Abschied von Pfarrer Christian Führer - ein Nachruf

Für den verstorbenen Leipziger Pfarrer Christian Führer wird am 6. Juli ein Trauergottesdienst gehalten
Stefan Seidel
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Pfarrer Christian Führer (1943-2014) vor »seiner« Nikolaikirche im Jahr 2008. © Jan Adler

Am Sonntag, 6. Juli findet 14 Uhr in der Leipziger Nikolaikirche ein Trauergottesdienst für den am 30. Juni verstorbenen Pfarrer Christian Führer statt (Hinweise zum Gottesdienst am Ende des Beitrags).

Die Nachricht hatte sich wie ein Lauffeuer verbreitet: Der frühere Pfarrer der Leipziger Nikolaikirche, Christian Führer, ist tot. Im Alter von 71 Jahren ist er an den Folgen einer schweren Lungenerkrankung am Morgen des 30. Juni in Leipzig verstorben. Alle großen Nachrichtensendungen verkündeten den Tod des couragierten Pfarrers, dessen Name wie kein zweiter mit der friedlichen Revolution von 1989 verbunden ist. Von den Zeitungen wird er verabschiedet als »Held von 1989« und als »Vater der Wende«. Es zeigt sich: Christian Führer gilt als die Symbolfigur für den Wendeherbst vor 25 Jahren.

Schon zu Lebzeiten wurde ihm mit der Verfilmung von Erich Loests Roman »Nikolaikirche« ein Denkmal gesetzt – unzählige Preisverleihungen folgten, vom Bundesverdienstkreuz bis zum Deutschen Nationalpreis. Dem kleinen Mann mit der Jeansweste und dem Bürstenschnitt kam etwas zu, das anderen Figuren der Geschichte erst Jahre nach ihrem Tod zukam: Verehrung als historische Person. Führer nahm diese Verehrung durchaus nicht uneitel an. Doch vielleicht weniger, um sich selbst in den Vordergrund zu stellen, sondern um auf das erstaunliche Wirken Gottes zu verweisen. »Es ist eine friedliche Revolution aus den Kirchen herausgewachsen«, formulierte er einmal und fügte hinzu: »Wenn je etwas das Wort Wunder verdient hat, dann das.«

Gleichzeit erlag der revolutionären Pfarrer keinen Illusionen angesichts der neuen Zeit. Unermüdlich führte er in den letzten 25 Jahren das Wort gegen soziale Ungerechtigkeiten und gegen die neuen Kriege. Er prägte den Slogan: »Teil zwei der friedlichen Revolution steht noch bevor« und meinte ein neues Wirtschafts- und Finanzsystem jenseits von »hemmungslosen Profitstreben« und »Anstachelung der Gier«.

Den Erfolg dieses zweiten Teils der friedlichen Revolution erlebte er nicht mehr. Seine Plakate von den fortgeführten Montagsdemonstrationen gegen »Hartz IV« oder den Irak-Krieg werden wohl ebenso ins Museum wandern wie sein legendärer Aktenkoffer, auf dem der Aufkleber »Schwerter zu Pflugscharen« prangte. Doch Führer starb nicht als gebrochener Mann. Bis zuletzt mischte er sich ein für eine bessere Gesellschaft – immer erfüllt von der großen Hoffnung, die ihn schon 1989 trug, »dass mehr möglich ist, als möglich ist«.

Wo die Rezepte für Alternativen zu suchen sind, war ihm klar: bei Jesus und dessen »Alternativprogramm« der Seligpreisungen. Er glaubte unbeirrt daran, dass eine friedlichere, humanere, solidarischere Welt möglich ist – auch wenn das vielerorts als naiv belächelt wurde. Von Jesus ließ er sich bewegen, für die an den Rand Gedrängten die Stimme zu erheben. Und an die verändernde Kraft des Gebets zu glauben.

Politik und Glaube waren für Christian Führer zwei Seiten einer Medaille. »Nicht Thron und Altar, sondern Straße und Altar gehören zusammen«, sagte er immer wieder. Doch nie verlor er sich nur im Politischen, im Widerstand gegen Unrecht. Stets sprach er auch zu glaubensfernen Mitstreitern von seiner Zuversicht des Glaubens. Er hieß zwar Führer, begriff sich aber als entschiedener Nachfolger Jesu. Und so sah er auch den Tod nicht als das Ende. Denn er wurde von Jesus überwunden. In einer Predigt sprach Führer voll Bewunderung von seinem fünfjährigen Enkel, der die Auferstehungshoffnung der Christen am einfachsten auf den Punkt gebracht habe: »Wenn ich sterbe, freue ich mich! Denn da komme ich in den Himmel und kann Gott sehen.«

 Hinweise zum Trauergottesdienst am 6. Juli: Beginn 14 Uhr, Einlass in die NIkolaikirche ab 13.15 Uhr. Bei Bedarf wird der Gottesdienstton auf den Nikolaikirchhof übertragen. Auf Wunsch des Verstorbenen und der Angehörigen wird darum gebeten, von Blumen und Kränzen Abstand zu nehmen und sich an der Gottesdienstkollekte zur Unterstützung der Kirchenmusik an St. Nikolai zu beteiligen.

 

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