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»Migranten wollen nicht immer nur beschenkt werden«

Kirchlicher Ausländerbeauftragter will Kontinuität in der Flüchtlingsarbeit
epd
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Refugees Welcom Banner an Kirche
© Gabi Eder/pixelio.de

Der Ausländerbeauftragte der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens, Albrecht Engelmann, will die Integrationsarbeit der Gemeinden langfristig stärken. Es brauche vor allem »viel mehr Kontinuität« bei den Begegnungs- und Gesprächsangeboten, sagte Engelmann dem Evangelischen Pressedienst (epd) in Dresden. Dafür sei eine über mehrere Jahre verbindliche Projektförderung durch die sächsische Landeskirche »ganz wichtig«. Kirchgemeinden seien mit ihren Integrationsprojekten oft »Impulsgeber in den Regionen« und nah an den Flüchtlingen dran.

Sie sollten daher finanziell die Möglichkeit haben, Migranten auch längerfristig zu unterstützen und zu beteiligen, sagte Engelmann. Dabei sollten Gemeinden jedoch auch den rechtlichen Rahmen kennen, etwa wenn sie Flüchtlinge beschäftigen.

»Migranten wollen nicht immer nur beschenkt und umsorgt werden«, sagte Engelmann weiter, »sie wollen selbst etwas tun«. Dafür sollten mehr Möglichkeiten geschaffen werden. Denkbar seien etwa Praktika bei Handwerksbetrieben von Kirchenmitgliedern oder Hilfsarbeiten in den Kirchgemeinden.

»Wir müssen anschlussfähig werden«, forderte Engelmann. Das liege auch im Interesse der Kirchgemeinden. Die sächsische Landeskirche stellt 2018 für die Integrationsarbeit ihrer Gemeinden 400 000 Euro bereit. 2017 sowie die beiden Jahre davor waren es jeweils 500 000 Euro. Das Geld wird über jährliche Anträge zur Projektförderung ausgereicht.

Engelmann plädiert zudem für die Möglichkeit einer längerfristigen finanziellen Planung der Integrationsarbeit. Die Jahresförderung habe Nachteile, sie ziehe befristete Dienstverträge und Teilverträge nach sich sowie ein hohes Maß an Bürokratie. Außerdem seien die Förderanfragen aus den Kirchgemeinden gestiegen, sagte er.

»Wir leben in einer Migrationsgesellschaft. Das geht auch an der Kirche nicht vorbei«, sagte Engelmann weiter. Die Gesellschaft werde vielfältiger. »Wenn wir eine zukunftsfähige Kirche sein wollen, dann müssen wir uns positionieren«, fügte er hinzu. Kirche werde nach Expertise gefragt. Die Erwartungen seien »sehr hoch«.

»Dabei stoßen wir als Christen auf eine Gesellschaft, die mit Religion nicht so viel am Hut hat. Uns kommt oft eine Moderationsaufgabe zu«, sagte er. Zudem brauche es interreligiöse Kompetenz und Dialogfähigkeit. Wenn beispielsweise eine junge Muslima in einem evangelischen Kindergarten arbeite, dann bringe das auch Fragen mit sich. Die reichten bis hin zur »Sorge, die eigene Glaubensgrundlage zu verlieren«.

Die Grundlage für ein fruchtbares Gespräch mit Andersgläubigen sowie Andersdenkenden sei deshalb ein »klares Gegenüber«. Vor diesem Hintergrund appelliert Engelmann: »Je klarer wir als Kirche sind, desto besser funktioniert das.«

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11 Lesermeinungen zu »Migranten wollen nicht immer nur beschenkt werden«
Rainer H. schreibt:
19. Februar 2018, 17:03

Hat schon jemand bemerkt, daß plötzlich vorrangig von Migranten, nicht von Flüchtlingen, die Rede ist?

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