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Heilsame Ent-Täuschung

Andreas Roth
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War es nur ein frommer Wunsch? Die raue Debatte um gleichgeschlechtliche Partnerschaften, die nach einem Kirchenleitungsbeschluss von Anfang 2012 in Einzelfällen in Pfarrhäuser einziehen dürfen, schien sich gelegt zu haben. Und nun das: In einem Chemnitzer Appell hat die Bekenntnisinitiative ihre Forderung nach Rücknahme jener Öffnung für Homosexuelle erneuert.

Viele mag das enttäuschen. Und ja: 200 Teilnehmer beim Tag der Bekenntnisinitiative sind noch keine Massenbewegung. Doch sie zeigen ein weit verbreitetes Unbehagen am Wandel von Werten. Und das Gefühl, von oben nicht gehört zu werden. In der Politik hat die AfD diesen Menschen eine Stimme gegeben. Auch in der Kirche müssen sie eine Stimme haben. Die Wunden in vielen Kirchgemeinden sind noch offen. Übrigens auch die der betroffenen Menschen, die diese Debatte ganz persönlich angreift.

Die Baustelle ist weit größer als das Thema Homosexualität. Es geht um das Monopol der historisch-kritischen Auslegung der Bibel, um die akademische Theologenausbildung – und letztlich um die knallharte Verteilungsfrage, wer in der Landeskirche für welches geistliche Anliegen wieviel Geld bekommt. Dass die Bekenntnisinitiatve jetzt all diese Themen offen auf den Tisch legt, ist auch ein Gewinn.

Nun müssen Kirchenleitung und Theologie ihrerseits für ihre Positionen werben. So, dass es die Herzen der Menschen in den Kirchgemeinden erreicht. Denn das ist ein Kernproblem der bisherigen Diskussion: Sie war oft zu akademisch, zu intellektuell. Bei vielen Christen kam an: Sie war zu abgehoben – von ihrer Lebenswirklichkeit und von der Bibel. Theologie aber kann die Menschen nur über das Herz erreichen. Oder gar nicht.

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29 Lesermeinungen zu Heilsame Ent-Täuschung
Beobachter schreibt:
15. Oktober 2014, 23:26

Lieber Herr Roth,
ich danke Ihnen für diesen mutigen Kommentar!
Da sind wir doch alle mal gespannt, wie die Kirchenleitung, die Herzen der Menschen in den Kirchgemeinden erreicht!
Denn das ist sicher nicht nur ein Kernproblem der bisherigen Diskussion sondern auch der Kirchenleitung, sie war oft zu akademisch, zu intellektuell. Bei vielen Christen kam an: Sie war zu abgehoben – von ihrer Lebenswirklichkeit und von der Bibel. Theologie und Kirchenleitung aber können die Menschen nur über das Herz erreichen. Oder gar nicht.
Ganz sicher aber nicht mit "Suspendierungen", Entlassung, Teilnahmeverbot am Abendmahl, Hausverbot, Androhung von finanziellen Einbußen,...!

Gert Flessing schreibt:
21. Oktober 2014, 13:25

Die "Baustelle" ist groß, um die es in unserer Kirche geht. Die "Homodebatte" ist nur der Popanz, an dem man das alles augehängt hat und der war mir von Anfang an suspect.
Es ware gut, wenn wir, vielleicht auch hier, und ohne Spitzen und Bösartigkeiten, in ein vernünftiges Gespräch über die Zukunft unserer Kirche und unserer Gemeinden kommen würden.
Ich halte die Ausbildung der Theologen nicht für schlecht. Ich bin auch kein Feind der HKM. sie ist ein Werkzeug, das ein besonnener und nüchtern arbeitender Theologe nutzt, um einen Text in seiner Entstehungszeit zu untersuchen.
Gleichzeitig erwarte ich von einem christlichen Theologen, das er in Gott ruht. Jesus, der Christus muss sein Fundament sein und die Liebe zu Jesus muss ihn umtreiben.
Wer nicht in einer lebendigen Verbindung zu Gott und Christus lebt, der wird auch das Evangelium nicht wirklich in sich tragen und wer es nicht in sich trägt, wird es wohl auch nicht den Menschen in den Gemeinden bringen können.
Nur aus dieser lebendigen Verbindung mit dem, was ewig ist, wird die Beschäftigung mit dem Text auch zur Ansprache des ewigen Gottes werden.
Aber nur, wenn jemand das erlebt, diese Anrede Gottes im Heute in so einem alten Text, wird er auch die Lebenwirklichkeit der Menschen erreichen und ihnen Lebenshilfe geben können.
Einen Wandel der Werte? Ich sehe ihn nicht.
Gottvertrauen, Nächstenliebe, Vernunft, das sind bleibende Werte.
Die Kardinaltugenden sind auch noch nicht aus der Mode gekommen.
Der Rest sind Marginalien, sind Interpretationen.
Wer aber meint, die "Werte" würden zeitgebunden sein, der jagt Schatten nach, die heute diese und morgen jene Gestalt haben.
Das haben wir als Christen und Kirche nicht nötig.
Gert Flessing

L.S. schreibt:
23. Oktober 2014, 14:16

Aber es ist doch eine Lüge, dass diese 200 Stimmungsmacher in Chemnitz für „die Herzen der Menschen in den Kirchgemeinden“ sprechen.
Dieser Appell ist das Werk einer oft sektenartigen Minderheit, die eine Ansicht von höchstens 3 % der Gemeindemitglieder vertreten.

Stimmungsmache, von anonymen SBI- Kirchen bzw. wo nur wenige Gemeindemitglieder wissen welches Spiel ihre Kirche hier spielt.
Die mit den Appell für eine weniger liberalen Bibelauslegung uns in Richtig Sekte bringen. Bei nur 20 % Ostdeutsche die Kirchenmitglied sind ist dieser Weg schnell eingeschlagen.

Dabei wissen hier auch viele Nichtmitglieder, dass ohne den Glauben an Gott das Leben keinen Sinn hat. Sehen sein Gebot erfüllt wenn sie hilfsbereit sind, Menschenrechte achten, stehen daher gutmütig zu unserer Landeskirche.
Dieses ändert sich wenn unsere Kirche von ihrer liberale Ansichten zur Homosexualität abrücken würde, sich hin zu dieser da strengeren Sekten ändern würde. Wo dieser neue (völlig undemokratische) Versuch unsere sächsische Kirche so zu ändern, von der EKD zu entfernen schon bedenklich ist.

Das hat auch nichts mit der Politik zu tun, hier irrt Herr Roth. Politik ist demokratisch.

Beobachter schreibt:
23. Oktober 2014, 15:34

Lieber Herr Schuster,
gut, daß Sie sich mit Ihren primitiven Unterstellungen und vagen Behauptungen nicht irren. Trotzdem sollten Sie vielleicht einfach vorher mal den Artikel richtig lesen und sich über den Begriff Sekte informieren? (Wenn, dann könnte man den eher für die H. in Anspruch nehmen!)
"Bei vielen Christen kam an: Sie war zu abgehoben – von ihrer Lebenswirklichkeit und von der Bibel. Theologie aber kann die Menschen nur über das Herz erreichen. Oder gar nicht."
Da geht es also nicht nur um die 200 "Stimmungsmacher", es gent um viele Kirchengemeinden, Werke und Einzelpersonen!

Beobachter schreibt:
23. Oktober 2014, 15:42
Gert Flessing schreibt:
23. Oktober 2014, 21:54

Lieber Herr Schuster, Politik kann demokratisch sein. Aber muss es nicht.
Es geht auch nicht um Stimmungsmache. Warum, um Himmels Willen, springen Sie denn sofort wieder auf den blöden Homo Zug?
Es geht darum, ob wir eine Theologie lehren, die allein in der Historisch - kritischen Methode das Werkzeug sieht, um die Texte der Bibel für das Heute auszulegen, oder ob es noch andere Möglichkeiten gibt.
Da ist z.B. die Möglichkeit, das der Text von seinem Inhalt her, einen Prediger anspricht und er dadurch zu Gottes Wort wird, frei von einer zeitlichen Gebundenheit.
Es gibt eine Theologie, die in den Geschichten Analogien zu dem Hier und Heute findet, zu Lebenswirklichkeiten von Menschen. Das Tal der Todesschatten des Ps. 23 z.B.
Damit ist man vielleicht nicht so spektakulär, aber vielleicht direkter bei dem Wort Gottes und Seiner Ansprache an uns.
Gert Flessing

L.S. schreibt:
24. Oktober 2014, 17:43

Lieber Herr Flechsing,
übermorgen fahr ich an die Ostsee. Wo es normal ist, dass Bibel, Glaube und Vernunft sich nicht gegenseitig ausschließen. Daher ist eine historisch-kritische Auslegung der Bibel abseits der EKD kein Thema dort und kaum ein Christ sieht dieses zu akademisch oder zu intellektuell.

Nur unsere Minderheit, Bekenntnisinitiative (SBI), die Anti-EKD-Bohl-Koalition sieht das anders?
Von Stimmungs-, Liedermachern, Hollywood-Regisseuren ist bekannt, mit Homo- Gags bekommt man leicht Beifall. Wo die SBI glaubt so funktioniert es auch bei ihnen, das ist eher die Wahrheit. Daher der Appell, wo sie geldliche Unterstützung möchte um erniedrigende Homo-Bibelstellen hervorzuheben, umso auch Beifall erhalten bzw. so angeblich die „Herzen erreichen“.

Zweihundert ließen sich zu diesen Apell einladen und oft nur weil ein normales Gemeindemitglied gegen die SBI wenig Chancen hat. Vielleich ist daher die Wahrheit auch viel einfacher. Die SBI bilden sich nun ein auf Grund ihres Auftretens geldliche Umverteilung fordern zu können. Die Kirchenleitung sollte sich ja nicht erpressen lassen, auch wenn dadurch ihr Beschluss Anfang 2012 nicht weiter von der SBI kritisiert würde.

Gert Flessing schreibt:
24. Oktober 2014, 19:34

Lieber Herr Schuster, ich wünsche Ihnen viel Spaß oben an der See. Auch ich liebe die Weite des meres, war im Urlaub in Danzig.
Die SBI ist im Grunde keine Anti - Bohl Koalition. Es ist eine Gruppe, die sich durch den kirchlichen Mainstream ausgegrenzt fühlt. Die Schwulendebatte ist nur das Vehikel, das benutzt wird. Die Tatsache, das über Schwulen - Witze (immer noch) gelacht wird, macht doch auch deutlich, dass diese Menschen, bei allem Bemühen, nicht wirklich in der Mitte der Gesellschaft angekommen sind. Von daher ist es fragwürdig, sie als Vehikel zu benutzen, aber das Kind liegt nun mal im Brunnen.
Leider wird das eigentliche Anliegen, nämlich einer Neubesinnung auf die Bibel als Wort Gottes dadurch eher verdunkelt.
Die SBI erreicht leider eben auch nicht die Herzen der Gemeindeglieder, weil die mit diesem andauernden rumhacken auf Sex nichts zu tun haben wollen.
Wenn es gelingen würde, dieses Thema endlich abzuhaken und es Gott anheim zu stellen, würde vielleicht eine sachliche Diskussion über den Wert der Schrift und ihre Inhalte zustande kommen.
Da es sich dabei aber in gewisser Weise um eine Fachdiskussion handelt, darf man sich auch nicht allzusehr wundern, wenn sie halt auch manchmal auf einem höheren geistigen Niveau geführt wird.
Aber nur, wenn ich einen klaren Kopf habe und meine Vernunft redlich bemühe, kann ich mit dem, was ich sage und wie ich handle auch die Herzen der Menschen erreichen.
Gert Flessing

L.S. schreibt:
24. Oktober 2014, 23:35

Lieber Herr Flessing,
Entschuldigung für den Schreibfehler und will aber diesen Beitrag noch hinzufügen, dass hier im Erzgebirge es nicht mehr (einfache) Gemeindemitglied gibt als anderswo, welche vielleicht mit den kirchlichen Mainstream ein Problem haben. Auch wenn man sich über die EKD ärgert, wenn sie sich grundlos politisch, oft noch strittig äußert ist das auch hier kein Problem.

Außerdem haben Sie Recht mit dem Wert der Schrift, der mit dieser Homo-Sache regelrecht beschädigt wird. Mit diesem andauernden rumhacken in dieser Sache. Wo ja auch fast alle Christen hier, wir reden wir hier vom Promillebereich von zwei Gleichgeschlechtlichen in der Pfarrhauswohnung in Sachsen, keine Beschädigung der EKD sehen. Die SBI entwickelte hier ein völlig falsches Bild von uns im Erzgebirge und den Sachsen.
L. Schuster

Beobachter schreibt:
24. Oktober 2014, 23:47

Lieber Gert, Du hast Recht, wenn Du schreibst, daß eine Neubesinnung auf die Bibel als Wort Gottes dringend notwendig ist. Das wird überall bei treuen Christen versucht und angeregt! Das ist auch und ganz besonders bei der SBI so! Und die ist eben keine (kleine) "Gruppe", die sich "ausgerenzt fühlt" sondern das sind ganz viele ernsthaft bemühte Christen, ganze Kirchengemeinden, Verbände, Gemeinschaften,..., (http://www.bekenntnisinitiative.de/ueber-uns.html), die viel gute Basis- und Aufbauarbeit leisten und große Stützen in "Kirche" sind!
Die betreiben auch kein " rumhacken auf Sex ", sondern nehmen die Bibel Ernst und warnen davor daß Sexualpraktiken unter Hirten und Vorbildern SEINER Gemeinde, die dem Herrn der Kirche ein Gräuel sind , hofertig gemacht werden sollen!
Daß "diese Menschen", bei allem Bemühen, nicht wirklich in der Mitte der Gesellschaft angekommen sind, liegt nicht an harmlosen Witzchen, sondern an deren aggressiven, manchmal primitiven, Auftreten, wie uns hier ja von diesem rosa Billyboy anschaulich vorgeführt wurde!

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