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Neue Wege der Mission

Mission: In Leipzig beginnt die Missionsaktion ProChrist. Ist das der Königsweg der Mission? Neue Forschungen über Glaubenswege zeigen für die Strukturreform der Kirche eine Richtung.
Andreas Roth
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Ausgerechnet aus Leipzig soll ab 11. März das Evangelium kommen. Aus einer Stadt, in der über 82 Prozent der Einwohner keiner Kirche angehören. Von hier aus wird in der kommenden Woche die missionarische Aktion ProChrist sieben Abende lang per Satellit an über 500 Orte in Deutschland und Europa Vorträge, Gespräche und Musik senden. Das Ziel der Veranstalter aus landes- und freikirchlichen Gemeinden: Menschen mit dem christlichen Glauben erreichen.

Das würden viele Christen in Sachsen auch gern tun. Doch die Aussicht auf schwindende Mitgliederzahlen und Finanzen sowie die flankierenden Pläne einer Strukturreform samt Kürzungen und Fusionen entmutigt da eher. Wie lässt sich wieder der Vorwärtsgang einlegen?

Die Landessynode diskutierte beispielsweise über zusätzliche Pfarrstellen für missionarische Arbeit – zula­sten der Ortsgemeinden. Da ließ sie lieber die Finger davon. Die Kirchenleitung aber sieht in ihrer Stellenplanung für die Zeit ab 2025 dennoch die Möglichkeit solcher zusätzlicher missionarischer Stellen vor, um »in den Kirchenbezirken Freiräume und Entwicklungspotentiale zu schaffen«. Doch sind solche Leuchttürme überhaupt der richtige Weg?

Der renommierte Religionssoziologe Detlef Pollack warnte bei der EKD-Synode im Herbst vor Illusionen. Nur zehn Prozent der Deutschen seien religiös auf der Suche, sagte der in Mün­ster lehrende Professor. Es gebe nur eine »schwache religiöse Nachfrage« und »keine große religiöse Sehnsucht«. Auch wenn es Kirchenleute gern anders hätten. »Es ist effektiver, sich vor allem um diejenigen zu kümmern, die noch in der Kirche sind und an ihrem Rand stehen.«

Mit einem missionarischen Feuerwerk wird es da nicht getan sein. Gefragt sind die Mühen der Ebene. Denn wenn ein Mensch zum Glauben findet, sind auf dem Weg fast immer christliche Freunde, Verwandte, Kollegen, Nachbarn und kirchliche Mitarbeiter in der Nähe wichtig. Das hatte die große Studie »Wie finden Erwachsene zum Glauben?« des Greifswalder Instituts zur Erforschung von Evangelisation und Gemeindeentwicklung herausgefunden. »Persönliche Kontakte sind in der Regel der Schlüssel, und das sind natürlich Alltagskontakte«, sagt dessen Direktor Professor Michael Herbst.

Für die Struktur der Kirche bedeutet das: Sie muss möglichst nah bei den Menschen sein und ihren Mitarbeitern möglichst viel Raum für Begegnungen auch außerhalb der Kerngemeinde bieten. Sie sollten Zeit haben für die Begleitung »geistlicher Reisen« mit Umwegen, Ausstiegen und Wiedereinstiegen, so Herbst. »Wir brauchen missionarische Geduld.« Denn im Durchschnitt dauere ein Prozess hin zu einem festen Glauben über zwölf Jahre, so die Studie.

Einen schnelleren Weg gibt es. Der muss nur besonders zeitig beginnen. »Ob man als Kind eine religiöse Erziehung erfahren hat oder nicht entscheidet maßgeblich darüber, ob man als Erwachsener zur Kirche gehört«, stellt Detlef Pollack fest. Die Konsequenz für Kirchenstrukturen wäre, der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen höchste Priorität einzuräumen. Gemeindepädagogen und Kantoren können dabei mindestens genauso wichtig sein wie Pfarrer. Und mehr noch: Aus der Innensicht von Kirchgemeinden wird oft unterschätzt, welche Chancen im nahen evangelischen Kindergarten, in evangelischen Schulen und im Religionsunterricht schlummern. Dort sind nichtgetaufte Kinder und ihre Eltern, die erwartungsvoll auf die Kirche zugehen. Selbst unter den getauften Kindern, so Professor Detlef Pollack, werde heute nur noch die Hälfte christlich erzogen.

Mission beginnt im Kleinen. Und in der Nähe.

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2 Lesermeinungen zu Neue Wege der Mission
Gert Flessing schreibt:
10. März 2018, 11:33

Auch wir hatten einmal Pro Christ, als Übertragung in der Kirche. Es hat diejenigen, die fest im Glauben stehen, gestärkt. Aber es hat niemanden Neues dazu gebracht.
Es gibt kaum eine religiöse Sehnsucht unter den Menschen hier.
Es gibt aber eine große Sehnsucht nach Gemeinschaft, nach einem Raum, an dem Menschen gehört werden und Vertrauen finden.
Ein Pfarramt oder ein Gemeindebüro kann ein solcher Ort sein, wenn jene, die dort tätig sind, ein klein wenig Empathie haben.
Jedes Gespräch, während der Anmeldung eines Sterbefalles ist ein Stück Seelsorge, wenn man es so verstehen und führen will.
Selbst dann, wenn am Ende ein Redner in der Halle stehen wird.
Gert Flessing

Beobachter schreibt:
12. März 2018, 8:17

Das Ziel, Menschen mit dem christlichen Glauben erreichen ist aller Ehre wert. Und wenn nur einem (neu) der Weg zum ewigen Leben gezeigt wird, hat es sich gelohnt. Der gestrige Abend wr doch schon mal ein hoffnungsvoller Beginn!

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