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Verstehst du, was du da isst?

Abendmahl: Was da geschieht, bleibt ein Geheimnis. Vielen Christen in Sachsen ist es heilig und sie entdecken Jesu Einladung neu – vielen anderen aber ist sie egal.
Andreas Roth
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Einer von euch wird mich verraten: Die erzgebirgische Art der Darstellung Jesu mit seinen Jüngern beim letzten Essen vor seiner Kreuzigung. Die Holzkunst »Das große Abendmahl« von Siegfried Werner aus Seiffen geht auf das berühmte Wandgemälde Leonardo da Vincis zurück. © Fotoatelier Herrmann Schmidt, Olbernhau/Verband Erzgebirgischer Kunsthandwerker und Spielzeughersteller e.V.

W ie ist das eigentlich genau mit Jesu Blut und Jesu Leib? Mit Hostie oder Brot, Wein oder Saft? Wer weiß das schon so genau? Den Handwerksmeister Thomas Pester aus dem Mülsengrund bei Zwickau hat das nie angefochten. »Es ist für mich eher eine Herzenssache, keine Kopfsache«, sagt der Unternehmer. »Da ist dieses kindliche Verständnis, beim Abendmahl Jesus ganz nah zu sein. Sein Segen wird hier für mich fühlbar.«

Innehalten, runterfahren, zur Ruhe kommen – auch das ist Abendmahl für Thomas Pester. »Und das Verbindende, dass die Menschen links und rechts neben mir genauso fühlen – selbst wenn man vorher Streit hatte.« In der Zwickauer Lutherkirchgemeinde hat er deshalb den Anstoß für eine ganz besondere Abendmahlsfeier gegeben. In der Arbeitswoche, an einem Montagabend pro Monat. Abendmahl pur. Der Titel ist Programm: »Auf.Tanken«.

Wenn in der Zwickauer Lutherkirche im Sonntagsgottesdienst Abendmahl gefeiert wird, sind die Runden vorm Altar groß. Mal kommen 150, mal 300. Es kommen Lutheraner und Katholiken und Pietisten und ehemalige Freikirchler. Sie alle bringen unterschiedliche Vorstellungen vom Abendmahl mit.

Die katholische Kirche legt Wert darauf, dass sich Brot und Wein im Abendmahl in den wahren Leib und das wahre Blut Chri­sti verwandeln. Für viele Freikirchen dagegen sind Brot und Wein nur Symbole zur Erinnerung an Jesu Opfertod – und zur Stärkung der Gemeinschaft. Das lutherische Augsburger Bekenntnis von 1530 wiederum lehrt, »dass wahrer Leib und Blut Christi wahrhaftiglich unter der Gestalt des Brotes und Weins im Abendmahl gegenwärtig sei«. »Ich habe es oft versucht, in verschiedenen Gemeindekreisen über die Theologie des Abendmahls zu diskutieren«, sagt der Pfarrer der Zwickauer Luthergemeinde, Jens Buschbeck. »Aber diese theologischen Spitzfindigkeiten gehen selbst wirklich intellektuellen Leuten völlig ab. Im Abendmahl steckt immer auch ein Stück Geheimnis. Ich glaube, den Menschen ist das etwas Heiliges.«

War vor Jahren noch das Abendmahl in vielen Gemeinden eine seltene, traurige und oft nur an den Gottesdienst angehängte Veranstaltung, hat sich das vielerorts gewandelt. Das Feiern wurde neu entdeckt, die Gemeinschaft, das Schöne am Tisch des Herrn. Die Diskussion um das Abendmahl mit Kindern in Sachsen trug dazu bei. 41 Menschen nehmen durchschnittlich an einer Abendmahlsfeier in der sächsischen Landeskirche teil – seit 2011 ist diese Zahl stabil. Angesichts sinkender Gemeindegliederzahlen lässt sich das sogar als Wachstum deuten.

Doch betrifft diese Zahl nur die Kerngemeinde. In der Breite der evangelischen Kirche sieht es ernüchternder aus. Im Sonntagsgottesdienst ist den meisten Protestanten eine gute Predigt und Sprache wichtig – aber nur 54 Prozent der ostdeutschen Evangelischen legten auch Wert auf das Abendmahl, sagt der Leipziger Religionssoziologe Gert Pickel mit Verweis auf die Kirchenmitgliedschaftsuntersuchung der EKD. Für nur 40 Prozent der ostdeutschen Protestanten gehöre das Abendmahl unbedingt zum Evangelisch-Sein. »Es ist für sie offensichtlich nicht unbedingt zwingend notwendig«, deutet der Leipziger Theologieprofessor Pickel dieses Ergebnis.

Bei Menschen, die neu zum Glauben kommen, beobachtet Pfarrer Jörg Sirrenberg aus Leipzig-Marienbrunn dagegen etwas anderes. »Sie erleben das Abendmahl so: Endlich gehöre ich mit dazu.« Nach seinen Erfahrungen in Bautzen und der Messestadt suchen Christen beim Abendmahl »nicht unbedingt Antworten auf komplizierte Fragen, sondern die Nähe des Lebendigen. Er will mit ihnen speisen und sie mit ihm.« Selbst aus der Kirche Ausgetretene, sagt Jörg Sirrenberg überrascht, fühlten sich eingeladen. Und wollen das Abendmahl mitfeiern.

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