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Ich bin mehr als mein Zeugnis

Das Schuljahr ist zu Ende – eine Erlösung für von Druck und Ängsten geplagte Schüler. Jesus nahm Kinder an ohne den Blick auf ihre Leistungen. Doch an Sachsens Schulen ist das oft nur schwer umzusetzen.
Astrid Döge
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Endlich Ferien! Sechs Wochen ohne stundenlanges Sitzen in der Schule, ohne Hausaufgaben, Leistungskontrollen, Notendruck und Freizeitstress. So oder so ähnlich würden es viele ihrer Schüler sagen, meint Lehrerin Sabine Pohl (Name geändert) aus Sachsen. Ferien zu haben, ist für Schüler unglaublich wichtig, so die 46-Jährige. Denn der Schulalltag ist hart. Zur täglichen Belastung kommt die Frage hinzu: Was kann ich? Wer bin ich? Kann ich mithalten?

Jesus hat einen anderen Blick auf Kinder. Für ihn sind sie keine unfertigen Geschöpfe, die immer noch mehr leisten und können müssen. Für ihn sind sie wunderbar so, wie sie sind.

In einer Gesellschaft, die noch nichts von Förderspielzeug und frühkindlicher Bildung wusste, in der die Kindheit noch nicht entdeckt war, hob Jesus die Bedeutung der Kinder hervor: »Lasset die Kinder zu mir kommen …«, sagte er. »Wer nicht das Reich Gottes annimmt, wie ein Kind, der wird nicht hineinkommen.«

Jesus liebt und achtet die Kinder. Doch wie ist das heute in unseren Schulen? Statt sich geliebt und angenommen zu fühlen, stehen bei vielen Schülern Leistungsdruck und Versagensängste im Vordergrund, so das Ergebnis der DAK-Langzeitstudie vom April 2014.

Die Ursache hierfür sieht Professor Christian Kahrs von der Evangelischen Hochschule in Moritzburg im dreigliedrigen Schulsystem. Durch die Abstiegsgefahr könnten sich die jungen Menschen nicht frei entfalten und eigenständiges Denken entwickeln. Stattdessen seien sie stets darum bemüht, Anforderungen gerecht zu werden. Kahrs plädiert für die Gesamtschule und für ein gemeinsames Lernen bis Klasse acht oder neun.

»Jedem Menschen steht das Recht zu, an einem Bildungswesen teilzuhaben, was ihn von seinen Möglichkeiten her fördert und erlaubt, sich individuell zu entwickeln«, so der Religionspädagoge. Schließlich bezeugt die Schöpfungsgeschichte der Bibel, dass Gott jeden Menschen zu seinem Ebenbild erschaffen hat – als einzigartiges und wertvolles Geschöpf.

Dies gilt auch für alle Unmündigen. »Kinder sind nicht als unfertige Erwachsene anzusehen, die auf die Welt der Großen vorbereitet werden müssen. Ihre Perspektive auf die Wirklichkeit ist genauso gerecht und richtig wie meine erwachsene«, gibt Kahrs zu bedenken. Lehrer sollten deshalb niemals auf die Frage eines Schülers antworten: »Dafür bist du noch zu klein, das erkläre ich dir später.« Nimmt man stattdessen den Schüler mit seinem Anliegen ernst, signalisiere man ihm, dass er als Mensch mit seinen Stärken und Schwächen angenommen ist.

Viele Lehrer in Sachsen sind durchaus bemüht, dies zu tun. »Ich erlebe mich jedoch immer wieder als begrenztes Geschöpf«, gibt Sabine Pohl ehrlich zu. Durch den Lehrermangel in Sachsen und die im Gegenzug dazu steigenden Schülerzahlen mussten in den letzten Jahren vielerorts Klassen zusammengelegt werden – die Klassengröße wuchs. Sich mit jedem Schüler individuell auseinanderzusetzen, ist unter diesen Voraussetzungen schwer möglich.

Ob sich im kommenden Schuljahr daran etwas ändern wird, bleibt fraglich. Laut Sächsischer Bildungsagentur werden 775 neue Lehrer eingestellt, allerdings gehen 540 zum 31. Juli in den Ruhestand.

»Bildung und das Recht aller auf Teilhabe an ihr, also Inklusion, müssen von der Politik in den Vordergrund gestellt werden«, so Professor Kahrs. Damit den Schülern vermittelt wird: »Es geht nicht um Leistung oder darum, bestimmte Ziele zu erreichen, sondern um mich als Mensch – und darum, dass ich meine Möglichkeiten bestmöglich ausschöpfen kann.«

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