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Kirchgemeinden empört über Kaufhausbesitzer

In Görlitz gibt es nach fremdenfeindlichen Äußerungen eines Unternehmers kirchlichen Protest
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Die evangelischen Kirchgemeinden der Görlitzer Innenstadt laden am Sonnabend zu einer Adventsandacht in die Frauenkirche unter dem Motto »Barmherzigkeit ist kein Märchen« ein. Damit reagieren sie auf die fremdenfeindlichen Äußerungen des Unternehmers Winfried Stöcker (67), der in Görlitz das Jugendstilkaufhaus gekauft hatte, um es nach Jahren des Leerstandes wiederzubeleben.

Stöcker hatte ein Benefizkonzert für Flüchtlinge in seinem Kaufhaus untersagt. In einem Interview mit der »Sächsischen Zeitung« hatte er zur Begründung gesagt: Er wolle den Missbrauch des Asylrechtes nicht unterstützen. »So viele ausländische Flüchtlinge sind mir nicht willkommen«, sagte Stöcker.

Wie die Gemeinden am Freitag in Görlitz mitteilten, könnten sie den in den Äußerungen »deutlich werdenden Geist der Abgrenzung und zynischen Herablassung auf Fremde und Flüchtlinge nicht hinnehmen«. Sie seien »enttäuscht darüber, dass das von vielen in der Nachbarschaft der Frauenkirche begrüßte Kaufhaus-Projekt mit einer solchen Haltung verbunden ist.« Auch der Görlitzer Oberbürgermeister Siegfried Deinege (parteilos) distanzierte sich inzwischen von den Aussagen des Unternehmers.

Mit der Andacht wenden sich die Christen auch gegen die Absage Stöckers zum bevorstehenden Fest. »Die Art und Weise, in der die christliche Weihnachtsbotschaft von Herrn Stöcker lächerlich gemacht wird, kann nicht unwidersprochen bleiben«, hieß es. Stöcker hatte geäußert, Weihnachten sei »Firlefanz«, das mit der Krippe sei »doch nur ein Märchen ohne jeden historischen Hintergrund«.

Nach eigenen Aussagen beschäftigt Stöcker in seinem international tätigen Unternehmen Menschen aus etwa 50 Ländern. Zu den deutschen Niederlassungen gehörten Arbeiter aus mehreren Dutzend Ländern. Aber sie hätten »kein Recht, sich in Deutschland festzusetzen«, hatte die Zeitung den Unternehmer zitiert.

Das Benefizkonzert soll nun am Samstag unter dem Motto »Jetzt erst recht« auf dem Görlitzer Christkindelmarkt stattfinden. Die Adventsandacht in der Görlitzer Frauenkirche findet am Samstag, 20. Dezember, 18.30 Uhr, statt. Das Benefizkonzert beginnt 20 Uhr. (epd)

 

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12 Lesermeinungen zu Kirchgemeinden empört über Kaufhausbesitzer
Gert Flessing schreibt:
19. Dezember 2014, 22:10

Eines der Probleme unserer Zeit und unseres Landes ist die Gottlosigkeit, wie sie auch bei Herrn Stöcker deutlich wird. Nun frage ich mich, was haben wir, als Kirche, getan, der Meinung, es wäre Firlefanz und ein Märchen ohne historischen Hintergrund, entgegen zu treten?
Wenn wir alles, was Grundlage christlichen Glaubens ist, relativieren und zur Legende erklären, spielen wir solchen Leuten in die Hände. Von der Verachtung für Gottes Heilshandeln , zur Verachtung des Mitmenschen, ist es nur ein kleiner Schritt.
Gert Flessing

Beobachter schreibt:
19. Dezember 2014, 23:33

Lieber Gert,
wie Du ja auch in anderen Trödts des "Sonntags" miterlebt hast, ist es ja heute fast normal. daß soetwas verbreitet wird. Wen man da an die vielen offiziellen Äußerungen und schirftlichen Darlegungen unserer evangelischen "KIrchenleiter", besonders der "Leiterinnen" denkt, wie soll da noch anderes, biblisch fundiertes, Gedankengut, das 2einfache" Volk erreichen?
P.S. Was der Mann da macht ist natürlich erstmal kaum nachzuvollziehen! Vielleicht will aber auch einfach nur provozieren und aufrütteln?

Pit van Oyten schreibt:
21. Dezember 2014, 12:18

»Barmherzigkeit ist kein Märchen«

Barmherzigkeit, die sich bezahlen läßt ist keine Barmherzigkeit sondern Geschäft. Die kirchlichen karitativen Konzerne, die massiv an der Heimunterbringung der Flüchtlinge verdienen, handeln nicht aus barmherzigen Motiven. Es wird ja kein einziger Euro eigenes Geld ausgegeben. Es ist der Staat der die "Barmherzigkeit" bezahlt.

Der Lübecker Kaufmann ist einfach nur eine ehrliche Haut und ein bischen naiv. Er sollte es wie die zynischen Heuchler machen: Selber leerstehende Kasernen in Flüchtlingsheime umwandeln und sich dumm und dämlich verdienen und dann auch noch als barmherziger Samariter feiern lassen.

Gert Flessing schreibt:
21. Dezember 2014, 16:36

Jemand, dem "so viele ausländische Flüchtlinge" nicht willkommen sind, ist also eine ehrliche Haut. Na ja. Wird er wohl. Freilich greift er nicht die Diakonie an und nicht die Kirche, sondern das Christfest. Er nennt es Firlefanz. Nun, wer ein Kaufhaus betreibt, verdient ja eh genügend an diesem "Firlefanz". Wie käme er dazu, seinen Verdienst durch Wohltätigkeit schmälern zu lassen. Aber vielleicht ist der ehrbare Lübecker Kaufmann bei sich, in Lübeck ganz anders und die Sau lässt er nur hier, "im Osten" raus.
Ich hoffe, dass viele Menschen zu dem Konzert auf dem Görlitzer Christkindelmarkt gewesen sind und nicht in seinem Kaufhaus.
Gert Flessing

Beobachter schreibt:
21. Dezember 2014, 17:09

Lieber Gert,
1. Freilich ist er ehrlich!
2. Beshreibt er das als Firlefanz, was aus dem Christfest gemacht wurde!
3. Neidisch, daß der Mann in dem wieder zurechtgemachten Kaufhaus Geld investierte, Arbeits plätze schuf und , ja, auch Geld verdient?
4. Woher weißt Du, daß der Mann nicht mildtätig ist?
5. Auf jeden Fall, zugegebnermaßen sehr drstisch, zum Nachdenken angeregt!
6. "Kauft nicht bei Juden"? Das mußt Du schon jedem selbst überlassen!

Beobachter schreibt:
21. Dezember 2014, 17:29
Beobachter schreibt:
21. Dezember 2014, 17:30

Offenbar ist das Kaufhaus noch gar nicht auf! Was soll jetzt schon die Hetze?

Beobachter schreibt:
22. Dezember 2014, 17:08
L.S. schreibt:
29. Dezember 2014, 17:55

Meine Frage ist, was die Kirchgemeinde zu diesen Video sagt:
https://www.youtube.com/watch?v=8EyBMDabBtA

Beobachter schreibt:
29. Dezember 2014, 18:15

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