Gott kann neues Leben auftun

Ostern: Die frohe Botschaft des Ostermorgens heißt: Der Herr ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden! Das verändert alles. Die aufrichtende und ewige Liebe Gottes ist seither geöffnet für alle.
Von Hans Kessler
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Wie ist die Auferstehung Jesu zu verstehen? Die Ostertexte sprechen von einem außerordentlich starken, nicht aus der Psyche der Jünger herauskommenden, sondern in sie einfallenden, unerwarteten Neuanstoß – von Gott her. Dabei wird klar: Es geht nicht um die Wiederbelebung der Leiche, nicht um Rückkehr ins erneut sterbliche Leben (es heißt: Jesus »stirbt nicht mehr«, ist »ewig lebendig«: Röm. 6,9 f.; Apk. 1,18), aber auch nicht um Ortswechsel in eine jenseitige Welt hinter unserer Welt, sondern um das Eintreten in eine ganz andere Dimension der Wirklichkeit, die nicht dort erst anfängt, wo die uns bekannten Dimensionen enden, sondern sie alle durchdringt. Der »Himmel« im religiösen Sinn meint diese andere Dimension. Die Mutter oder der Vater unser »im Himmel« ist nicht – jedenfalls nicht nur – in einem fernen Jenseits, sondern uns ganz nahe, weshalb der in den »Himmel« hinein auferstandene Christus »nicht gleichsam am Rande des Kosmos sitzt, sondern im Zentrum aller Dinge ist« (Nikolaus von Kues), so dass wir überall mit ihm rechnen dürfen. Die sinnlich und wissenschaftlich zugängliche Welt ist nicht das Ganze, das All ist nicht alles. Juden und Christen sind der Überzeugung, dass da noch wer ist: ein »Ich bin da« (Ex. 3,14). Und dass uns dieses große liebende Du »von allen Seiten umgibt« (Ps 139) und uns zuinnerst »erfüllt« (Jes. 6,3) und auch dort noch schöpferische Möglichkeiten hat und radikal neues, unzerstörbares Leben auftun kann, wo wir mit unseren Möglichkeiten am Ende sind.

Die Rede von der Auferstehung Jesu und der Toten meint also eine Wirklichkeit, die nur im Glauben an die andere Dimension Gottes annehmbar und verstehbar ist – sie verlangt ein erweitertes Verständnis der Wirklichkeit.

Und was bedeutet nun »leibhaftige Auferstehung«? Im Tod bricht der Bezug der Person zu den andern und zum materiellen Kosmos nicht ab, im Gegenteil, er wird durch die verwandelnde Kraft des Geistes und der Liebe Gottes geheilt und entgrenzt: Die Person wird »nicht a-kosmisch, sondern all-kosmisch« (Karl Rahner); sie öffnet sich zu allen anderen Wesen hin. Genau dies meint auch die Rede vom »pneumatischen Leib« (1 Kor. 15,44a): die Person ist ganz vom Pneuma (Geist) Gottes beseelt und darum von Güte erfüllt, grenzenlos liebesfähig.

Diese Sicht gewinnt das Neue Testament von der Auferstehung Jesu her. Jesus Christus wird in seinem Tod von Gott dem Vater durch die Kraft seines Geistes leibhaftig auferweckt, das heißt höchstpersönlich mit seinen ihn prägenden, liebenden Bezügen zu den andern gerettet und vollendet, so dass Jesu Weltverhältnis entschränkt und grenzenlos wird. Jesus, der in seinem irdischen Dasein und Sterben für alle offen war, aber diese Offenheit aufgrund seiner körperlichen Begrenztheit nicht allen Armen, Kranken, Ausgegrenzten, Sündern gegenüber konkret realisieren konnte, ist in seiner leibhaftigen Auferstehung, seinem neuen Leben in und aus Gott, nun auch faktisch allen ganz konkret zugewandt: »der Gekreuzigte, beide Arme weit geöffnet« (Hilde Domin), gleichsam die ausgestreckte Hand Gottes, die jeder ergreifen kann. Und wer sich auf seine alle suchende Agápe-Liebe einlässt, der wird damit Glied am »Leibe Christi«.

Nur weil der Gekreuzigte auferstanden und von Gott her lebendig ist, kann er sich in die Geringsten dieser Erde hinein verbergen und auf unsere Tat der Gerechtigkeit warten (Mt. 25,31–45). »Das könnte den Herren der Welt ja so passen, wenn erst nach dem Tode Gerechtigkeit käme. Doch ist der Befreier vom Tod auferstanden, ist schon auferstanden und ruft uns jetzt alle: zur Auferstehung auf Erden, zum Aufstand gegen die Herren, die mit dem Tod uns regieren« (Kurt Marti). Ostern erweist sich in Aufsteh-Geschichten, in denen am Boden liegende Menschen sich wieder erheben, aufatmen, ihres Lebens wieder froh werden können, weil sie sich in ihrer Würde geachtet sehen und ihnen jemand beim Aufstehen hilft.

Mehr zum Thema in dem Buch von Hans Kessler: Auferstehung? Der Weg Jesu, das Kreuz und der Osterglaube, Grünewald- Verlag 2021.

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