Religion als Friedensstifterin

Saat des Friedens: Zwei interreligiöse Treffen betonen die friedensstiftende Kraft der Religion. Ein wichtiges Gegenbild zur Dominanz von Bildern und Botschaften der Gewalt.
Von Anke von Legat (mit epd)
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Friedensappell der Religionen
Friedensappell der Religionen: Papst Franziskus und EKD-Ratsvorsitzender Heinrich Bedford-Strohm beim interreligiösen Friedenstreffen der Gemeinschaft Sant Egidio am 7. Oktober in Rom. © EKD/Lukas

Ein buntes Bild für den Frieden boten Religionsführer und Politiker aus aller Welt bei einem interreligiösen Friedenstreffen der Gemeinschaft Sant Egidio Anfang Oktober in Rom. Männer und einige wenige Frauen in den Gewändern ihrer jeweiligen Glaubensgemeinschaft stellten sich für ein Foto auf, um zu zeigen: Gutes, friedliches Leben auf dieser Erde ist möglich auch da, wo scheinbar zunächst Gegensätze dominieren. Und die Religionen stehen für diese weltweite Gemeinschaft.

Große Bilder bekommen sonst meistens die anderen. Die, die auf Feindschaft setzen statt auf Gemeinschaft. Die ihre militärische Macht beweisen wollen und darum auf Paraden den Krieg wie ein Theaterstück inszenieren. Oder die, die Bomben werfen, zerstören, töten und dabei auch immer wieder die Religionen für ihre Zwecke instrumentalisieren.

Die Friedensstifter dagegen haben es nicht so leicht, Aufmerksamkeit zu bekommen. Sie haben eben selten dramatische, mitreißende Bilder anzubieten. Friedensstifter gehen eher leise, aber beharrlich ihrer Überzeugung nach, dass Zusammenleben ohne Gewalt möglich ist. Und viele von ihnen sind dabei vom Glauben inspiriert und erleben ihre verschiedenen Religionen als verbindende, nicht als trennende Kraft weil sie die Menschen als von Gott geliebte Geschöpfe sehen, die zur Gemeinschaft, nicht zur Feindschaft bestimmt sind.

Zwar gibt es in den Heiligen Schriften der großen Religionen auch Aufrufe zur Gewalt und Erzählungen von der Vernichtung anderer Völker mit anderem Glauben. Die historische Forschung zeigt jedoch, dass es sich dabei in aller Regel um Konflikte handelt, die mit der Religion zunächst wenig zu tun haben: Meistens geht es um die Verteilung knapper Ressourcen wie fruchtbares Land oder Wasser; um Machtkämpfe oder die Abgrenzung der eigenen Gruppe gegenüber solchen, die als fremd und bedrohlich empfunden werden. Dann griff der gleiche Mechanismus, der heute noch funktioniert: Die eigene Gruppe wird eingeschworen auf das, was verbindet die familiären Beziehungen, die Ehre, der Glauben. So wird der Gott der gesamten Schöpfung reduziert zum Garanten der eigenen Interessen. Ein klarer Missbrauch der religiösen Botschaft.

Dem gegenüber stehen eindrückliche Aufrufe zur Versöhnung und zum Frieden, weil Gott es so will. Und Gott sei Dank gibt es in allen Religionen Menschen, die diese Botschaft ernst nehmen und sich dafür einsetzen, dass sie verkündet und gelebt wird. So wie die Gemeinschaft SantEgidio, die seit über 50 Jahren daran arbeitet, dass große und kleine, internationale und nationale Konflikte gelöst werden. Ihr Motto lautet: Man darf den Frieden nicht den Fachleuten überlassen. Jede, jeder kann in seinem Umfeld für ein friedliches Zusammenleben wirken. Das mag nicht besonders spektakulär sein und keine starken Bilder hervorbringen. Wirksam jedoch ist es alle Mal.

Auch in Lindau am Bodensee wurde diese Botschaft bei einem mehrtägigen Treffen der interreligiösen Organisation »Religions for Peace« (»Religionen für den Frieden«) Anfang Oktober ausgesendet. Rund 600 Religionsvertreter und Diplomaten aus 90 Ländern kamen hier zusammen. In ihrem Abschlusspapier bekräftigten sie die besondere Rolle von Religionsgemeinschaften als Friedensstifter und betonten, dass die Religionsgemeinschaften jedwede Gewalt in ihrem Namen ablehnen, sich als Hüter der Glaubensfreiheit sehen, sich für eine humanitäre Flüchtlingspolitik sowie für den Schutz von Umwelt und Klima einsetzen.

Die Generalsekretärin von »Religions for Peace«, Azza Karam, sagte, Krisenzeiten wie die Corona-Pandemie seien eine Chance, die man als multireligiöse zivilgesellschaftliche Organisation nutzen will, um gemeinsam Hilfe zu leisten etwa bei einer gerechten Verteilung von Covid-19-Impfstoffen weltweit.

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