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»Wer singt, betet doppelt«

Offener Brief zur »leidigen Situation der Kirchenmusik« besonders im ländlichen Raum
Eva Zimmermann/ Mitglied Frauenkantorei Kreischa
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© Stephanie Hofschlaeger / pixelio.de

Es steht schlecht um die Kirchenmusik in Sachsen! Von Wertschätzung kann hierzulande nicht mehr die Rede sein! Aktiv Musik machen öffnet die Herzen, sakrale Musik kann zum Glauben führen bzw. bei allem intellektuellen Zweifel den Glauben erhalten. »Wer singt, betet doppelt« wusste Martin Luther! Warum nutzt die evangelische Landeskirche Sachsens dieses Potential nicht viel stärker? Und zwar eben nicht nur in Großstädten, sondern überall, auch auf dem Land! Immer wieder ist die Rede von den zunehmend schrumpfenden Kirchgemeinden, immer wieder klagen die Theologen darüber, immer wieder erlebt man, dass kirchliche Feiertage – ihres eigentlichen Inhalts entleert – für einen Kurzurlaub genutzt werden. Allenfalls einmal im Jahr ist die Kirche voll: zu Weihnachten, und dann nur am Heiligabend! Und die Landeskirche Sachsens beschließt, durch Strukturreformen zu sparen, legt je nach Anzahl der Kirchgemeindemitglieder im Dorf die Kirchgemeinden zu Kirchspielen zusammen und reduziert bzw. streicht Stellen für Pfarrer und Kantoren, so dass eine seelsorgerische Arbeit des Pfarrers vor Ort oder der systematische Aufbau der Kirchenmusik vor Ort kaum noch möglich ist.

In einer Dorfkirche tut nomalerweise ein C-Kantor Dienst, muss von Kirchgemeinde zu Kirchgemeinde hetzen und wird äußerst schlecht bezahlt. Ja, auch eine anständige Bezahlung gehört zur Wertschätzung, nicht nur salbungsvolle Worte! Ich bezweifle, dass mit Hilfe schöner bunter, teurer(!) Hochglanzbroschüren und -flyer, mit Hilfe von Arbeitskreisen und »Events« allein die Zahl der Kirchenmitglieder anwächst. Auf den Kirchentagen treffen sich die Gleichgesinnten, erleben bei Massenveranstaltungen das beglückende Gemeinschaftserlebnis, kommen frohgemut in ihrer Gemeinde an und erleben dort, wie durch Sparmaßnahmen alle »Hoffnung für Kirche« kaputt gemacht wird. Gemeinsames Musizieren zur Ehre Gottes gibt Hoffnung. Vom Choral über die Motette bis zum Gospel – gemeinsames Singen in allen Stilausprägungen kann Menschen zueinander und zu Gott bringen, oft nachhaltiger, als Worte einer Predigt dies erreichen.

Ich habe den Eindruck, dass die evangelische Kirche das Bedürfnis in der heutigen Zeit, sich zum Eigenen, zur Tradition zu bekennen, verkennt. (Während ich dies schreibe, meldet sich bei mir gleich wieder die Befürchtung, dass der Leser mich in die »rechte Ecke« steckt. NEIN, ich gehöre nicht zu PEGIDA, ich halte nichts von den Heilsversprechen der AfD.)

Ich wünsche mir, dass unsere christliche Tradition lebendig bleibt und von der Kirche verbreitet wird. Die ist dafür zuständig! Sicher gibt es vielfältige Formen dafür – eine ganz, ganz wichtige ist die Kirchenmusik. Beim Abschlussgottesdienst des soeben zu Ende gegangenen Kirchentags in Dortmund musizierten zahlreiche Posaunenchöre, Kinder und junge Leute mit viel Lust und sehr lebendig. Stellen Sie sich diesen Gottesdienst oder auch jeden anderen ohne Musik vor, da kein Nachwuchs mehr herangebildet werden kann … Sind die Sparmaßnahmen der Evangelischen Landeskirche Sachsen ein gottgegebenes Naturgesetz oder könnte nicht doch ein Umdenken einsetzen?

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