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Schöne neue Welt

Vernetzt: Der digitale Wandel verändert das Leben in rasantem Tempo. Viele betonen den segensreichen Nutzen. Doch manche Folgen sind noch gar nicht absehbar. Die Kirche hat dabei keine klare Position.
Von Stefan Seidel
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© Foto: Zubair, vulcanus/Fotolia; Montage: so

Advent im Jahr 2018. Noch gibt es echte Weihnachtsmärkte mit echten Düften gebrannter Mandeln. Noch leuchten echte Kerzen in den weihnachtlichen Stuben. Und noch werden auch echte Geschenke besorgt. Und trotzdem durchzieht viele Teile des Lebens ein rasanter technischer Fortschritt, der vieles aus dem bislang als »echt« angesehenen Leben in ein technisches, »digitales« Leben verwandelt.

Schon spielen sich große Teile des Lebens vieler Menschen in einer zweiten Welt ab – dem Internet. Schon ist das Smartphone zum wichtigsten Teil des Lebens der meisten geworden – es wird tagtäglich sicher mehr »gestreichelt« als der Partner oder die Partnerin. Schon zeichnen sich digitale Entwicklungen ab, die so vieles, was einst durch Menschen gedacht und geschaffen wurde, ablösen durch technische, künstliche Lösungen.

Digitaliserung heißt das Zauberwort, von dem sich viele eine glorreiche Zukunft erhoffen. Soeben hat die Bundesregierung eine »Umsetzungsstrategie zur Gestaltung des digitalen Wandels« vorgelegt. Dieser »digitale Wandel« soll nicht nur in den Großstädten, sondern auch in allen ländlichen Räumen ausgebaut und vorangetrieben werden. Von einem »digitalen Ökosystem« ist dabei die Rede: Digitale Modellprojekte sollen die Mobilität, die Versorgung mit Waren und Dienstleistungen sowie die Gesundheitspflege verbessern. »Wir wollen die vielen Vorteile des digitalen Wandels für die Menschen erlebbar machen«, so die Bundesregierung. Auch wurde kürzlich ein »Digitalpakt Schule« beschlossen, der mit Hilfe von fünf Milliarden Euro die Schulen digitalisieren soll. Und ebenso wurde der Weg für die Versteigerung der neuen »5G«-Mobilfunkfrequenzen freigemacht, die eine neue Dimension des Mobilfunks bedeuten – inklusive intensivere Strahlenbela­stung (siehe Seite 3).

Ob all das zum Segen wird, ist allerdings noch nicht ausgemacht. Denn die temporeiche digitale Revolution kennt auch viele Kritiker. Allen voran der israelische Historiker Yuval Noah Harari. In seinem viel diskutierten Bestseller »Homo Deus« kritisiert er, dass durch diese Entwicklung der Mensch letztlich durch Technik ersetzt würde. Während das Menschliche auf ein »Daten-Ich« reduziert werde, würde der digitale Algorithmus zum wahren Gott dieser Zeit aufsteigen und den Menschen zu seiner Schöpfung machen – als »Homo digitalis«, so Harari.

Und der Mediziner Manfred Spitzner warnt schon lange vor einer »digitalen Demenz« in Folge der umfassenden Nutzung digitaler Medien: Abstumpfung, Aufmerksamkeitsstörungen, Depression und nicht zuletzt ein suchtähnlicher Zustand.

Die Evangelische Kirche bleibt abwägend. Zum Reformationstag betonte EKD-Ratsvorsitzender Heinrich Bedford-Strohm: »Nein, es gibt keinen Grund, die atemberauubende Geschwindigkeit des digitalen Wandels zu verteufeln.« Allerdings müsse dieser Wandel verantwortlich gestaltet werden. Dies betont auch der EKD-Medienbischof Volker Jung: »Die neuen Technologien müssen sich an der Menschenwürde und den Menschenrechten messen lassen.« Zweifel meldet er bei vollautomatisch handelnden Waffensystemen an. Jung fordert eine ethische Debatte darüber, welche Aufgaben selbstlernenden Maschinen künftig übertragen werden könnten und welche nicht.

Indessen wächst aber auch Optimismus angesichts der neuen digitalen Möglichkeiten. So versucht die Kirche auch präsenter zu werden auf den Internetkanälen Facebook, Twitter oder WhatsApp, die als missionarische Chance gesehen werden. Ob allerdings der provokante Einsatz des Segensrobotors »BlessU-2« auf der Wittenberger Reformationsausstellung im vergangenen Jahr ein wegweisender Beitrag in der Debatte war, ist fraglich.

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