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EKD braucht keinen Ostbeauftragten

Interview mit dem EKD-Ratsvorsitzenden und bayrischen Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm über die EKD-Ratsbesuche an zehn Orten in Ostdeutschland
Uwe Naumann
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Der EKD-Ratsvorsitzende und bayrische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm. © elkb/rost

Herr Bedford-Strohm, 30 Jahre nach der Friedlichen Revolution hat sich der Rat der EKD entschlossen, den Osten näher unter die Lupe zu nehmen. Warum so spät?
Heinrich Bedford-Strohm: Das ist ja nicht das erste Mal, dass der Rat der EKD in den Osten geht. Das passiert natürlich die ganze Zeit.

Aber Sie machen jetzt eine Extra-Besuchsreise.
Heinrich Bedford-Strohm: Wir machen das jetzt zusätzlich, 30 Jahre nach der Wende, auch um zu verstehen, wo Deutschland und auch die Kirche sich im Moment befinden. Um darüber ins Gespräch zu kommen. Wir denken darüber seit 30 Jahren nach. Aber ich spüre, dass vieles noch nicht aufgearbeitet ist. Es gibt noch mehr Gesprächsbedarf, als ich gedacht hätte. Deshalb wollen wir das Gespräch intensivieren.

Was muss denn konkret noch aufgearbeitet werden?
Heinrich Bedford-Strohm: Ich spüre in Gesprächen, die ich geführt habe, dass die spezielle Erfahrung der Menschen in Ostdeutschland im Hinblick auf die Vereinigung der Kirche noch nicht genügend gehört worden ist. Denn die Kirche, wie sie sich in Gesamtdeutschland aufgestellt hat, ist sehr stark geprägt von den westlichen Regelungen: Militärseelsorge, öffentlicher Religionsunterricht, Kirchensteuer. Das hat auch alles einen guten Sinn. Trotzdem höre ich in den Gesprächen, dass Menschen, die damals auch beteiligt waren, zum Ausdruck bringen, dass alles viel zu schnell gegangen ist und die ostdeutsche Erfahrung nicht genügend einbezogen worden ist. Das macht mich neugierig und dem möchte ich mehr nachgehen.

Was können Sie aus diesen Erfahrungen lernen und verändern?
Heinrich Bedford-Strohm: Ich habe heute Abend in Bautzen gehört, dass die Menschen sehr stark die Befreiung und Dankbarkeit betont haben. Ich habe aber auch schon andere Stimmen gehört, die eher betont haben, was falsch gelaufen ist.

Wenn der EKD-Rat feststellt, es mangelt ihm an Ostbiografien und an Erfahrungen aus dem Osten: Braucht die EKD vielleicht einen Ostbeauftragten?
Heinrich Bedford-Strohm: Ich glaube nicht, dass das Thema mit einer Beauftragung zu lösen ist. Das liegt tiefer. Und ich sehe jetzt auch viel Bewegung. Ich freue mich sehr, dass Friedrich Kramer sein Amt als Landesbischof angetreten hat. Er ist eine starke Stimme, ich durfte ihn ja mit einführen. Ich bin sehr dankbar für das, was er schon jetzt gesagt hat. Insofern wird er einer derjenigen sein, die diese Perspektive sehr beherzt in die kirchenleitenden Gremien einbringen werden.

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