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Der umstrittene Konservative

Landesbischof: Seine Mitgliedschaft in einer schlagenden Studentenverbindung und sein Vortrag in der Bibliothek des Konservatismus bringen Teile der Landeskirche in Aufruhr.
Von Uwe Naumann
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© Foto: Wiegand Sturm

Es war ein Geburtstagsgeschenk für Landesbischof Carsten Rentzing. Doch der Inhalt sollte den nun 52-Jährigen nicht erfreuen: Die mittlerweile von über 700 Menschen unterzeichnete Petition »Nächstenliebe verlangt Klarheit« mit der »Aufforderung zur Stellungnahme und Distanzierung von den Neuen Rechten an Bischof Rentzing«.

»Die Vorwürfe sind allesamt völlig unberechtigt«, reagiert nun Landesbischof Carsten Rentzing gegenüber dem Sonntag. »Im Übrigen würde ein Austritt aus der Landsmannschaft nichts gegen die Vorwürfe beitragen«, meint er. Zwar sei die Pflicht zum Schlagen mit christlichen Werten nicht zu erklären. Viel wichtiger seien ihm aber die Freundschaften, die im »Bezugsrahmen« seiner Mitgliedschaft entstanden sind und »von dem man sich nicht so einfach löst«. Mit seinem Mitgliedsbeitrag unterstützt der Bischof weiterhin die pflichtschlagende Organisation.

Der Friedensbeauftragte der Landeskirche Sachsens, Michael Zimmermann, registriert diese Mitgliedschaft mit einem Kopfschütteln. »Ich bin im Osten anders sozialisiert. Das ist eine fremde Welt für mich«, sagt er – und spricht damit wohl für die meisten in der Landeskirche.

Als Privatsache sieht der Leipziger Pfarrer Andreas Dohrn, Mitinitiator der Petition, die Mitgliedschaft trotzdem nicht. »Ein Bischof ist nicht für sich selber da, sondern er repräsentiert andere, und das macht Landesbischof Rentzing momentan unterdurchschnittlich gut«, so Dohrn. In der Ergänzung der Petition am Dienstag heißt es: »Uns geht es aber nicht um eine persönliche Auseinandersetzung mit Bischof Rentzing. Es geht uns darum, einem neuen Nationalismus und Faschismus klar entgegenzutreten.«

Synodalpräsident Otto Guse findet die Vorwürfe »ausgesprochen unangemessen«. Auch die »Art des öffentlichen Umgangs unter Schwestern und Brüdern« sei »nicht akzeptabel«, lässt er mitteilen. Peter Meis, Oberlandeskirchenrat im Ruhestand und früher Stellvertreter des Landesbischofs, kritisiert ebenso teils unangemessene Formulierungen und Vorwürfe. »In der Sache aber halte ich die Petition für berechtigt, denn die Haltung des Landesbischofs zur Landsmannschaft ist unklar«, so Peter Meis auf Anfrage. Das Amt der Einheit schließe eine derartige Mitgliedschaft aus. »Ich erwarte eine klare Distanzierung davon.«

Ebenso umstritten ist Rentzings Auftritt 2013 in der Berliner »Bibliothek des Konservativismus«, die in der Petition als »Teil des Netzwerks der Neuen Rechten« eingeordnet wird. Der Beauftragte für Weltanschauungsfragen der Evangelischen Kirche in Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, Andreas Goetze, bestätigt das. »Aus meiner Kenntnis gehört die Bibliothek zweifellos zu den Strukturen der Neuen Rechten und ist stark mit Personen verknüpft, die politisch weit rechts stehen«, sagt der Pfarrer. »Sie dient als Schnittstelle bis weit hinein in deutschnationale und völkische Richtungen«. Es komme aber immer auf den Zusammenhang eines Vortrags an, »ob er eine kritische Diskussion mit den dort vertretenen Positionen führen will«, meint Andreas Goetze.

Genau das nimmt der Bischof für sich in Anspruch. Zum Thema »Kirche in der Krise – wohin treibt die EKD?« sollte er als »konservativer Theologe« und Vizepräsident der Generalsynode der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirchen Deutschlands »über die vermeintliche Linkslastigkeit der EKD sprechen«, erklärt Rentzing. Er habe dieses einseitige Bild der EKD nie geteilt und dies auch so vorgetragen – ohne sich näher informiert zu haben, an welchem Ort er sich aufhalte. Als Landesbischof würde er keinen Vortrag wieder in der Bibliothek halten, sagt er jetzt. Über die Petition möchte er mit den Urhebern ins Gespräch kommen und hat sie in die Bischofskanzlei eingeladen. Mindestens bis dahin wird die Diskussion wohl anhalten.

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