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Hass gegen Helfer

Raues Klima: Sie engagieren sich im Namen ihrer Kirche für Flüchtlinge und werden dafür bedroht und beleidigt – bekommen sie genug Rückenhalt?
Andreas Roth
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Mordaufruf im Internet gegen Kirchenmitarbeiter: Unter einer Filmaufnahme des Bautzener Flüchtlingsbeauftragten Michael Beyerlein bei Youtube war dies zu lesen jetzt ist der Beitrag gelöscht. Foto: so

Keine Stunde war Michael Beyerlein nach einer Afrikareise zurück in Deutschland, da hörte er es wieder aus seinem Handy: »Du Drecksau, Du Spinner«, beschimpfte ein Unbekannter Ende Mai den Flüchtlingsbeauftragten der Landes­kirche in der Oberlausitz. Er kennt das. Als ein NPD-Funktionär ihn auf einer Integrationsmesse in Aue gegen seinen Willen gefilmt und das Video auf Youtube ins Internet gestellt hatte, schrieb ein Leser mit dem Namen »Nobbi« darunter: »Schlag sie alle tot!«

Diesen Hass kennt Gerlinde Franke schon lange. Bereits in den 1990er Jahren hat ihn die Leiterin der diakonischen Migrationsberatung in Großenhain auf ihrer beschmierten Bürotür oder in Hetzschriften in ihrem Briefkasten lesen müssen. 2015 konnte sie die Angriffe auf ihre Person dann auf Facebook finden. Da meldete sie sich von dem Netzwerk ab.

»Ein latenter Alltagsrassismus ist schon Normalität, das nehmen wir kaum noch wahr«, sagt die Landessynodale Gerlinde Franke. »Nach der Bundestagswahl ist der Hass salonfähig geworden.«

Der Bautzener Flüchtlingsbeauftragte Beyerlein klagt jetzt auf eigene Rechnung gegen den NPD-Funktionär. »Von der Landeskirche bekomme ich keine Unterstützung, keine juristische Rückendeckung, keinen Cent«, kritisiert er. »Die Kirche schützt ihre Leute nicht. Man wird krank unter diesem psychischen Druck.«

Im Landeskirchenamt indes wird diskutiert. Die einen wollen die bedrohten Flüchtlingsmitarbeiter unterstützen – die anderen verweisen darauf, dass diese bei der Diakonie angestellt seien, und überhaupt die Größe des Problems mangels einer Fallstatistik unklar sei. So ist beispielsweise der Leipziger Beauftragten für die kirchliche Flüchtlingshilfe, Ramona Baldermann-Ifland, kein Fall einer Bedrohung in ihrer Region bekannt.

»Es besteht unter den Mitarbeitern eine große Unsicherheit, wie man richtig auf Drohungen und Hass reagiert«, stellt Albrecht Engelmann fest, der Migrationsbeauftragte der Landeskirche. »Wir müssen ein Bewusstsein dafür schaffen, wie wichtig es ist, solche Fälle zu dokumentieren, anzuzeigen und die Kirche mit einzubeziehen, damit eine Solidarität entstehen kann.« Eine Handreichung der Landeskirche soll im Herbst konkretes Handwerkszeug dafür mitgeben.

Michael Beyerlein braucht das nicht. Er zeigte die Drohungen gegen ihn im Internet beim Staatsschutz und beim Plattformbetreiber Youtube an – ohne Reaktion, sagt er, so wie schon bei seinen anderen Anzeigen wegen Beleidigungen und Volksverhetzung zuvor. »Es entsteht der Eindruck, dass die Staatsanwaltschaft solche Angriffe und Bedrohungen von rechts sofort einstellt.« Auch Harald Lamprecht, der landeskirchliche Beauftragte für Weltanschauungsfragen, hat schon eine Anzeige gestellt. Und auch die blieb ohne Ergebnis. Das war, nachdem er eines Nachmittags in seinem privaten Briefkasten ein in Zeitung gewickeltes stark stinkendes Aas vorfand. Später klebten Unbekannte an gleicher Stelle mehrmals Aufkleber der Identitären Bewegung und des rechten Netzwerks »einprozent.de« auf. Denn der Theologe kritisiert öffentlich Pegida & Co.

Als er sich in seinem Dresdner Heimatstadtteil Strehlen mitten in eine asylkritische Demonstration stellte mit dem Schild »Asyl rettet Leben«, schleuderte ihm ein Teilnehmer entgegen: »Wenn meiner Tochter was passiert, knall ich dich ab«. Auch den entfesselten Hass in den Kommentarspalten des Internets hat er schon zu spüren bekommen.

Harald Lamprecht will sich davon nicht einschüchtern lassen. »Sonst haben wir schon verloren«, sagt er. »Insofern erzeugen solche Aktionen mitunter eine Jetzt-erst-recht-Stimmung.«

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42 Lesermeinungen zu Hass gegen Helfer
L. Schuster schreibt:
30. Mai 2018, 21:51

Flüchtlingshelfer, wie hier Herr Lamprecht sollten berücksichtigen, dass ihr typisches Flüchtlingsklientel meist junge Männer sind und wenn ihm dann entgegen wird „wenn meiner Tochter was passiert, knall ich dich ab“ ist das zwar nicht die feine englische Art aber verstehen sollte man besorgte Eltern auch.

Was natürlich nicht einkalkuliert wird, wie auch das wir von diesen Männer nur wenig wissen, denn sie haben fast immer ihre Ausweise weggeschmissen und so weiß man oft nicht mal das Alter. So ist Flüchtlingshilfe irgendwie scheinheilig und Lamprechts Schild „Asyl rettet Leben“ beweist es. Denn wenn man das Geld nehme was man hier für dieses gesunde und kräftige Männer- Klientel ausgibt, nimmt und es in die Flüchtlingslager ausgebe, wo sie herkommen, wäre das vielmehr Hilfe. Wirkliche und ehrliche Hilfe.

Lager um die Krisengebiete, wo sehr viele Millionen leben, hier hilf dort 1 Euro für drei Tage um zu Leben wären hier in Deutschland diese Euro gar nichts ist. Die Flüchtlingshilfe sollte daher geändert, die Asylanträge nach Deutschland oder EU sollten in diesen Lager gestellt werden. Nur die wenigen Flüchtlinge, die tatsächlich vom Tod bedroht wenn sie ins Herkunftsland zurückgingen, so holt Kanada sie dort mit Familie aus diesen Lagern ab (die so auch keine Schleuser wie unsere Migranten benötigen) würden so kommen. Was uns keine zig Milliardenbeträge, wie jetzt für die meist fragwürdigen Flüchtlinge hier kosten würden bzw. das Geld wäre in den Lagern hundertmal besser angelegt. Viele Millionen Familien, Kinder wären so mit dem Lebenswichtigen versorgt. Doch von Wahrheiten wollen die Grünen-Roten-Merkel-Deutschen, die Mehrheit also oft ohnehin nicht wissen. Lügen und Wegschauen wie es jetzt BAMF aufflog habe Konjunktur, hoffentlich nicht auch bei Herrn Lamprecht.

Beobachter schreibt:
31. Mai 2018, 8:46

LIeber Herr Schuster, ich kann mich Ihren Ausführungen nur anschließen!
Leute, wie Lamprecht und Co. sollten ersteinmal versuchen, die Ängste der Bevölkerung ernstzunehmen. Außerdem sollten sie aufhören gegen Pegida und AfD, die diese Probleme aufgreifen, zu hetzen. Vielleicht würde dann schon mal ein Teil der "Hetze" (Spinner und Übertreiber gibt es überall, allerdings eher auf der "Antifaseite"!) gegen sie aufhören?

L. Schuster schreibt:
03. Juni 2018, 11:45

Lieber Beobachter,
interessant ist auch wie die „Flüchtlingsindustrie“ (korrekt heißt es z. B. bei den vielen Anwälten, Dolmetschern ihr Business) Christen und Linksfaschistischen zusammenbrachte um ihr tun als Nächstenliebe zu verkaufen, für mich ein zusätzlicher Frevel,

Nachdem man „Nächstenliebe“ schon zum Witz bzw. Unwort machte. So werden in Chemnitz ehrliche, christliche Familien (die Kinder von der Schule weg) brutal abgeschoben, wo sich die große Menge muslimischen Flüchtlinge hier ausnahmslos sich davor drück oder durch ihren unehrlichen Angaben eine Duldung anwaltlich erstritt oder durch die Nächstenliebe-Helfer.

Natürlich ist es für die meist allein gereisten muslimischen Männer ja leicht möglich sich vor Abschiebung zu verdrücken doch hier geht es um mehr. Denn Politiker wie Frau Göring-E. möchte sehr viele Muslime in Deutschland, anders ist es ja nicht zu verstehen wenn sie sagt „die Zuwanderung verändert Deutschland und sie freut sich darauf“, dem Die Helfer zu stimmen und daher sollten sie sich über Hass nicht wundern. Da können sie auch gerne Anzeigen erstatten wegen Beleidigung, u.a. beim Saatschutz stellen, man fragt man sich nur was bilden diese "Christen" sich eigentlich ein.

Merken den die hier verhassten, Beyerlein, Engelmann. Lamprecht nicht wie blind sie sind. Wir der muslimisch Mann z. B. jetzt im Sommer luftig gekleidet und die Frau muss trotz größter Hitze eigemummelt nebenher gehen muss, wenn sie mal aus der Wohnung darf.
Oder weil ja bequemerweise, Politik-gefällig lieber gesunde Migranten, als die steigende Zahl kranker deutsche Armen so wie Obdachlose geholfen wird, das nur eine (abartige) Selbstbefriedigung für Christen.
Ähnliche wie „ wir werden weiter marschieren auch wenn alles in Scherben fällt“, eindeutig weil man ja Leute wie Tusk ignoriert, die über das Scheitern der Flüchtlingspolitik und der Integration (durch den stetig steigenden muslimischen Bevölkerungsanteil) informieren und schnellste Änderung fordern bevor daran die EU zerbricht. Alles zerbricht.

Marcel Schneider schreibt:
03. Juni 2018, 21:37

Ich war nun das erste (und letzte) Mal in der Nähe einer Pegida-Demo. Wörtlich wurde dort gesagt: "Nur wir repräsentieren das Volk. Die Gegendemo dort drüben, das ist nicht das Volk. Die gehören nicht zur Volksgemeinschaft."
Wie können Sie es mit Ihrem christlichen Glauben vereinbaren, Fan einer Gruppe zu sein, die das Volk spaltet und selber bestimmt, wer zum Volk dazugehört und wer nicht?
Begriffe wie Volksgemeinschaft erinnern mich immer so an eine bestimmte Zeit, von der Herr Gauland aber gesagt hat, sie sei nur ein Fliegenschiss...

Beobachter schreibt:
04. Juni 2018, 12:41

Ach Herr Schneider, sind das wirklich Ihre "Argumente"? Haben Sie sich mal die Typen der "Gegendemo" angscahut und deren Brüll-"Argumente" angehört? Wenn das das Volk ist, na dann gute Nacht!

Manfred schreibt:
05. Juni 2018, 8:36

Sehr geehrter Herr Schneider.
Sie schlagen wieder vollkommen unbegründet auf Pegida ein.
Nein, die Pegida-Teilnehmer stellen nicht das gesamte Volk dar, aber auch die selbsternannten VOLKSPARTEIEN stellen nicht das Volk dar.
Alle stehen nur für einen kleinen Teil des deutschen Volkes.
Noch einmal für SIE.
Für die heutigen Zustände in Deutschland, indem die Sicherheit immer kleiner wird, sind nicht die AfD und auch nicht Pegida verantwortlich, sondern ausschließlich die sogenannten VOLKPARTEIEN.

Marcel Schneider schreibt:
06. Juni 2018, 10:39

Dass die Sicherheit in Deutschland immer kleiner wird, kann ich nicht bestätigen. Ich möchte mich dieser Hysteriewelle nicht anschließen.
Ich fühle mich sehr sicher, egal ob ich abends oder morgens unterwegs bin.
Pegida und AfD sind nicht Teil der Lösung, sondern Teil des Problems. Diese Bewegungen instrumentalisieren Ängste der Bevölkerung und betreiben mit plumper Angstmache Stimmenfang.
Wer nach der letzten Äußerung von Herrn Gauland (Hitler und die Nazizeit seien ein Vogelschiss der Geschichte) immer noch Sympathie für die offen rechtsradikale Truppe zeigt, für den habe ich kein Verständnis mehr.
Der Glaube an den menschenfreundlichen Gott und die Unterstützung von AfD, Pegida und Co. schließt sich für mich kategorisch aus.
Und nur weil Ihnen hier im Forum (leider) zu wenig Gegenwind entgegenschlägt: Sie vertreten eine absoulte Minderheitsmeinung.

Manfred schreibt:
07. Juni 2018, 14:02

@Herr Schneider, iSie blenden scheinbar alles aus, was ihnen nicht in ihr Weltbild passt.
Aber, auch dieses Recht haben sie.
Wenn sie einmal mit ein wenig geöffneten Augen und Ohren durch Deutschland gehen würden, könnten (würden!!!) SIE auch diese negative Veränderung feststellen.
Fast alle Länder um Deutschland herum, beginnen mit entsprechenden Abwehrmaßnahmen.
Selbst so ein tolerantes Land wie Dänemark, wird jetzt sehr aktiv.
Sicherlich auch nur, weil die Menschen dort „hysterisch“ sind!!!
Ein weiteres Mal für SIE, Herr Schneider.
Die AfD und Pegida sind nicht die Ursache, sondern es sind die Parteien, welche schön länger hier die Macht haben.
Ich habe weder mit Pegida, noch mit der AfD etwas zu tun, aber mit meiner ehemaligen (Wahl-)Partei, der CDU, auch nichts mehr!

Ich will nicht fast jeden Tag in den Medien Lesen, dass ein „Mann“ oder „Männer“ wieder auf einen anderen Menschen eingestochen haben.
Meisten stellt es sich „später“ heraus, dass die Vermutungen der Leser über die Herkunft des Täters stimmten (weil ja nicht sofort alles geschrieben werden soll/darf (Ehrenkotex).
Herr Schneider, ob ich eine Minderheitsmeinung darstelle, weiß ich nicht!
Aber auch "Minderheiten" haben nicht immer nur falsche Meinungen!

Manfred schreibt:
07. Juni 2018, 14:33

NACHTRAG an Herr Schneider:
Heute lese ich die SZ und kann ihre Wohlfühl-Atmosphäre nicht wiederfinden.
Viele Menschen fühlen sich eben nicht mehr sicher, ansonsten müssten sie sich nicht mit Abwehrmaßnahmen selbst schützen
https://www.sz-online.de/sachsen/anzeige-wegen-pfefferspray-tut-das-not-...
Das diese Frau soll auch noch bestraft werden!
Es ist fast nicht zu glauben!
Bitte auch einmal die Kommentare lesen!!!
Danke.
(Frauen und ältere Menschen scheinen hysterisch zu sein oder ist die Unsicherheit doch real vorhanden?)

Beobachter schreibt:
08. Juni 2018, 11:52

Es ist unglaublich, mit elchen Scheuklappen manche Leute durch die Welt laufen! Nur, dmit Sie nicht die Realität wahr nehmen können/wollen/müssen!
Der Glaube an den menschenfreundlichen Gott und die ständige Hetze gegen andere Menschen/Christen die sich von AfD, Pegida und Co.vertreten fühlen oder sich dort engagieren, schließt sich für mich kategorisch aus.
Und auch wennl Ihnen hier im Forum (leider) zu wenig Gegenwind entgegenschlägt sei Ihnen gesagt: Sie vertreten eine absoulte Minderheitsmeinung!

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