Schwarze Fahne statt Kreuz

Unter dem Terror des Islamischen Staates leiden tausende Christen. Die Kirchen sehen einen Ausweg nur in Versöhnung – und reichen Muslimen die Hand.
Andreas Roth
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Die Märtyrer-Kirche in Rakka, der Hauptstadt des IS-Kalifats, wurde von den Islamisten schon im September 2013 mit deren Flagge gekrönt – das Kreuz wurde vorher abgenommen. © Reuters

Das ist eine der jüngsten Nachrichten aus dem Islamischen Staat: Die Kuppel der altehrwürdigen St. Josephs-Kirche in der Altstadt von Mossul sei schwarz angestrichen worden, berichten Augenzeugen dem arabischen Nachrichtenportal ankawa.com. Das chaldäische Gotteshaus solle künftig den Namen eines getöteten IS-Kommandanten tragen und als Moschee dienen.

Es ist überaus schwierig, verlässliche Informationen aus dem Terrorregime des selbsternannten Islamischen Staates (IS) zu erhalten. Örtliche Nachrichtenseiten im Internet wie ankawa.com sowie die im Orient reich verzweigten Informationskanäle der katholischen Kirche geben Einblicke in die Lage der Christen dort.

Fakt ist: So gut wie alle der über 50 000 Katholiken in der im Juni letzten Jahres eroberten Region Mossul wurden vertrieben – so wie fast sämtliche Christen in den von den Islamisten beherrschten Gebieten Syriens und des Iraks. Die meisten nach Kurdistan, tausende in den Libanon oder nach Jordanien. Und fast immer in elende Lager unter einem sengend heißen Himmel.

Ihre einzige Hoffnung: Dass die irakische Regierung mit ihrer im Frühjahr begonnenen und von US-Bombern unterstützen Offensive gegen den IS auch die Ninive-Ebene samt Mossul erreicht. Doch der Irak ist vom Machtkampf zwischen Sunniten und Schiiten mit ihrer Schutzmacht Iran im Rücken zerrissen. Auf der syrischen Seite der Grenze gelang es von amerikanischen Flugzeugen unterstützten Kurden- und Christen-Milizen Ende Mai, 30 christliche Dörfer entlang des Flusses Khabur vom IS zu befreien. Ihre assyrischen Bewohner fanden nach ihrer Rückkehr verwüstete Kirchen, zerstörte Kreuze und anti-christliche Schriften an Mauern. Von 230 entführten Glaubensgenossen fehlte jede Spur. Ende Juni schlug der IS zurück und eroberte Teile der nahen syrischen Stadt Hassakè. 4000 christliche Familien mussten nach Angaben des syrisch-katholischen Erzbischofs Hindo fliehen.

So geht es hin und her. Ein Frieden scheint unerreichbar weit entfernt. Im Strudel der zum Krieg gewordenen Revolution in Syrien suchte die traditionell Regime-unkritische orthodoxe Synode am 11. Juni das Gespräch mit Präsident Bashar al-Assad und dessen Nähe. Zwei Tage zuvor hatten die fünf Patriarchen von Antiochien eine »politische Lösung« sowie eine internationale Unterstützung beim Kampf gegen den IS gefordert. Assad lässt weiter bomben und foltern, es trifft Muslime wie Christen – für die Kirchen ist er das kleinere Übel.

Zu Beginn des muslimischen Fasten­monats Ramadan wandte sich der chaldäische Patriarch Louis Raphael I. an seine »muslimischen Brüder und Schwestern mit aufrichtigsten Glückwünschen in der Hoffnung, dass Gott sie mit reichem Segen beschenken wird und unser geliebtes Land beschützen möge«. Nur eine nationale Aussöhnung werde die Tragödie eines ganzen Volkes beenden, schrieb der irakische Primas der chaldäischen Kirche zum Jahrestag der Eroberung Mossuls durch den IS. Die Konflikte dürften nicht länger mit religiösen Gründen motiviert werden, damit Kinder nicht mehr »wegen Hunger, Durst oder fehlender Medikamente sterben müssen«.

Als Ende Mai der katholische Pater Jacques Mourad in Syrien wahrscheinlich von Islamisten entführt wurde, versuchten muslimische Dorfoberhäupter und Clan-Chefs nach Angaben des Vatikans ihn freizubekommen. Sie schätzen sein Engagement für den Dialog zwischen Christen und Muslimen – und seine ganz praktische Hilfe ohne Ansehen der Religion und des Stammes. Der Pater bleibt verschollen. Ein Kampf zwischen Muslimen und Christen aber scheint zumindest in seinem Dorf auszufallen.

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15 Lesermeinungen zu Schwarze Fahne statt Kreuz
Britta schreibt:
23. Juli 2015, 8:18

"Mit der Ausrede der Bootsflüchtlinge islamisieren sie uns" Dem ist nichtshinzuzufügen.
http://www.katholisches.info/2014/08/25/appell-an-christen-und-europaeer...

Gert Flessing schreibt:
23. Juli 2015, 19:09

Christen haben Angst. Nicht zu Unrecht, wie ich denke. Unzählige sind schon Opfer des islamistischen Terrors geworden. Schwarze IS Fahnen über altehrwürdigen Kirchen haben da schon Symbolkraft.
Nun versuchen chaldäische Christen, den Weg der Versöhnung zu gehen. Ja, sie sprechen ihren Feinden den Segen zu. Sie machen damit das, was Jesus erwartet.
Ob diejenigen, denen sie da Glück und Segen wünschen, die hingehaltene Hand des Friedens annehmen werden?
Ich wage es, das zu bezweifeln.
Gert Flessing

Beobachter schreibt:
23. Juli 2015, 19:35

Ich auch! Dann würden sie gegen den Koran handeln!

Britta schreibt:
24. Juli 2015, 14:25

Wer diese Gefahr relativiert, macht sich schuldig an seinen Kindern und Kindeskindern (so er überhaupt welche hat): http://www.gmx.net/magazine/politik/Kampf-Islamischer-Staat-IS/greift-is...
Nicht zu vergessen: eine rotgrüne Bundesregierung griff damals (erstmals militärisch nach dem 2. WK) im ehemaligen Jugoslawien ein und unterstützte mit dem Eingreifen Muslime, die wiederum von den Mudjaheddin unterstützt wurden (s. auch o.g. link)

Hans schreibt:
27. Juli 2015, 9:18

Es ist einfach nur noch widerlich, wie Kirchen den Muslimen immer und immer wieder die Hand reichen wollen und versuchen, Gespräche mit ihnen zu führen. Sind denn alle Blöd, Blind und Taub? Wann begreifen diese Menschen endlich das mit Steinzeit-Ideologen und Barbaren keine Gespräche möglich sind? Wie tief will man sich vor wilden Tieren noch im Staube wälzen? Es widert mich zutiefst an, so etwas immer wieder zu lesen.
Natürlich soll man das Gespräch dort suchen, wo es auf fruchtbaren Boden fallen könnte, aber doch nicht hier. Hat sich Jesus Christus bei seiner Kreuzigung vor den Römern erniedrigt und um Gnade gebettelt und das Gespräch gesucht? Oder vor denen, die ihn verrieten und ans Kreuz schlugen? Nein! ER behielt seinen Stolz und sagte nichts.
Wie können Menschen dermaßen beschränkt sein und immer wieder das Gespräch mit Bestien suchen? Was haben sie denn damit bisher erreicht?

Britta schreibt:
28. Juli 2015, 8:21

Von den notorischen Islambefürwortern hat sich garantiert noch keiner mit den aktuellen Rechtsgutachten beschäftigt, welche für sich sprechen und die absolute Inkompatibilität des Islam zu unserer Gesellschaft aufzeigen: http://www.islaminstitut.de/fatawa-archiv.39.0.html
Vom April diesen Jahres stammt bspw. ein Rechtsgutachten zur Belohnung mit 72 Jungfrauen für einen Märtyrertod - Big Gangbang für Terrorismus, einfach ekelhaft!
Unsere Nachkommen werden dankbar sein für alle Multikultibefürworter, denen sie ein Leben in einem bürgerkriegsgesxhüttelten, christenverfolgenden Kalifat verdanken werden. ob dann als Ausrede für mangelnden Widerstand gilt, daß man sich vor Nazivorwürfen gefürchtet hat? und sich einem ungebildeten AntiFamob gebeugt hat?

Herbert Wissmann schreibt:
28. Juli 2015, 10:58

Frau Britta, ich kenne Sie nicht, aber ich habe aufgehört, mich hier über Ihre Kommentare zu wundern. Ich kann mich nur noch ekeln. Woher Ihr tiefer Hass auf alles, was anders, fremd oder "ausländisch" ist?
Was müssen Sie abwehren, verdrängen, kompensieren, ausblenden, um diesen Hass zu leben? Ein "normal" denkender Mensch vermag sich damit auseinanderzusetzen oder eben nicht; bei Ihnen Hass und Menschenverachtung ausjeder Pore. Da fehltjede Empathie, jeder Wirklichkeitsbezug, jeder Realitätssinn. Fühlen Sie sich durch ein paar hundert Menschen in Not tatsächlich so existentiell bedroht, daß Sie ständig und überall den Untergang des Abendlandes befürchten?

Beobachter schreibt:
28. Juli 2015, 12:00

Manche wundern und ekeln sich solange, bis (ihre) Köpfe rollen!
" Da fehltjede Empathie, jeder Wirklichkeitsbezug, jeder Realitätssinn." Meinten Sie damit einen Herrn Wissmann?

Britta schreibt:
28. Juli 2015, 21:20

Sehr geehrter Herr....Wissmann,
ich laufe nicht im Rahmen von Toleranzsportereignissen mit T-Shirts rum, auf denen ich eindeutig den Haß auf mein selbstgewähltes Gastland zeige ("love sprots hate germany"). Das ist tiefer Haß, der sich in Ihrer Argumentation nicht wiederfindet, nicht der Verwis auf Fatwas, die schließlich nicht ich erfunden habe.
Die "paar hundert Menschen" sind allerdings dieses Jahr 450.000 Menschen, wesentlich mehr als etztes Jahr und wahrscheinlich wesentlich weniger als nächstes Jahr. Ein Großteil davon sind Muslime, womöglich auch Islamisten (damit wird uns doch ständig von dieser Seite gedroht). Es gab doch schon den Zwischenfall, daß Christen von ihren muslimischen Mitflüchtlingen über Bord geworfen wurden, das ist Haß!
Freundliche Grüße
Britta

Ralf M. schreibt:
28. Juli 2015, 13:37

@Britta
Danke für diesen Hinweis. Damit sollte eine sachliche Auseinandersetzung möglich sein. Ich gehe davon aus, dass jeder, der über dieses Thema debattiert, mindestens den Koran gelesen hat - Sie doch hoffentlich auch? Ihre Beiträge wären sogar richtig gut, wenn Sie sich nicht immer zu Polemiken wie "ungebildeten AntiFamob" hinreißen ließen.
Ralf

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