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Im Zweifel vertrauen

Jahreslosung: Was ist Glaube? Wo beginnt Unglaube? Die Jahreslosung lädt dazu ein, sich mit seinen Hoffnungen und Zweifeln ganz Gott zu überlassen. Und bietet auch einen Rat, für innerkirchliche Debatten.
Von Jürgen Ziemer
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Ich glaube; hilf meinem Unglauben!« Was für ein Wort! Manchem wird es wie aus dem Herzen gesprochen erscheinen – in diesen Zeiten, wo der Glaube so rar ist. »Ich glaube; hilf meinem Unglauben!« Anderen mag das zu persönlich sein, vor allem, wenn damit ein kräftiger christlicher Akzent für unser Leben in Gemeinde und Gesellschaft gesetzt werden sollte. Die Jahreslosung 2020 zielt tatsächlich auf beides: unseren persönlichen Glauben und seine Bewährung in den weltlichen Strukturen unseres Lebens.

»Ich glaube; hilf meinem Unglauben!« Ursprünglich verdankt sich dieser gewichtige kleine Doppelsatz einem Zufall. Ein völlig hilfloser Vater hat den Satz gesagt, der mit seinem kranken Sohn zu Jesus kam. Eigentlich war er schon völlig verzweifelt. Aber er könnte es ja noch einmal versuchen bei diesem Gottesmann, der ihn in seiner Not wahrzunehmen schien, und so bricht es förmlich aus ihm heraus: »Ich glaube; hilf meinem Unglauben!« (Markus 9,14). Vielleicht ahnte er nicht einmal, was er da sagte. Er war viel zu aufgeregt. Irgendwie wollte er Jesus nur für sich festhalten, ohne sich darum zu scheren, was andere dachten. Erst im Nachhinein wird deutlich: Wer sich so offen zeigt, wagt einen Schritt heraus aus der eigenen Hilf- und Tatenlosigkeit.

Leicht nachzusprechen ist das Wort nicht. Das fängt schon an bei dem »ich glaube«. Es geht um das Bekenntnis zu einer festen Beziehung, die das Leben und im Leben trägt – so wie der Vater in Markusevangelium sie, vielleicht eher unbewusst, bei Jesus suchte und bei ihm fand. »Ich glaube« – das heißt: es gibt ein Zentrum, von dem her und auf das hin ich mein Leben ausrichte. Das ist Gott, wie ihn uns Jesus gezeigt hat und auch heute dort zeigt, wo wir ihn auf unterschiedlichen Wegen suchen.

»Ich glaube; hilf meinem Unglauben.« Es ist wirklich ein unendlich tröstliches Wort. Wer glaubt und Gott vertraut, weiß, dass die Beziehung, die sich darin ausdrückt, immer gefährdet ist. Glauben und Zweifel wie Unglauben wohnen in unserer Seele wie Brüder miteinander. Glauben ist eine lebendige Beziehung, die sein Gegenteil einschließt. Glauben ist ein Weg mit Erfolgen und Enttäuschungen.

»Ich glaube!« Glaube ich? Die Frage kennen wohl die meisten von uns. »Ich glaube; hilf meinem Unglauben!« – das Wort lädt ein, den eigenen Glauben nüchtern zu sehen. Man sollte ihn nicht benutzen, um im Bekenner­modus die eigene Meinung durchzusetzen.

Im Grunde darf man dem Unglauben im eigenen Glauben sogar ein bisschen dankbar sein: er ist die Brücke zu den vielen Menschen um uns, denen der Glaube fremd geworden ist. Sie sind uns nicht so fern und wir ihnen nicht! Unser Unglaube im eigenen Glauben bringt uns einander näher. Mehr noch! Dieses Wort, das uns durch das Jahr leiten soll, ist nicht nur eine Botschaft für die, die um ihren Glauben ringen. Sie könnte ein hilfreicher Impuls für unsere weltlichen wie innerkirchlichen Debatten sein. Wenn wir über kirchliche oder gesellschaftliche Zukunftsfragen streiten, über Klima, Freiheit und soziale Gerechtigkeit, geht es oft um innerste Überzeugungen. Die haben ihr Recht. Aber schnell stellt sich ein Gestus absoluter Gewissheiten ein. Dann geht es hart zu. Wir haben es im vergangenen Jahr oft genug erlebt. Echte Gespräche sind so kaum möglich und hoffnungsvolle Lösungen werden so nicht gefunden.

Wir kommen zu besseren Lösungen, wenn wir den Zweifel im eigenen Denken ebenso zulassen wie den Unglauben im eigenen Glauben. Die Jahreslosung ermutigt zu Klarheit des Glaubens und zur Demut im Glauben. Sie zeigt, wie unsere Auseinandersetzungen fruchtbarer und der Umgang miteinander menschlicher werden kann. Auch darum ist diese Losung ein wirklich passendes Leitwort am Beginn eines Jahres, in dem so vieles auf dem Spiel steht.

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