Per Federstrich zur Freiheit

Durchbruch: Vor 500 Jahren gelang Martin Luther mit drei Schriften die entscheidende reformatorische Wende. Seine Bücher des Jahres 1520 haben uns heute noch viel zu sagen.
Von Bischof Ralf Meister
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© Foto: epd-bild/Daniel Peter

Welche Gestalt wird eine künftige Kirche haben, die den Glauben weitersagt und den Menschen dient? Das Jahr 2020 – das Jahr der Corona-Zäsur – spitzt diese Frage zu. Die Erschütterungen, die die Krise in vielen gesellschaftlichen, aber vor allem auch in individuellen Gewohnheiten, Prägungen und Ordnungen auslöste, fragen uns nach Einsichten und Veränderungen. Doch alle Veränderungen innerhalb der Kirchen orientieren sich nicht nur an zeitgenössischen Erfahrungen, auch wenn es Erfahrungen in der Krise sind, sondern auch an der Heiligen Schrift, an den Auslegungen der Glaubenszeugnisse in der Geschichte (Bekenntnisse) und ihren vielfältigen Deutungen. In diesem Jahr erinnern wir, zum fünfhundertsten Mal, an wegweisende Texte Martin Luthers. Geschrieben in einer anderen Zeit, für eine andere Welt.

Zuerst trennt uns ein breiter historischer Graben von diesen Texten. Es war eine Kirche in Anfechtung, in Auseinandersetzung und im Aufbruch. Eine Kirche in der Krise. Einer Krise, die von vielen Theologen und Gläubigen jahrzehntelang erfahren, ja erlitten wurde. Zugespitzt findet sich diese Krisenanalyse in der reformatorischen Theologie wieder. Theologiegeschichtlich reiht sich nach 1517 ein Ereignis an das nächste. Ab 1518 stand Martin Luther vor einer Reihe von Herausforderungen: Er musste sein theologisches Grundkonzept weiter ausarbeiten, stand in Kontroversen mit universitären Theologen und kirchlichen Würdenträgern, zusätzlich schaltete sich die päpstliche Kurie ein, die den Mönch und Gelehrten aus Wittenberg nicht mehr gewähren lassen wollte. Nach Verhören und diplomatischen Bemühungen mündeten die Debatten in die Eröffnung des Bannprozesses im Frühjahr 1520.

Auf dem Höhepunkt des Ketzerprozesses, unter dem Druck dieser Krise, kurz bevor die Bannbulle wirksam wurde, läuft Martin Luther mit knapp 37 Jahren zu theologischer Hochform auf. Es geht um die grundlegende Darstellung zentraler Fragen des christlichen Glaubens und der Kirche. Seine Schriften sind nicht mehr nur für einen akademisch-theologischen Fachdisput gedacht. Er legt in der Regel auf Deutsch seine theologischen Einsichten konzentriert dar. Schnell finden diese Schriften weite Verbreitung. Es sind zentrale Themen, mit denen er sich beschäftigt: Christliche Freiheit, Glaube und Sakramente und die Frage, wie Kirche sein muss, wenn sie dem christlichen Glauben in seiner Zeit und darüber hinaus dienen will.

Angetrieben von der Überzeugung, dass die Kirche, in der er groß geworden ist, nach seinen theologischen Erkenntnissen in dieser Weise nicht fortbestehen kann, und zugleich in der Gewissheit, dass die Spitze dieser Kirche seine Überzeugungen nicht teilen und sich nicht verändern wird, schreibt Luther buchstäblich »um sein Leben«, wie der Kirchenhistoriker Thomas Kaufmann formuliert. Später muss Luther sich vielfach mit Ordnungsfragen der sich etablierenden reformatorischen Bewegung beschäftigten. Die Schriften des Jahres 1520 hingegen zeigen einen frühen, einen leidenschaftlichen Reformator auf der Höhe seiner theologischen Schaffenskraft und stellen Kernthemen christlichen Glaubens in evangelisch-lutherischer Prägung konzentriert dar.

Drei dieser Schriften aus dem Jahr 1520 sollen in dieser Ausgabe (Seite 3) kurz vorgestellt und auf ihre Gegenwartsrelevanz hin befragt werden: »Von der Freiheit eines Christenmenschen«, »An den christlichen Adel deutscher Nation« und »Von der babylonischen Gefangenschaft der Kirche«. In der theologischen Auseinandersetzung und persönlichen Beschäftigung entfalten sie eine Kraft, aus der auch noch nach 500 Jahren Impulse für evangelisches Christsein, persönliche Frömmigkeit und die Gestalt der Kirche ausgehen können.

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