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Oh mein Gott, Syrien!

Stefan Seidel
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Völlig aufgelöst wandte sich am Sonntag einer unserer Mitarbeiter an uns. Er kam gerade von einer befreundeten kurdisch-syrischen Familie in der Nachbarschaft. Sie hatten schreckliche Nachrichten aus ihrem Heimatdorf in der Nähe der nordsyrischen Stadt Afrin erhalten. Die türkischen Angriffe haben dort Todesopfer gefordert – darunter viele Kinder und Zivilisten. Zahlreiche Häuser und Moscheen wurden zerstört, viele Menschen sind auf der Flucht. Er zeigte Bilder von verkohlten Kindern. Eine Tragödie unbeschreiblichen Ausmaßes.

Dabei keimte gerade ein klein wenig Hoffnung für Syrien, als am Wochenende im russischen Sotschi neue Friedensverhandlungen zwischen den Bürgerkriegsparteien anberaumt waren. Doch die syrische Opposition boykottierte die Runde. Sie fordert zuerst den Rücktritt Assads. Möglicherweise versprechen sie sich auch durch die neuen türkischen Militärangriffe eine Stärkung ihrer Position. In jedem Fall ist ein möglicher Frieden wieder unter die Räder gekommen – und in weite Ferne gerückt. Es herrscht wieder Blutvergießen. Jetzt versinken die Kurden in und um das nordsyrische Afrin im Leid. Was können wir tun? Ganz klar: nicht wegsehen, solidarischsein mit Geflüchteten und beharrlich die Regierung auffordern, etwas gegen diesen Krieg zu tun, die Angriffe auf kurdische Kinder und Zivilisten zu ächten und alles Erdenkliche für die Aufnahme eines neuen Dialogs zwischen den Kriegsparteien zu tun.

Beinahe bleibt einem das Gebet im Hals stecken angesichts dieses mörderischen Elends. Gott scheint ferne. Doch vielleicht helfen die Psalmen, gebetet aus tiefster Not, um das Leid doch vor Gott zu bringen – und ihm unsere Ohnmacht hinzuhalten. Herr, erbarme dich!

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1 Lesermeinungen zu Oh mein Gott, Syrien!
Gert Flessing schreibt:
31. Januar 2018, 15:51

Es war zu erwarten. Mich hat es schon gewundert, dass sich der "Großtürke" so lange zurück gehalten hat.
Das Gebiet um Afrin ragt ja, wie ein Brückenkopf, in türkisches Gebiet hinein. Das dürfte verlockend gewesen sein, um eine "Grenzkorrektur" durchzuführen.
So lange die sogenannte "Opposition" die Gesprächsbemühungen blockiert und so lange die USA ihr den Rücken stärken ist wenig Hoffnung für einen Frieden dort unten.
Die Türken nutzen das nun aus. Auf Kosten der Zivilbevölkerung, wie wir sehen und, was mich schon verbittert, mit dem Einsatz deutscher Panzer.
Gert Flessing

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