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Wie hältst du’s mit der Religion?

Nichtchristen und Christen diskutierten mit Innenminister Thomas de Maizière in Leipzig
Mandy Weigel
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  • Thomas de Maizière im Gespräch mit Bürgern

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  • Die Kongresshalle am Zoo war gut gefüllt

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  • Thomas de Maizière mit Rabbinerin Gesa Ederberg

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  • Podiumsgäste

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  • Zuhörer

    Zuhörer

  • Kevser Erol kam vom Islamrat der Bundesrepublik

    Kevser Erol kam vom Islamrat Berlin der Bundesrepublik

  • Die Tischrunden wechselten regelmäßig

    Die Tischrunden wechselten regelmäßig

  • Christian Wolff (re.), früher Pfarrer der Leipziger Thomaskirche, im Gespräch

    Christian Wolff (re.), früher Pfarrer der Leipziger Thomaskirche, im Gespräch

  • Kamerafrau

    Kamerafrau

  • Tischrunde u.a. mit Peter Müller (2.v.l.), früherer Zoochef

    Tischrunde u.a. mit Peter Müller (2.v.l.), früherer Zoochef

  • Thomas de Maizière schreibt seine Botschaft für die Pinnwand

    Thomas de Maizière schreibt seine Botschaft für die Pinnwand

  • Tischrunde

    Tischrunde

  • Tischrunde

    Tischrunde

Dass ausgerechnet die Gretchenfrage aus Goethes Faust Thema des Leipziger Bürgerdialogs war, passte schon mal. Rund 150 Personen nutzten so die Einladung des Bundesministers des Innern zum Thema »Wie hältst du’s mit der Religion? Glaube – Kitt oder Keil unserer Gesellschaft?«

Leipzig war der zweite Ort nach Köln, wo Bürger im Rahmen einer Werkstatt offen mit dem Innenmini­ster und Podiumsgästen über aktuelle gesellschaftliche Fragen diskutieren konnten. Jeder durfte sich dafür anmelden. Alle Veranstaltungen gehen der Frage nach: Wie lassen sich gesellschaftlicher Zusammenhalt und Integration verbessern und stärken? In Köln war es nach den Übergriffen in der Silvesternacht 2015 um Migration und Integration gegangen. In Leipzig stand nun das Thema Religion im Mittelpunkt.

Gleich zu Beginn beantwortete Thomas de Maizière auch die Frage, warum er ausgerechnet nach Leipzig gekommen ist. Weil 82 Prozent der Menschen hier konfessionslos seien und die Stadt dennoch eine große christliche Tradition habe: »Da muss man nur mal zur Thomaskirche gehen.« Die Menschen fühlten sich verbunden mit ihren Kirchen, auch wenn viele keine Kirchenmitglieder seien. Gehe es um den Erhalt einer Kirche auf dem Dorf, engagierten sich alle gemeinsam, so der Minister.

Obwohl die Bindung zu Religion abgenommen habe, sind die Vorbehalte gegen den Islam groß. »Woher kommt diese Angst?«, fragt der Minister. Ihm gehe es darum, mit den Leipzigern zu überlegen, wie die versöhnende Kraft von Religionen genutzt und die spaltende Kraft eingedämmt werden könne. Die Podiumsgäste sprachen über die Bedeutung ihrer Religion in ihrem Alltag: Die Berliner Rabbinerin Gesa Ederberg, die katholische Theologin Dagmar Mensink, die Islamwissenschaftlerin Hamideh Mohagheghi und der Präsident des Humanistischen Verbandes Deutschlands, Frieder Otto Wolf.

Dann kamen die Leipziger zu Wort – an runden Tischen diskutierten sie über ihre Erfahrungen mit Religion. Privates und Politisches vermischten sich: Ein junger Mann erzählte, wie er erst vor wenigen Jahren zum Glauben gefunden hat. Eine junge Muslimin mit Kopftuch beschreibt, wie sie von ihrer Umwelt wahrgenommen wird. Ein Rentner aus Leipzig-Grünau fragt seine Tischnachbarn: »Kann ich christlich handeln, ohne Christ zu sein?« Eine Leipzigerin, die aus dem Rheinland stammt, findet, dass in der DDR die Möglichkeit fehlte, andere Glaubensrichtungen kennenzulernen. Die mei­sten Menschen seien hier Atheisten.

Kontrovers diskutiert wurde die Frage, ob Religion eine private Angelegenheit sei und im öffentlichen Raum etwas zu suchen habe. »Mir begegneten hier starke Vorbehalte gegenüber Religion im öffentlichen Raum – es ginge uns besser, wenn es Religion nicht gäbe. Menschen sagten: Schau dir die Geschichte an, schau dir den Islam an – das wollen wir nicht«, erzählt Christian Wolff, Pfarrer im Ruhestand.

Die öffentliche Präsenz von Religion sei wichtig, entgegnet Frieder Otto Wolf vom Humanistenverband. »Das gesellschaftliche Engagement ist ein wesentlicher Bestandteil unseres Gemeinwesens. Das ist positiv.« Reinhard Bohse, früherer Leipziger Rathaussprecher, ergänzt: »Ich halte den Diskurs über Religion für wichtig. Man muss am Ende nicht einer Meinung sein, aber Verständnis füreinander aufbringen. Sonst fliegt uns alles auseinander.«

Religion – eher Kitt oder Keil? Die Meinungen gingen auseinander. Weder Kitt noch Keil, sagte die Katholikin Dagmar Mensink. Die Auseinandersetzung sei eine Herausforderung und das wichtigste Thema bleibe die Bildung. »Wir wissen zu wenig über andere Religionen«, bestätigt der frühere Zoo-Chef Peter Müller. »Über Muslime ist uns zu wenig bekannt.«

Fotos: Armin Kühne

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1 Lesermeinungen zu Wie hältst du’s mit der Religion?
Gert Flessing schreibt:
11. Februar 2017, 10:53

Ich möchte sagen, das wir nicht (nur) zu wenig über andere Religionen wissen. Viele Menschen, einschließlich Christen, wissen kaum etwas über ihre eigene Religion.
Mir wird das immer dann deutlich, wenn Konfirmandenprüfung ist und ich mal eine Frage an das Publikum stelle.
Gert Flessing

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Du unser Gott, du großer Gott, mächtig und schrecklich, der du Bund und Treue hältst, achte nicht gering all das Elend, das uns getroffen hat.

(Nehemia 9,32)

Bartimäus schrie: Du Sohn Davids, erbarme dich meiner! Und Jesus blieb stehen und sprach: Ruft ihn her! Und sie riefen den Blinden und sprachen zu ihm: Sei getrost, steh auf! Er ruft dich!

(Markus 10,48-49)

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