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Gott in der Natur erleben

Pfarrer Henning Olschowsky geht in Mutzschen mit Jugendlichen ungewöhnliche Wege
Thomas Barth
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Pfarrer Henning Olschowsky Walk away
Pfarrer Henning Olschowsky schickt jungen Menschen in die Natur: allein, fastend und ohne Handy bleiben sie 24 Stunden im Wald. Dabei sollen sie Gott und ihren eigenen Weg finden. © Thomas Barth

Bekommt man von einem kirchlichen Amtsträger ein Schreiben, das mit »Pfarrer und Visionssucheleiter« unterzeichnet ist, wird man etwas stutzig. So steht es unter einer Einladung von Henning Olschowsky, der Pfarrer in Mutzschen ist. In heutigen Zeiten, wo man nach einem geflügelten Wort besser zum Arzt gehen soll, wenn man Visionen hat, ist das durchaus ungewöhnlich. Doch Henning Olschowsky sieht das anders. »Ich bin tatsächlich Jugendvisionssucheleiter und habe dafür in Bayern eine dreijährige Ausbildung gemacht«, erklärt er. »Viele Jahre war ich als Jugendpfarrer tätig und habe gemerkt, dass die klassischen Rituale, die wir in der Kirche anzubieten haben, mit dem Leben der Jugendlichen wenig zu tun haben.«

Ein Konfirmationsgottesdienst sei eine tolle Sache, aber berühre die Konfirmanden nicht unbedingt. Deshalb habe er ein Ritual namens »Walk away« (Deutsch: Fortgehen) entwickelt. Konfirmanden, aber auch Jugendliche, die der Kirche fern stehen, verbringen dabei mehrere Tage im Mutzschener Pfarrgelände und im Naturschutzgebiet Wermsdorfer Forst. Im Mittelpunkt steht dabei eine Zeit von 24 Stunden, die die jungen Menschen allein, fastend und ohne Handy in der Natur bleiben. »Der Aufenthalt in der Natur hat einen bestätigenden, reinigenden und grundierenden Charakter«, sagt Henning Olschowsky dazu, »man kann seinen Ängsten und Fragen nicht mehr ausweichen«.

Doch was hat das mit Kirche und Glauben zu tun? Dazu berichtet er von seinen eigenen Erfahrungen, die er auf einer zwölftägigen Visionssuche in Weißrussland gemacht hat. »Damals war ich vier Tage allein in der Natur. Nach drei Tagen fiel die zivilisatorische Hülle ab. Du riechst anders, die Tiere nehmen dich anders wahr, du spürst, dass du ein Teil der Natur und der Schöpfung bist«. Die dabei aufkommenden Fragen »Wer bin ich? Wer will ich sein? Was sind die näch­sten Schritte in meinem Leben?« seien zentral für jeden Menschen.

Bei »Walk away« gehe es darum, diese ernst zu nehmen, aber auch darum, die jungen Menschen an ihre Grenzen zu führen. Doch den Ansatz sieht der Pfarrer durchaus in einem größeren Zusammenhang. »Es geht darum, die Kirche sinnlicher zu gestalten. Das Alleinsein in der Natur ist eine Urerfahrung, von der in der Bibel oft die Rede ist. Jesus, Mönche und Eremiten haben sich zurückgezogen, um sich klar darüber zu werden, was Gott von ihnen will«.

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