0

In Sorge über den Rechtsruck

Von Nora Goldenbogen
  • Artikel empfehlen:

Für die jüdische Gemeinschaft bleibt der 9. November 1938 als der Tag im historischen Gedächtnis, an dem die Verfolgung, Vertreibung und Ermordung der deutschen Juden durch die Nationalsozialisten öffentlich wurde. Mit der organisierten Zerstörung und Verwüstung von Synagogen und Friedhöfen, Angriffen auf jüdische Geschäfte und massenhaften Verhaftungen wurde offenbar, dass es für Juden in diesem Land keine Zukunft mehr geben würde – ein Ziel, das später auch in allen vom Hitlerregime besetzten europäischen Ländern verfolgt wurde.

Die Schoah gehört seitdem zu den historischen Grunderfahrungen der jüdischen Gemeinschaft weltweit. Wir können sie nicht streichen, so erleichternd es vielleicht wäre. Wir müssen uns erinnern, auch in kommenden Generationen.

»Schuldkult« und »Nazikeule« lauten heute nicht selten Vorwürfe, die wir hören, wenn wir dieses Erinnern einfordern oder darum bitten, genauer hinzusehen und hinzuhören. Begriffe aus der Nazizeit wie beispielsweise »Volksverräter« gehören schon seit geraumer Zeit wieder zum Standardvokabular nicht weniger Bürger in Sachsen. Ebenso die Meinung: Menschen aus fremden Kulturen oder mit fremden Religionen sollten raus aus Deutschland, weil sie nicht hierher gehören. Die Wahlergebnisse der letzten Bundestagswahl weisen aus, wieviele es inzwischen sind, für die das Erinnern lästig geworden ist, längst überholt und erledigt. Auch deswegen haben wir als jüdische Gemeinschaft in Sachsen unsere Befürchtungen öffentlich geäußert, dass sich seit geraumer Zeit eine besorgniserregende Entwicklung nach rechts vollzieht, mit der wir uns gemeinsam auseinandersetzen müssen.

Nora Goldenbogen ist Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Dresden

Diskutieren Sie mit

0 Lesermeinungen zu In Sorge über den Rechtsruck

Folgen Sie Sonntag Sachsen:

Aktuelle Veranstaltungen
  • , – Schwarzenberg
  • Konzert
  • St. Georgenkirche
  • , – Dresden
  • Rhythmus – Gesang und Bewegung
  • Dreikönigskirche
  • , – Leipzig
  • Friedensgebet
  • Nikolaikirche
Audio-Podcast

Der Twitter-Sonntagticker
Sonntag Sachsen @sonntagticker
Der SONNTAG berichtet in seiner aktuellen Ausgabe über die fehlende Transparenz bei der Diakoniestiftung in Sachse… https://t.co/VeFRBT47Kv
vor 10 Tagen
Sonntag Sachsen @sonntagticker
Überraschend: Der Diakonie-Chef Sachsens #Schönfeld geht. Er wechselt ins Landeskirchenamt. Nachfolger soll Oberla… https://t.co/yyPnNbuf5B
vor 10 Tagen
Sonntag Sachsen @sonntagticker
1988 initiierte eine DDR-Oppositionsgruppe die Aktion »Eine Mark für #Espenhain« gegen die extreme Umweltverschmutz… https://t.co/xzWQYcST9m
vor 19 Tagen
Sonntag Sachsen @sonntagticker
Raues Klima: Helfer engagieren sich im Namen ihrer Kirche für Flüchtlinge und werden dafür bedroht und beleidigt –… https://t.co/UhQg2lfeEz
vor 26 Tagen