Weihnachten auf der Flucht

Während Sachsen auf eine weiße Weihnacht hofft, fürchten die christlichen Flüchtlinge im Irak und in Syrien die Kälte des Winters. Sie fliehen vor Krieg und Gewalt.
Andreas Roth
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Eine Christin aus einem Dorf nahe der irakischen Stadt Mossul vor dem Altar der Mor-Schmony-Kirche in Erbil – nur dort fand sie Zuflucht vor dem IS-Terror. © Christophe Petit Tesson/picture alliance

Die St. Ephrem-Kathedrale ist ein stolzer, sandfarbener Kuppelbau. Kurz nachdem die Terrormilizen des »Islamischen Staates« (IS) das irakische Mossul Ende Juni überfallen hatte, rissen die Islamisten das Kreuz von der syrisch-orthodoxen Kirche und machten sie zum Sitz des regionalen Mujaheddin-Rates – jetzt sollen sie das christliche Gotteshaus nach Informationen des päpstlichen Nachrichtendienstes Fides gar in eine Moschee umgewandelt haben. Christen dürfte es dort ohnehin nicht mehr geben.

»Die Christen im Irak haben einen tödlichen Schlag erhalten«, schreibt Patriarch Louis Raphael Sako, der Vorsitzende der chaldäisch-katholischen Bischofskonferenz im Irak, nach den Angriffen des IS. 120 000 christliche Flüchtlinge aus der Gegend um Mossul zählt die chaldäische Kirche im nord­irakischen Kurdengebiet, unter ihnen viele Kinder. Es sind die Erben des biblischen Ninives, eine der ältesten christlichen Gemeinden der Welt.

Auch viele Muslime sind Opfer des »Islamischen Staates«. In seinem Zentrum, der syrischen Stadt Raqqa, harren nach Informationen des arabischen Nachrichtenportals ankawa.com noch 25 christliche Familien aus. Es sind armenische Christen, die zu arm oder zu krank seien für eine Flucht – und nun Schutzgeld an die Islamisten in Höhe von 535 US-Dollar zahlen müssten. Das Eigentum von Christen hatte der IS schon vorher beschlagnahmt, christliche Bücher ließ er verbrennen.

Auch in den nicht von Islamisten besetzten Teilen Syriens regiert im vierten Jahr der Krieg. Die friedliche Revolution beantwortet die Assad-Diktatur mit Gewalt, die das ganze Land in einen Strudel zieht und sich festfrisst. »Früher hatten wir Projekte für einen Kindergarten oder eine Schule, jetzt planen wir die Vergrößerung des christlichen Friedhofs«, sagt der maronitische Erzbischof von Damaskus, Samir Nassar, dem Hilfswerk »Kirche in Not«.

Über 200 000 Menschen sind bisher im syrischen Bürgerkrieg gestorben, schätzungsweise mehr als ein Viertel der Christen soll dem Land den Rücken gekehrt haben. Die Kirchen, denen verschiedentlich Nähe zum Regime vorgeworfen wird, versuchen ganz praktisch die Not zu lindern. »Es gibt eine Rückkehr zum Glauben«, sagt der Erzbischof von Damaskus. »Die Menschen haben ja auch nichts mehr als den Glauben. Man ist in einer Sackgasse und wartet auf den Tod.«

Die irakischen Bischöfe forderten auf einem Treffen im November die Befreiung der Ninive-Ebene um Mossul von der Herrschaft des »Islamischen Staates«. »Wir haben nicht nur ein Eingreifen der Zentralregierung in Bagdad und der Kurden gefordert, sondern auch der internationalen Gemeinschaft«, sagte danach der Weihbischof von Bagdad, Shlemon Warduni. Von Bagdad, den Kurden und der Welt indes fühlen sich die irakischen Christen allein gelassen.

Jetzt bricht der Winter für die oft in Zelten lebenden Flüchtlinge im Irak und in Syrien an. Christliche Hilfswerke wie »Kirche in Not« und »Open Doors« errichten Wohncontainer, bezahlen Wohnungen und Öfen, schicken Decken und Essenpakete, errichten Schulen – und sammeln Geld für Weihnachtsgeschenke an die Kinder.

Auch der Lutherische Weltbund hat ein Hilfsprogramm für die irakischen Flüchtlinge begonnen. Die Initiative dafür kam aus der bayerischen Landeskirche, die eine halbe Million Euro spendete. Die sächsische Landeskirche gibt 20 000 Euro. Bayerns Landesbischof, der neue EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm, hatte sich schon im September in vorderster Frontlinie ein Bild von der Bedrohung der Christen durch den IS-Terror im Nordirak gemacht.

In dem christlichen Dorf Telkaif hatte seine Landeskirche vor wenigen Jahren einen Kindergarten mit aufgebaut. Dort weht nun die schwarze Fahne der IS-Terroristen auf der Kirche.

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8 Lesermeinungen zu Weihnachten auf der Flucht
Gert Flessing schreibt:
10. Dezember 2014, 20:44

Lieber Herr Roth, ein sehr guter Artikel. Ja, wachsen können nur die christlichen Friedhöfe. Christenverfolgung ist dort, wo der Islamische Staat herrscht, an der Tagesordnung. Für die christlichen Familien, die vor diesem Terror fliehen, sollten wir unsere Augen, unsere Herzen und auch unser Land nicht verschließen wollen. Ich denke, dass auch wir, als Gemeinde, "Kirche in Not" unterstützen werden.
Doch der Artikel führt mich zu einer grundlegenden Frage. Ist das, was IS praktiziert nun eine Entartung des Islam oder ist hier das zu sehen, was, mit einigen Verzerrungen, das Herzstück dieser religiösen Ideologie ist?
Wenn ich in die Geschichte des Islam schaue, so sehe ich, wie kurz nach dem Tode des Propheten diese Religion in einigen Jahrzehnten das Christentum im gesamten vorderen Orient und Nordafrika überwunden hat. 638 fiel Jerusalem und 641 ging Ägypten verloren. einst wurde die größte Kirche der Christenheit, die Hagia Sophia zur Moschee, heute ist es die St. Ephrem Kathedrale in Mossul. Man reißt das Kreuz runter, das war´s.
Wenn man die Macht hat, kann man so handeln.
Die Christen dort beklagen, zu Recht, dass ihr Leiden etwas zu sein scheint, dass nur wenige Menschen in der westlichen Welt aufregt.
Was Christen, die von dort zu uns kommen, berichten, kann erschüttern. Sie mussten etwas erfahren und erleiden, was wir für vormittelalterlich halten möchten und was in uns Abwehrreaktionen hervorruft. DAS kann nicht der wahre Islam sein! Da muss doch was schief laufen!
Haben wir nicht unsere blutrünstige Phase, unser "Gott will es" überwunden? Wie kann das dort wieder aufbrechen?
Es kann! Es kann das, weil das Potential dazu vorhanden ist, nicht zuletzt in dem Buch des Propheten und seinen Lehren, wie sie in den Hadithen zu finden sind.
Was können wir tun?
Wir können zunächst einmal mit den Christen, die dort leiden, unsere Solidarität bekunden. Sie dürfen das von uns, als Kirche, erwarten.
Wir können unseren eigenen Glauben, unser Vertrauen in Gott und sein Wort stärken. Wir können sein Wort in die Mitte rücken und uns zu Jesus, als dem Herrn des Lebens und unserem Erlöser, bekennen. Es ist eben nicht gleich, in welchem Buch wir lesen. Gottes Wort begegnet uns in der Heiligen Schrift, dem Alten und dem Neuen Testament.
Wir können Menschen, die hier her kommen, Mut machen, sich Jesus anzuvertrauen. In ihm werden sie Frieden finden für ihre verletzten Seelen. Diesen Frieden können wir mit ihnen gemeinsam leben.
Es ist Sache der Weltgemeinschaft, gegen jene vorzugehen, die Kreuze von Kirchen reißen.
Aber wir können immer wieder darauf hinweisen, wie notwendig es ist, hier, um der Menschen willen, zu handeln.
Gert Flessing

Beobachter schreibt:
11. Dezember 2014, 10:37

Lieber Gert,
genau das ist es doch das Herzstück dieser "Religion", " weil das Potential dazu vorhanden ist, nicht zuletzt in dem Buch des Propheten und seinen Lehren, wie sie in den Hadithen zu finden sind.! So zeigt der wahre Islam sein gesicht, spätestens, wenn man die Macht hat. Bis dahin ist Täuschung erlaubt und befohlen!

Beobachter schreibt:
11. Dezember 2014, 11:48

Ein wenig Aufklärung gefällig?
Leserkommentare lesen:
http://www.idea.de/nachrichten/detail/thema-des-tages/artikel/ist-in-deu...

L.S. schreibt:
15. Dezember 2014, 15:40

Beobachter, was soll der Link, mit der Islamisierung. Hier in Ostdeutschland ist die große Mehrheit gottlos (atheistisch) und die wird auch nicht an einen Allah glauben.

Beobachter schreibt:
15. Dezember 2014, 18:03

Lieber Herr Schuster,
Ihr Wunschdenken in Gottes Ohr! Vielleicht noch auf dem Dorf?
Wie lange noch? Im "Westen" sieht es da schon ganz anders aus!

L.S. schreibt:
16. Dezember 2014, 16:08

Nur knapp jeder zweite Deutsche kann das Vaterunser auswendig, in Ostdeutschland dürften es mittlerweile nur noch 20 % sein und dieses ist für mich schlimmer als wenn man in Deutschland Moschen errichtet.

Viellicht schaffen es irgendwie unsere Kirchen und Politiker, dass dieses Gebet als Allgemeinbildung in der Schule gelernt werden muss (also außerhalb des Religionsunterricht - wo ja nur 20 % gehen), z.B. in einen Pflichtfach Ethik & Religion (was es in Berlin gibt), wo schon dadurch das Abendland nicht untergehen kann.

Ansonsten muss ich aber Ihren Pessimismus etwas teilen, nur bin ich es nicht wegen dem Islam, sondern wegen uns selbst.
Vielleicht wachen aber durch die Demos die Politiker auf verhelfen
allen (!) Kindern zu mehr Bildung (inklusive das Vaterunser kennen), kostenlose Schulspeisung, Bus, Bücher nun für alle.

Beobachter schreibt:
16. Dezember 2014, 17:56

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