Mutig mit Gott

Innere Freiheit: Sophie Scholl, deren Geburtstag sich dieses Jahr zum 100. Mal jährt, bezahlte ihren mutigen Widerstand gegen das NS-Unrecht mit dem Leben. Wer war sie? Und welche Rolle spielte für sie der Glaube?
Von Markus Springer
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© Foto: Pressebild/Stadtarchiv Crailsheim; Sammlung Hartnagel

Wohl nach keiner anderen Person aus dem deutschen Widerstand gegen den Nationalsozialismus wurden so viele Schulen, Plätze und Straßen benannt wie nach Sophie Scholl. Sogar zwei evangelische Gemeinden gibt es, die ihren Namen tragen.

So wenig folgenreich die Flugblätter und Wandaktionen der »Weißen Rose« zu ihrer Zeit realistisch betrachtet gewesen sein mögen: Sophie Scholl und ihre Mitstreiter haben durch ihren Widerstand und den Tod von sieben von ihnen die Zukunft eines freien, humanen, guten Deutschlands gerettet – ebenso symbolisch wie beispielgebend. Von Juni 1942 bis April 1943 ruft die »Weiße Rose« mit Flugblättern und Wandaktionen in München zum Kampf gegen die nationalsozialistische Diktatur auf – und für die Beendigung des Kriegs. Im zweiten Flugblatt verurteilt die Weiße Rose den Massenmord an den Juden in Polen als das »fürchterlichste Verbrechen an der Würde des Menschen«. Die schweigenden Deutschen trügen die Mitschuld, weil sie zugelassen hatten, dass »diese Regierung überhaupt entstehen konnte«. Nur wenige Dokumente des deutschen Widerstands haben die Ermordung der Juden so klar und vor allem öffentlich angeprangert.

Nach einem kurzen Volksgerichtsprozess im Münchner Justizpalast, in dem die Angeklagten kaum zu Wort kamen, werden Sophie und Hans Scholl sowie Christoph Probst am 22. Februar 1943 zurück nach Stadelheim gebracht. Um 17 Uhr wird Sophie Scholl über den Gefängnishof in den Raum mit der »Fallschwertmaschine« geführt. Sie war ruhig und gefasst, vermerkt das Hinrichtungsprotokoll. Dann verrichtete die Guillotine ihr Werk. Kopf und Körper wurden in einen bereitgestellten Sarg gelegt.

Wer war Sophie, der Mensch, das Mädchen hinter dem Mythos? »Eine feine Eigenwilligkeit (…) gepaart mit einem ausgeprägten Gerechtigkeitsgefühl«, schrieb ihr die vier Jahre ältere Schwester Inge zu. Beide Charakterzüge hätten ganz still ihr Wesen beherrscht, »als lebten sie wie ein kleiner Kern in ihr, der wächst und von innen her prägt«. Daneben wurzelt Wesentliches wohl in der Familie Scholl: im Pazifismus der Eltern, in der pietistischen Frömmigkeit der Mutter.

Kommt die innere Freiheit und Widerständigkeit der Scholl-Geschwister aus dem protestantischen Glauben, wie ihn ihre tiefreligiöse Mutter vermittelte und vorlebte? Oder gab es 1941 eine religiöse Wende, eine Art Erweckung unter dem Einfluss des katholischen Ulmer Freundes Otl Aicher und des katholischen Hochlandkreises mit Carl Muth und Theodor Haecker? Das ist durch die Überlieferung der später zum Katholizismus konvertierten Inge Aicher-Scholl noch immer die vorherrschende Meinung. Den Widerstand der Scholl-Geschwi­ster eher in dieses Lager zieht auch der katholische Theologe Jakob Knabe in seiner 2018 erschienenen Biografie »Ich schweige nicht: Hans Scholl und die Weiße Rose«. Der evangelische Robert Zoske bilanziert hingegen in seinem Buch »Sophie Scholl. Es reut mich nichts« (2020): »Sophie wäre eine wunderbare Seelsorgerin und Theologin geworden. Sie hätte Liebe und Rationalität, ein ›mitfühlendes Herz‹ mit ›klarem Geist‹ verbunden.« Ganz falsch ist diese Einschätzung wohl auch nicht.

Sophies Mutter schrieb nach dem Abschied, ihre Tochter sei nun ganz bei Gott – eine Märtyrerin, die am Ende ihren christlichen Glauben bekräftigte. In ihren letzten gemeinsamen Minuten habe Sophie gelächelt. Ganz nahe seien sie sich gewesen, und sie, die Mutter, habe zu Sophie gesagt: »Aber gelt, Jesus.« Und Sophie habe geantwortet: »Ja, aber du auch.«

Auszug aus dem Sonntagsblatt-Themen- heft 1/2021: »Sophie Scholl – Ihr Leben, ihr Glaube, ihre Ideale« (52 S., 4,50 Euro). Zu beziehen über: Tel. (089) 12 17 20; E-Mail: <thema@epv.de>; Website: <www.shop.sonntagsblatt.de>

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