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Gemeinden suchen Grenzen

Reform: Ein halbes Jahr lang haben Kirchgemeinden über vier Modelle für neue Strukturen diskutiert – das Ergebnis zeigt in eine Richtung. Nun muss die Synode entscheiden.
Von Andreas Roth
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© Grafik unter Verwendung der Karte von evlks

Man kann sich über die Debatte um die künftigen Strukturen der Landeskirche ärgern. Man kann sich aber auch über sie freuen: Über 2000 Christinnen und Christen aus ganz Sachsen beteiligten sich an den sechs Podien zu diesem Thema im September und Oktober, bilanziert Landesbischof Carsten Rentzing: »Ich bin stolz und glücklich, wie wir mit Konstruktivität und Leidenschaft um die Zukunft unserer Landeskirche ringen.«

So hatte es eine hauchdünne Mehrheit der Landessynode gewollt, als sie im Frühjahr das Strukturkonzept der Kirchenleitung mit dem Titel »Kirche mit Hoffnung in Sachsen« nicht einfach durchwinkte. Vielmehr stellte sie es der Gemeindebasis zusammen mit drei Alternativmodellen zur Diskussion (siehe Seite 3).

Nach Monaten der Debatte zeichnet sich nun eine Tendenz ab. »Ich habe das Gefühl, dass es sehr viele Sympathien für das Pfarrei-Modell und das Modell der kleinen Kirchenbezirke gibt«, fasst der Freiberger Kirchvorsteher Michael Ssuschke zusammen. Aber vieles an diesen beiden Modellen erscheint noch etwas undurchsichtig. Könnte man noch nach Gemeinsamkeiten zwischen ihnen suchen?

Über die Wünsche der Gemeinden kann auch der Gemeindeaufbau-Ausschuss der Landessynode Auskunft geben. Bisher erreichten ihn 20 Eingaben zur Strukturdebatte. »Wiederkehrende Inhalte sind das Plädoyer für die Eigenständigkeit der örtlichen Kirchgemeinde im Sinne der Finanz- und Personalhoheit«, berichtet der Vorsitzende des Ausschusses, der Frankenberger Pfarrer Jörg Hänel. Weiterhin wurde um die Beibehaltung der Möglichkeit zur Bildung von Schwe­sterkirchverhältnissen gebeten und die Sorge geäußert, dass zu große Strukturen die Identifikationsbereitschaft und damit auch die Bereitschaft zu ehrenamtlichem Engagement bei den Kirchgemeindegliedern verringern könnten.

Die Initiativgruppe »Zurück auf Los«, die 8221 Unterschriften gegen die Reformpläne der Kirchenleitung sammelte, fordert eine Entkoppelung von landeskirchlicher Stellenplanung und Gemeindestrukturen – mit deutlicher Zuneigung für das Pfarrei-Modell.

»Die Landessynode hat gehört, dass die Selbständigkeit der Kirchgemeinden einen großen Raum einnehmen soll«, antwortete Synodalpräsident Otto Guse in Dresden. »Und das wird sich sicherlich – auch wenn ich der Synode nicht vorgreifen will – in ihren Beschlüssen niederschlagen.«

Mitte November will sie über die große Richtung der Strukturreform entscheiden. Danach muss das Landeskirchenamt daraus Gesetzentwürfe schneidern. Im kommenden Frühjahr will die Synode abschließend abstimmen.

Im Landeskirchenamt wird längst das eigene Konzept »Kirche mit Hoffnung« kritisch diskutiert. »Bei Größen von heute 8000 Gemeindegliedern pro Einheit kann man fragen, ob das nicht zu groß gedacht war«, sagte Oberlandeskirchenrat Klaus Schurig auf einem Podium. Fakt ist aber ebenso: Auch die Alternativ-Modelle ändern nichts am Rückgang der Gemeindegliederzahlen und des finanzierbaren Personals. Die Einschnitte wären gleich schmerzhaft.

Ohnehin bleiben bei allen vier verschiedenen Struktur-Varianten große Fragen unbeantwortet. »Wenn ein Unternehmen eine Schrumpfung seines Umsatzes um 40 Prozent voraussagt, muss es alle Strukturen auf den Prüfstand stellen – also auch Personalkosten, das Beamtentum, Pensionen und Rücklagen«, forderte die Maxener Kirchvorsteherin Gisela Niggemann-Simon bei einem Podium und erhielt Applaus.

Auch nach Ressourcen und Freiräumen für neue Wege zu den Menschen außerhalb der Kerngemeinden wurde gefragt. Doch die spielen in allen vier Struktur-Modellen kaum eine Rolle.

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1 Lesermeinungen zu Gemeinden suchen Grenzen
Frank Mempel schreibt:
10. November 2017, 10:38

Mit großem Interesse verfolge ich die Diskussion um mögliche Strukturen unserer Landeskirche. Ich befürworte alle die Bemühungen, die die Ortsgemeinden stärken, die ermöglichen, dass Entscheidungen mündiger Gemeindeglieder vor Ort - dort wo sie notwendig sind - getroffen werden können. Dazu müssen die Gemeinden auch finanziell gestärkt werden. Die Mitarbeiter im Verkündigungsdienst sollten auch den Gemeinden vor Ort - unabhängig von den Regularien des Beamtenrechtes - Rede und Antwort stehen und entsprechend ihrer Leistung finanziert werden. Ich wünsche den Synodalen Gottes Segen, Weisheit und Kraft bei ihren Entscheidungsfindungen.
F. Mempel, Wildenfels-Härtensdorf

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