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»Wir lernen mit dem Coronavirus zu leben«

Leipziger Virologe und Christ Uwe Gerd Liebert hält Besuche bei Älteren für wichtig, aber ohne sie und sich selbst zu gefährden. Beängstigende Lage werde sich wieder entspannen.
Uwe Naumann
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Uwe Gerd Liebert ist Direktor des Instituts für Virologie der Uniklinik Leipzig
Prof. Dr. Uwe Gerd Liebert ist Direktor des Instituts für Virologie der Uniklinik Leipzig. © privat

Der Direktor des Instituts für Virologie der Uniklinik Leipzig ist nicht nur Corona-Experte, sondern auch Vorsitzender des Sozialethischen Ausschusses der 27. Landessynode. Die Fragen wurden ihm vergangene Woche geschickt, bevor die Schulen geschlossen und alle Veranstaltungen verboten wurden. In dieser Woche konnte er darauf antworten und sieht "vernünftige Gründe anzunehmen, dass die gegenwärtige beängstigende Lage sich wieder entspannt".

Herr Liebert, Gottesdienste und Abendmahl bergen eine Ansteckungsgefahr für das Corona-Virus. Wann sollten wir darauf verzichten? Oder sollten wir sie nur anders feiern?
Uwe Gerd Liebert: Mit der Absage von Gottesdiensten und kirchgemeindlichen Veranstaltungen folgt die Landeskirche offensichtlich schweren Herzens den Vorgaben aus dem politischen Raum. Die Regierungen sind dazu von Fachleuten überzeugend beraten worden. Wir haben allen Grund uns vorbehaltlos und selbstverständlich anzuschließen.

Ältere und vorerkrankte Menschen zählen zu den Risikogruppen beim Corona-Virus. Sollte auf Besuche dieser Menschen verzichtet werden, vielleicht über Wochen und Monate? Oder müssen wir lernen, mit der Gefahr umzugehen?
Es gibt derzeit keine Ansagen, dass Besuchsdienste verboten  wären oder davon abzuraten würde. Besuche sind vielmehr wichtig und für das Wohlbefinden der Älteren hilfreich. Jeder, der solche Besuche durchführt wird aber gut beraten sein, sich selbst und die Besuchten nicht zu gefährden.

Das Virus unterbricht für alle Menschen den normalen Lebensrhythmus, sei es durch Schulschließungen, Absagen von Veranstaltungen oder direkte Betroffenheit. Sehen Sie als Christ in dieser Unterbrechung auch eine Chance, gerade in der Passionszeit?
Mir erscheint es beinahe zynisch, eine Krise als eine Chance zu bezeichnen. Für Unterbrechungen des gewohnten Lebensrhythmus in der Passionszeit braucht es keine Krisen oder Katastrophen.

Corona breitet sich immer weiter aus, Maßnahmen werden verschärft. Was können Sie als Virologe in dieser Situation Hoffnungsvolles sagen?
Auch Virologen sind keine Hellseher. Es gibt jedoch vernünftige Gründe anzunehmen, dass die gegenwärtige beängstigende Lage sich wieder entspannt, dass wir lernen mit dem SARS-Coronavirus zu leben, dass sich wieder eine Normalität einstellt.

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