortung übernehmen.

Herr Bilz, warum kandidieren Sie für das Bischofsamt?
Tobias Bilz: Auf das Bischofsamt kann man sich nicht bewerben, man wird angesprochen. So war es auch bei mir. Parallel dazu haben mich weitere maßgebliche Personen dazu aufgefordert oder sehr ermutigt. »Sie und ihre Möglichkeiten werden jetzt gebraucht.« Das habe ich in den letzten Wochen oft gehört. Viele trauen mir offenbar zu, in unserer Kirche als Brückenbauer wirken zu können.
In Gesprächen und im Gebet ist meine innere Klarheit gewachsen, die in die Bereitschaft zur Kandidatur gemündet ist. Genauso wichtig ist mir das Vertrauen der Kirchenleitung, welches durch die Anfrage und letztlich die Benennung ausgedrückt wird.

Frau Weyer, wo sehen Sie die geistlichen Herausforderungen der jetzigen Zeit und welche Themen sind Ihnen wichtig?
Ulrike Weyer: Aufbruch und Weggemeinschaft sind wesentliche Elemente kirchlichen Lebens. Das bedeutet zugleich, keine Scheu zu haben vor neuen, ungewohnten und streckenweise auch mühsamen Wegen. Wir dürfen uns dabei immer geführt wissen. Das Arbeiten in veränderten Strukturen mutet uns bereits einiges zu: Mir ist es wichtig, die lokale und regionale Ebene miteinander zu verbinden. Das fordert Ehrenamtliche und Mitarbeiter sehr: In unserem Kirchenbezirk ist daher Teambildung ein wichtiger Punkt, in den wir viel Zeit und Kraft investieren. Die Ehrenamtlichen und Mitarbeiter haben einander viel zu geben. Bei allen Abschieden erleben wir auch Kreativität, was Lust und Freude an der gemeinsamen Arbeit weckt. Die Gemeindegliederzahlen dürfen wir nicht außer acht lassen. Doch daneben sind missionarische Aufbrüche zu wagen, deren Formen vielgestaltig sein müssen, um an die Lebenswelten in der heutigen Gesellschaft nachhaltig anzuknüpfen. Der geistliche Hunger ist auch in den Gemeinden groß und gleichermaßen durch geeignete Angebote aufzugreifen. Nicht zu vergessen ist: Keiner kann immer nur vorwärts gehen, viele sind erschöpft. Wir brauchen auch Atempausen auf unserem Weg.
Als Superintendentin ist mir zudem die Kompetenzverteilung in unserer Landeskirche ein wichtiges Thema: Welche Befugnisse haben die Kirchenbezirke als diejenigen, die die Arbeit vor Ort kennen und wesentlich unterstützen? Vieles ist an enge Vorgaben geknüpft: Mehr Gestaltungsmöglichkeiten vor Ort helfen, den Anforderungen gerecht zu werden.

Herr Bilz, wo sehen Sie die geistlichen Herausforderungen der jetzigen Zeit und welche Themen sind Ihnen wichtig?
Tobias Bilz: Es gibt eine Fülle von Themen und Herausforderungen. Die Strukturreform und die Konflikte des letzten Herbstes haben dazu geführt, dass wir als Kirche sehr mit uns selbst befasst waren und sind. Mich bewegt jetzt vor allem die Frage nach unserer Identität als Ev.-Luth. Landeskirche Sachsens. Was macht unser Wesen aus? Wie soll sich das heute ausdrücken? Immer wieder standen und stehen Fragen der Struktur und Organisation im Vordergrund. Ich möchte, dass wir uns wieder darauf besinnen, ein lebendiger Organismus zu sein. Daraus werden sich neue Perspektiven eröffnen. Zugleich ist mir bewusst, dass der Glaube auf die aktuellen Lebensfragen aller Menschen bezogen werden muss. Kirche ist kein Selbstzweck, sie hat eine Funktion: Salz der Erde und Licht der Welt zu sein! Vor einiger Zeit wurde ich mit folgender Aufforderung angesprochen: »Ihr in der Kirche habt die gleichen Spannungen und Schwierigkeiten wie die Gesellschaft insgesamt. Könnt ihr uns nicht zeigen, wie man damit umgeht?«  Das fordert uns dazu heraus, miteinander zu leben, was wir glauben und damit anderen zu dienen.

Das komplette Interview – mit Fragen zum »Frömmigkeitsstil« der jeweiligen Kandidaten sowie zu ihren Möglichkeiten des Brückenbaus über die Gräben, die besonders nach dem Rücktritt von Carsten Rentzing sichtbar geworden sind – lesen Sie hier, in der zweiten Hälfte des Artikels »Sächsische Auswahl«. (Nur für Digital-Abonnenten)

PDF Sonntag 15-2020

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