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Singen mit Abstand und Maske

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© fotoART by Thommy Weiss / pixelio.de

Wer bei Youtube die Suchbegriffe "Chor" und "Corona" eingibt, findet unzählige Treffer. Meistens Aufnahmen, die Sängerinnen und Sänger während der Kontaktbeschränkungen vor der Webcam aufgenommen haben. So gibt es etwa den "Stay at Home Choir", der von der bekannten englischen A-cappella-Gruppe "The Kings Singers" initiiert wurde. 732 Menschen aus 52 Ländern singen zusammen einen Klassiker von Billy Joel. Allein: Die Aufnahme ist eine Klangmontage. Die Sängerinnen und Sänger waren räumlich und zeitlich nicht beieinander - eigentlich eine Grundvoraussetzungen für Chorgesang.

Seit Beginn der Corona-Pandemie in Deutschland sind Chorproben unter den sonst üblichen Bedingungen nicht mehr möglich. Das Coronavirus wird hauptsächlich durch Tröpfcheninfektion übertragen. Ein weiteres Infektionsrisiko stellen die sogenannten Aerosole dar, winzige unsichtbare Flüssigkeitströpfchen, die sich mit der Luft in Räumen verbreiten können. Auf diese Weise können sich bei einer Chorprobe Menschen mit dem Virus infizieren, die nicht unmittelbaren Kontakt zu einer infizierten Person hatten.

Anfang April wurde bekannt, dass sich mehr als die Hälfte der Mitglieder des Berliner Domchors bei einer Probe angesteckt hatten. Das Bundesland Berlin erließ ein Singverbot für Chöre in geschlossenen Räumen. Der Gemeindegesang im Gottesdienst ist in evangelischen und katholischen Kirchen untersagt - oder nur mit Mund-Nasen-Maske möglich.

Die Universitätskliniken München und Erlangen haben vergangene Woche vorläufige Studienergebnisse zur Ausbreitung von Aerosolen durch Gesang veröffentlicht. Sie haben anhand eines Experiments mit dem Chor des Bayerischen Rundfunks die Abstrahlung und Verteilung von Tröpfchen und Aerosolen beim Singen untersucht. Die Forscher kommen zu dem Schluss, die üblichen vom Robert Koch-Institut empfohlenen 1,5 Meter Abstand reichen nicht aus. Gerade nach vorne hin kann die Aerosolwolke sich bei einigen Sängern bis zu 1,5 Metern ausbreiten. Daher empfehlen sie einen Abstand von zwei bis zweieinhalb Metern nach vorne und einen Abstand von je 1,5 Metern seitlich. Zudem müsse auf kontinuierliche Belüftung und das Tragen von Mund-Nasen-Schutz geachtet werden, rät der Münchner Medizinprofessor Matthias Echternach, einer der beiden Studienleiter.

Vielerorts wurden Kontaktbeschränkungen wieder gelockert, doch Chöre müssen weiter vorsichtig sein. Ausgesetzte Chorproben und abgesagte Auftritte - das trifft professionelle Chöre und Laienchöre gleichermaßen. Online-Proben sind für viele keine akzeptable Alternative. Wegen der unterschiedlichen Internetübertragung ist Synchronizität fast nicht zu erreichen. Als "Notbehelf" und zum Töne lernen funktioniere das, sagt der Kantor des Hamburger Michels, Jörg Endebrock. Bei Chorproben über Videokonferenz-Software singe jeder einzeln für sich zu Hause bei abgeschaltetem Mikrofon. Aber beim Chorsingen gehe es ja darum, Kontakt mit seinen Mitsängerinnen und -sängern aufzunehmen und einen gemeinsamen Klang zu erzeugen.

Der Deutsche Chorverband hat Anfang Juni, als in Deutschland die Kontaktbeschränkungen gelockert wurden, ein Positionspapier herausgegeben. Es soll Chören als Grundlage für ein eigenes Hygienekonzept dienen. Es empfiehlt neben den allgemeinen Hygieneregeln wie Hände waschen, desinfizieren und die Husten- und Nies-Etikette das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes während der Probe, einen Abstand von zwei Metern pro Sänger in jede Richtung und regelmäßiges Lüften. Grundsätzlich sei Chorsingen im Freien mit einem geringeren Infektionsrisiko verbunden. Zudem müsse bei Proben in Innenräumen die Größe und die Personenzahl mitbedacht werden. Beim Michel-Chor sind seit einigen Wochen wieder Proben in Kleingruppen mit zwei bis drei Metern Abstand im großen Gemeindesaal oder im Michel selbst möglich. Das bedeutet aber auch Aufwand. Endebrocks Chor hat 100 Mitglieder, er probt jetzt jeweils an zwei Abenden in der Woche mit mehreren Gruppen für 45 Minuten. An ein gemeinsames Singen oder gar einen Auftritt des gesamten Chors ist noch nicht zu denken.

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