Bergpredigt als Grund der Kunst

Mit 98 Jahren ist der Wachauer Künstler Werner Juza gestorben
Tomas Gärtner
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Der Maler und Grafiker Werner Juza (1924–2022) widmete einen Großteil seiner Werke christlichen Themen und schuf zahlreiche Bilder für Kirchen, vor allem in Sachsen. Am 25. August ist er 98-jährig verstorben. © Steffen Giersch
Der Maler und Grafiker Werner Juza (1924–2022) widmete einen Großteil seiner Werke christlichen Themen und schuf zahlreiche Bilder für Kirchen, vor allem in Sachsen. Am 25. August ist er 98-jährig verstorben. © Steffen Giersch

Werner Juza besaß einen genauen und einfühlsamen Blick für Menschen. In ihrer Anmut und Schönheit zeigte er sie, aber auch mit ihren Schwächen, dem Hang, ihren Körper zu verunzieren. Am 25. August ist der Maler, der seit 1945 in Wachau bei Radeberg wohnte, mit 98 Jahren in Sörnewitz bei Meißen gestorben, wie die Familie mitteilte. Überzeugend gelang es ihm, christliche Tradition mit politischen Themen in moderner Kunst zu verbinden. Als sein bekanntestes Werk gilt das monumentale Wandgemälde »Versöhnung« (1990) im Dresdner Haus der Kirche (Dreikönigskirche).

Geboren wurde er 1924 im vogtländischen Rodewisch. Sein 1941 begonnenes Architekturstudium musste er aussetzen, als er 1942 als Soldat zuerst nach Russland, dann an die Westfront befohlen wurde. 1945 geriet er in Holland in amerikanische Kriegsgefangenschaft. Zu erleben, wie der Mensch, aller ethischen Werte entblößt, zur vernichtenden Maschine werden kann – diese Erfahrung prägte ihn zeitlebens.

Fasziniert haben ihn die klare Gestaltung des Bauhauses und die Einfachheit romanischer Kirchen. Dingen Symbolcharakter zu verleihen, bezeichnete er als sein Hauptanliegen. Nach dem Krieg begann er noch einmal, Architektur zu studieren, wandte sich dann aber ganz der Kunst zu. Sein erster Auftraggeber war der Seifersdorfer Dichterpfarrer Karl Josef Friedrich (1888–1965). Juza entwickelte einen ausgeprägten Widerspruchssinn gegen alles, was ihn in seiner künstlerischen Freiheit beschnitt. Mit dieser Kompromisslosigkeit eckte er schon bald bei seinen staatlichen Auftraggebern an. Statt Werke nach ideologischen Vorgaben zu liefern, stellte er soziale und allgemein menschliche Aspekte in den Vordergrund. Sobald er Entwürfe vorlegte, wurden die Aufträge zurückgezogen. Schließlich versiegten sie. In den Sechzigern galt er als »Feind der Arbeiterklasse«.

Unter Pfarrern jedoch hatte sich rasch herumgesprochen, dass Werner Juza nicht nur malen und zeichnen konnte, sondern auch Kirchen gestalten. Gemeinden, evangelische wie katholische, wurden seine Hauptauftraggeber. Er gestaltete große Wandbilder, Buntglasfenster. Verkleidungen für Türen, von Kanzeln, Altären, Taufsteinen fertigte er aus Kupfer. In Kirchen in ganz Sachsen und darüber hinaus findet man seine Arbeiten.

Die Bergpredigt hat er einmal als Grundlagentext seiner Kunst bezeichnet. Biblische Geschichten interpretierte er jedoch als menschliche Erfahrung. Poetisch sind seine Bilder, mit zartem Strich, auch zeitkritisch, karikaturenhaft und humorvoll. Er feierte in ihnen die Schönheit dörflicher Landschaften ebenso wie die Erotik des weiblichen Körpers.

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