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Kirche im Populismus

Von Stefan Seidel
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Das Europawahl-Ergebnis hallt nach. Besonders in Sachsen ist klar geworden: Die hohen Stimmenanteile der AfD bei der Bundestagswahl waren kein protestwählerischer Ausrutscher. Da hat sich etwas verfestigt. Weite Teile der bürgerlichen Mitte sind offenbar am rechten Rand gelandet – und wollen dort nicht wieder weg. Das muss auch die Kirche zur Kenntnis nehmen. Lange Zeit hat sie in Sachsen versucht, zu vermitteln und auf die Sorgen der Menschen einzugehen. Auch jetzt wirbt Landesbischof Carsten Rentzing dafür, »gemeinsam einen Weg für ein friedliches und konstruktives Miteinander zu finden«. Die Kirche werde dazu weiter Gespräche anbieten und zu Begegnungen einladen. Doch das klingt auch nach Hilflosigkeit. Denn gezeigt hat sich auch, dass die kirchlichen Gesprächsrunden zur Politik wenig fruchten. Eine solche Runde mit dem Bischof im April in Chemnitz hatte beispielsweise nur sehr wenige Teilnehmer.

Stimmt es, was die Frankfurter Allgemeine nach der Wahl schrieb, dass der nach rechts gewanderte Teil der Wählerschaft »kein Interesse mehr an einem konstruktiven Miteinander und schon gar nicht an Kompromissen« habe? Dieser Teil mache für alles vermeintlich Schlechte »das System« verantwortlich und wolle es samt dem Westen nur noch weghaben. Vielleicht sollte die Kirche deshalb in Anlehnung an die »Kirche im Sozialismus« eine »Kirche im Populismus« versuchen. Damals ging es darum, nicht in den Schützengraben der Fundamental­opposition zu rutschen und dennoch eigene Akzente zu setzen. Heute könnte versucht werden, die rechte Wählerschaft nicht zu verurteilen und doch beharrlich festzuhalten an den biblischen Werten der Barmherzigkeit, des Mitleids, der Solidarität und Verantwortung.

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