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Gesprächsprozess endet mit Abendmahl

Weil der Umgang mit Bibel und Homosexualität weiter umstritten bleibt, bringt die Landessynode den Konflikt mit Schuldbekenntnis vor Gott - einstimmig
Andreas Roth
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Drei Jahre lang bewegte die Debatte um Bibel und Homosexualität die Landeskirche und eine Einigung ist nicht in Sicht - die Landessynode musste nun ein Fazit des Gesprächsprozesses ziehen. Sie tat es mit zwei überraschenden Wendungen: Nach nur sehr kurzer Debatte beschloss sie am Sonnabendabend einstimmig eine Erklärung, in der um Vergebung für die in der oft harten Diskussion entstandenen Verletzungen sowie um den Geist der Versöhnung gebeten wird. Danach feierte sie über alle Gräben hinweg Abendmahl.

"Wichtig ist, dass wir einander trotz unterschiedlicher Positionen nicht verurteilen", heißt es weiter in der Erklärung der Synode. "Wir bestätigen die Feststellung der 26. Landessynode, dass unterschiedliche Auffassungen im Schriftverständnis geistlich und theologisch angemessen sind und ihnen in der Ev.-Luth.  Landeskirche Sachsens Raum gegeben und Schutz gewährt wird." Sowohl Vertreter homosexueller Pfarrerinnen und Pfarrer als auch der Sächsischen Bekenntnisinitiative betonten diesen Schutz in der synodalen Diskussion.

In der Erklärung versteckte sich in der ursprünglichen Fassung auch eine Kritik am Gesprächsprozess. "Unserer Landeskirche wird es in Zukunft gut tun, in geistlich-theologischen Fragestellungen zeitiger einen offenen Diskurs zu führen." Diese Formulierung wurde später abgemildert.

Zu einem jährlich festen Gebet für die Einheit der Kirche und das "rechte Verständnis des Wortes Gottes" ruft die Landessynode in den Gottesdiensten am Sonntag Exaudi nach Himmelfahrt auf.

Beobachter zeigten sich überrascht von der raschen und einstimmigen Verabschiedung der Erklärung zum Abschluss des heftig geführten Gesprächsprozesses. Da die Gräben und Verletzungen weiter existieren, lud das Präsidium der Landessynode im Anschluss an die Debatte die Synodalen zu einer Abendmahlsfeier mit Beichtgebet ein. "Stellen wir uns der schmerzlichen Erkenntnis, dass wir aus eigener Kraft und Weisheit die Einheit der Kirche nicht erringen können", sagte dabei Synodalpräsident Otto Guse. "Vielleicht tut es zwischendurch auch gut, zu schweigen und zuzuhören. Lassen wir Gott zu Wort kommen."

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    52 Lesermeinungen zu Gesprächsprozess endet mit Abendmahl
    Beobachter schreibt:
    19. April 2015, 10:52

    Und nu?

    A.Rau schreibt:
    19. April 2015, 11:27

    Nu weißde Bescheid!

    A.Rau schreibt:
    19. April 2015, 11:42

    "Es war eine Sternstunde der sächsischen Synode, keine Frage." Man sieht, die Sternstunden der Synode häufen sich! Das Problem dieser Kirche ist offenbar noch nicht einmal, dass es unterschiedliche, sich gegenseitig ausschließende Lehrmeinungen gibt; auch nicht, dass diese Kirche die Kraft, Theologie zu treiben, völlig verloren hat – das Problem ist, dass man noch nicht einmal bereit bzw. in der Lage ist, überhaupt miteinander zu reden.

    Und das wohl, weil die Machtfrage alles andere überlagert. Man hält den Mund, feiert Abendmahl und hinter den Kulissen kloppt man sich wie die Kesselflicker, welche Partei den nächsten Bischof stellt. Wie sagte Theo Lehmann doch so schön: Die Kirche ist ein Irrenhaus! http://www.gemeindenetzwerk.org/?p=1385

    Beobachter schreibt:
    19. April 2015, 12:04

    Theo bringt/brachte es auf den Punkt:
    "Der Kampf um die Wahrheit bleibt uns nicht erspart. Einheit ist was Schönes, Erstrebenswertes und von Jesus Gewolltes. Aber Einheit mit Irrlehre ist weder schön noch erstrebenswert, noch von Jesus gewollt, sondern Masche der Antichristen."

    Beobachter schreibt:
    19. April 2015, 12:11

    Der gesamte Beitrag ist übrigens sehr lesenswert, danke!
    http://www.gemeindenetzwerk.org/?p=1385

    Beobachter schreibt:
    20. April 2015, 12:56
    A.Rau schreibt:
    21. April 2015, 11:43

    Der Gesprächsprozess endet so, wie er geführt wurde – in einem großen Schweigen. Immerhin, hier im Sonntag-Forum wurde miteinander gesprochen. Und es wurden einige wenige Bilanzen dieses Gespräches gezogen. Einige davon wurden sowohl der Landeskirche in Dresden als auch der SBI angeboten. Dort scheint man den Gesprächsprozess schon lange abgehakt zu haben. Zumindest erfolgte praktisch keine Reaktion – weder von der Landeskirche noch von der SBI.

    Falls aber doch jemanden die theologischen Hintergründe des Gesprächsprozesses ernsthaft interessieren, dem sei empfohlen http://derlaie.com/sonntag/a-rau.php Dieser Text ist lang (21 Seiten) und umständlich und polemisch – aber er ist der Versuch, das zu sagen, was gesagt werden muß - und die SBI nicht zu sagen wagt oder nicht sagen will oder nicht sagen kann oder was auch immer.

    Wem das nicht gefällt, der sollte wenigsten die Bilanz von Christoph lesen. Die ist viel kürzer und sachlich und seriös und unbedingt zu empfehlen. Doch selbst darauf reagiert die SBI nicht.

    A.Rau

    Beobachter schreibt:
    21. April 2015, 12:16

    Lieber Andreas, warten wir doch erstmal ab, die SBI hat doch angekündigt, nach der Synode zu reagieren!
    http://www.bekenntnisinitiative.de/

    A.Rau schreibt:
    21. April 2015, 17:42

    Sie hatte drei Jahre Zeit zu agieren + hat so gut wie nichts auf die Reihe gekriegt. Und nun, nachdem alles vorbei ist, will sie plötzlich aktiv werden? Ich lasse mich SEHR GERNE eines besseren belehren - aber das würde mich gewaltig erstaunen.

    A.Rau schreibt:
    22. April 2015, 9:46

    Wort der SBI zum Gesprächsprozess in unserer sächsischen Landeskirche
    „Keine Einigung, aber Raum und Schutz für konservative Christen“

    Am 18. April 2015 hat die Synode der Ev.-Luth. Landeskirche Sachsens eine „Erklärung zum Gesprächsprozess zum Schrift- und Kirchenverständnis“ beschlossen. Darin wird ein Rückblick auf den dreijährigen Gesprächsprozess gehalten und festgestellt, „dass wir gemeinsam aus der Schrift leben und uns als Kirche auf die Schrift gründen. Sie ist die Basis unseres Glaubens und Ort der Offenbarung Gottes. Ihrer Autorität fühlen wir uns verpflichtet.“ Trotzdem ist es in den drei Jahren „in Fragen ethischer Urteilsbildung nicht zu einem einmütigen Verständnis der Schrift gekommen. Wir erfahren dies als Anfechtung. Gleichwohl wissen wir uns getragen vom gemeinsamen Hören auf die Schrift.“
    Damit erklärt die Synode, dass nach den drei Jahren des Gesprächsprozesses das Ringen um Wahrheit und Einheit in unserer Kirche nicht zu Ende geht. Beiden Auffassungen wird ausdrücklich Raum und Schutz in unserer Kirche gegeben. Damit wird der Ausgang des Ringens in Gottes Hand gelegt.

    Als SBI erklären wir dazu:
    - Wir wollen den Raum, der uns in unserer sächsischen Landeskirche gegeben wird, bewusst zum Zeugnis und Dienst in unserer Kirche nutzen.
    - Wir wollen auch weiterhin in aller Klarheit und Liebe bezeugen, was uns Gott durch sein Wort offenbart hat.
    - Dazu gehört auch unser Verständnis der biblischen Aussagen, in denen die gelebte Homosexualität als Sünde vor Gott benannt wird.
    - Wir teilen deshalb die Auffassung der Kirchenleitung der Ev.-Luth. Landeskirche Sachsens vom 29. August 2001, wo diese feststellt: „Die Segnung homosexueller Partnerschaften kommt in unserer Landeskirche mit Blick auf das biblische Zeugnis nicht in Betracht“ und dass „eine homosexuelle Beziehung nicht im Pfarrhaus gelebt und nicht zum Inhalt der Verkündigung gemacht wird.“
    - Wir ermutigen alle Gemeindeglieder, die diese Auffassungen vertreten, den gewährten Raum in unserer Kirche freimütig, liebevoll und klar zu nutzen. Ausdrücklich wenden wir uns gegen Rückzug, Resignation oder Kirchenaustritt. „Kaufet die Zeit aus!“ So mahnt uns der Apostel Paulus. Lasst uns Zeit und Raum nutzen, die uns in unserer Kirche gegeben werden.
    - Angesichts eines gesellschaftlichen Klimas, in dem o. g. Auffassungen nicht opportun sind und oft auch ausgegrenzt werden, sind wir unserer Kirche dankbar, dass sie dem gesellschaftlichen Trend der Ausgrenzung widersteht und uns auch Schutz vor Verleumdung und Angriffen gewährt.
    21. April 2015

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