Im Dienst an Christus

Würdigung: Otto Guse, Präsident der 26. und 27. Landessynode, ist im Alter von 62 Jahren gestorben. Nachfolgerin Bettina Westfeld erinnert an sein 20 Jahre langes Wirken im Ehrenamt für die sächsische Landeskirche.
Von Bettina Westfeld
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Stellen wir uns der schmerzlichen Erkenntnis, dass wir aus eigener Kraft und Weisheit die Einheit der Kirche nicht erringen können.« Mit diesen Worten bat Otto Guse, Präsident der 26. und 27. Landessynode, am 17. April 2015 die Beteiligten nach ihrer mühsam errungenen wie einstimmig abgegebenen Erklärung zum »Gesprächsprozess zum Schrift- und Kirchenverständnis« an den kriegsversehrten Altar in der Dreikönigskirche zum gemeinsamen Abendmahl. Die Worte stehen anschaulich für seine gesamte Amtszeit von 2008 bis 2020.

Als Rechtsanwalt mit eigener Kanzlei, der 1993 mit seiner Familie aus dem Rheinland ins vogtländische Auerbach gezogen war, wirkte Otto Guse für das geschwisterliche Miteinander in den intensiven Auseinandersetzungen, die die sächsische Landessynode vor große Herausforderungen stellte: Die heftigen Diskussionen um die Frage des Umgangs mit Homosexualität von 2012 bis 2015, permanente Debatten um die richtige Struktur und nicht zuletzt der Rücktritt von Landesbischof Dr. Carsten Rentzing forderten ihn heraus.

Mit klaren und humorvollen Worten führte er die Landessynode und ließ immer wieder erkennen, wie es ihn persönlich berührte, wenn ethische Diskussionen zur kirchlichen Schicksalsfrage erhoben wurden. Otto Guse identifizierte sich völlig mit seiner »neuen« Landeskirche und hielt manch konfessionellem Eiferer liebevoll den Spiegel vor, wenn er betonte, als ursprünglich uniert geprägter Christ der Evangelischen Kirche im Rheinland nun das Präsidentenamt der lutherischen Landessynode in Sachsen führen zu dürfen. Während seiner Rede zum 150-jährigen Jubiläum der Synode erinnerte er zudem scherzhaft daran, dass er der erste Präsident mit (West-Ost-)Migrationshintergrund gewesen sei.

Besonders im Herbst 2019 erlebten wir, wie sich Otto Guse trotz schwerer Krankheit mit seiner ganzen Kraft einsetzte, die Arbeitsfähigkeit der Landeskirche zu erhalten. Nach dem Rücktritt des Bischofs übernahm er als amtierender Vorsitzender der Kirchenleitung Verantwortung und führte souverän die schwierige Kommunikation nach innen und außen. Ihm war es maßgeblich zu verdanken, dass noch kurz vor dem Ende der Legislatur im Februar 2020 ein neuer Landesbischof gewählt werden konnte.

Bei all seinem Reden und Tun leitete Otto Guse das Bibelwort »Dient einander als gute Verwalter der vielfältigen Gnade Gottes, jeder mit der Gabe, die er empfangen hat!« (1. Petrus 4,10) Er trug sein Dienen nicht vor sich her, sondern diente beherzt. Immer wieder betonte er während intensiver Debatten im Plenum der Synode, dass es nicht unsere Kirche sei, sondern die unseres Herrn Jesus Christus! Mit diesem Wort richtete er immer wieder die synodale Arbeit auf das Wesentliche aus. Zuletzt mahnte er im November 2021 vor der 28. Landessynode, dass diese nicht nur die Vertretung der Kirchgemeinden sei, sondern vor allem die Verkündigung des Evangeliums fördern solle.

Ich durfte den ganzen synodalen Weg von Otto Guse begleiten, später auch im Präsidium. Je näher eine Tagung rückte, umso häufiger wurden seine erfrischenden Anrufe gegen 7 Uhr, als er gerade in seiner Kanzlei Platz genommen hatte. Noch vor seinen beruflichen Aufgaben arbeitete er die lange Liste seines Ehrenamtes ab. Witzig und scharfsinnig analysierte er die Gesetzesvorlagen und mühte sich, alle Aspekte zu berücksichtigen. Nebenbei erzählte er so manche Anekdote aus seinem Leben als Strafverteidiger. Zudem bekannte er bei einem der Telefonate seine große Freude am Präsidentenamt.

»Dient einander!« ließ er in einen geschnitzten Staffelstab gravieren. Im Juni 2020 auf der ersten Tagung der 28. Landessynode überreichte er mir diesen. Dankbar erinnere ich mich an die gemeinsamen Jahre in der sächsischen Landessynode mit Otto Guse. Seine geistreichen und von tiefem Gottvertrauen geprägten Einschätzungen werden uns sehr fehlen.

Bettina Westfeld ist seit 2021 Präsidentin der 28. Landessynode in Sachsen.

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