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Braunkohlegegner veranstalten erstmals Klimacamp im Leipziger Land

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Braunkohletagebau im Südwesten von Leipzig © Dietmar Grummt/pixelio.de

Mit einem »Klimacamp« wollen Aktivisten Ende Juli im sächsischen Pödelwitz (Landkreis Leipzig) gegen den Kohleabbau demonstrieren. Mit der Veranstaltung bis zum 5. August solle auf die sozialen wie ökologischen Folgen des Braunkohleabbaus aufmerksam gemacht werden, teilten die Initiatoren von »Klimacamp-Leipziger Land« am Montag in Pödelwitz mit. Bis zu 1000 Teilnehmer werden erwartet, aber nicht alle würden vor Ort übernachten.

Das Camp findet erstmals im Leipziger Land statt. Es solle »ein Ort des Austauschs und der Vernetzung« sein, hieß es. Geplant seien Arbeitsgruppen, Exkursionen und Podiumsdiskussionen. Das Camp wird den Angaben zufolge von verschiedenen Bündnissen zusammen mit Aktiven aus der Region organisiert, deren Dörfer durch die Braunkohle bedroht sind.

Pödelwitz sei eines dieser Dörfer, hieß es. Nach den Plänen des Unternehmens Mibrag soll der Ort dem Tagebau Vereinigtes Schleenhain zum Opfer fallen. Gemeinsam mit den Menschen vor Ort sollen den Angaben zufolge »Perspektiven für einen selbstbestimmten Strukturwandel« entwickelt werden.

Das Bündnis »Kohle ersetzen« kündigte unabhängig vom Camp in der Zeit vom 3. bis 5. August Sitzstreiks an, mit denen der Tagebau auf Zufahrtswegen blockiert werden soll. Das Tagebaugelände selbst solle aber nicht betreten werden, hieß es. Das »Klimacamp« ist nach eigenen Angaben bei der Stadt Groitzsch, zu der Pödelwitz gehört, angemeldet.

Vergleichbare Aktionen gab es bereits im Rheinland und der Lausitz. Zum Teil wurden diese Camps von Ausschreitungen begleitet. Vor zwei Jahren hatten etwa 2000 Aktivisten das Kraftwerk Schwarze Pumpe in der Lausitz gestürmt und die Arbeitsgleise blockiert.

Im Oktober folgt ein Ökumenischen Pilgerweg für Klimagerechtigkeit, der – von Christen organisiert – auch im Leipziger Süden Station macht. Lesen Sie mehr zu kirchlichen Organisatoren und Ablauf im nächsten SONNTAG vom 22. Juli.

Information:
www.klimacamp-leipzigerland.de

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4 Lesermeinungen zu Braunkohlegegner veranstalten erstmals Klimacamp im Leipziger Land
Britta schreibt:
17. Juli 2018, 9:16

Ich bin auch gegen die Zerstörung deutscher Kulturlandschaften.
Nur sollten sich die Teilnehmer des Klimacamps, die konsequenterweise sicher alle dorthin gelaufen oder wenigstens mit dem Fahrrad gefahren sind, und wahrscheinlich auch großteils zu denen gehören, die Atomkraft als ablehnen, zum Teil sicher auch gegen "Nordstream 2" sind, mal überlegen, ob der Weisheit letzter Schluß Windkraftanlagen mit zweifelhafter Energieernte oder Solarkraftanlagen mit riesigem Verbrauch landwirtschaftlicher Fläche sein können? Nur mit Energiesparen können die Defizite nämlich nicht ausgeglichen Werden.

Peter schreibt:
17. Juli 2018, 10:23

Liebe Britta,
irgendwo muss der Strom ja herkommen. Das die Energiewende nicht unsichtbar (Windräder) von statten geht sollte klar sein. Sollte es bessere Alternativen geben, können diese problemlos zurück gebaut werden.
Das geht bei den Umwelt vernichtenden Tagebauen nicht. Dorf abgebaggert = für immer weg. Hinzu kommen die Bergbaufolgeschäden und Ewigkeitslasten die noch unsere Enkel zahlen werden. Diese in den "billigen" Kohlestrompreis eingerechnet sind EE schon heute deutlich günstiger.

Britta schreibt:
17. Juli 2018, 13:09

Lieber Peter,
natürlich muß der Strom irgendwo herkommen (zumal jetzt ja auch die Elektromobilität in aller Munde ist). Ich halte es auch für eine inakzeptable Variante, ganze Dörfer mit ihrer z.T. jahrhundertealten Historie dafür wegzubaggern. Aber es ist eine Illusion, daß erneuerbare Energien derzeit die Energieversorgung sicherstellen können. Hinter jeder Windkraftanlage muß pronzipiell ein herkömmliches Kraftwerk stehen, denn der Wind weht nicht nach Energiebedarf - so daß z.T. Verkäufe zu "Negativpreisen" (sprich: es wird ordentlich draufgezahlt) an der Leipziger Strombörse vonnöten sind bzw. herkömmliche Kraftwerke bei Windflaute hochgefahren werden müssen. Es ist auch wichtig und richtig, in Richtung der erneuerbaren Energien zu forschen, es kann aber nicht sein, daß Herstellung von Windkrafträdern energieaufwendiger ist als die Energieernte, daß landwirtschaftliche Flächen zu gunsten von Solaranlagen umgewidmet werden bzw. nachwachsende Energieträger mit Nahrungsanbau konkurrieren. Ich halte den Atomausstieg im Alleingang (nur bei den eigenen Kraftwerken hat unser Land Einfluß auf Sicherheitsbestimmungen, während um uns herum sogar AtomKraftwerke neu entstehen) für verfrüht und schädlich - allein über die CO2-Bilanz beißt sich nämlich die ökologische Katze hier gewaltig selbst in den Schwanz. Es wäre besser daran getan, die Möglichkeiten zur Wiederaufbereitung von Brennstäben zu forcieren, nicht deren Endlagerung.
Und ja, ich hätte auch kein Problem mit einem Atomkraftwerk in meiner Nähe.
Freundliche Grüße
Britta

Gert Flessing schreibt:
17. Juli 2018, 14:28

Leider waren diese Camps zumeist von Ausschreitungen begleitet. Das lässt sich vermutlich nicht vermeiden, wenn man sich darüber informiert, welche Gruppen und Grüppchen sich da beteiligen.
Einige gehören zu der Szene, aus der sich auch Teile des "schwarzen Blockes" rekrutieren.
Vermutlich wird auch diesmal die schwarz - rote Fahne der Anarchie nicht weit sein.
Gert Flessing

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