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Brücken statt Mauern

Von Stefan Seidel
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Obwohl sich nach der gelungenen Regierungsbildung in Deutschland die groben Verwerfungen des politischen Gegners etwas beruhigt haben, steht die Gesellschaft und Kirche dennoch weiter unter starkem Druck. Nach wie vor drohen Zerreißproben angesichts der schwelenden Reizthemen »Flüchtlinge«, »Islam«, »EU« – oder in der Kirche angesichts des Themas »Homosexualität«. Das Erregungsniveau scheint dabei permanent so hoch zu sein, dass Debatten immer wieder explodieren und scharfe Gegensätze zwischen Positionen und Personen entstehen. Dabei stellt sich die Frage, wessen Geschäft dabei eigentlich betrieben wird. Wenn sich Journalisten, Kirchenvertreter oder Politiker beständig und verlässlich in die Gegensätzlichkeiten hineinzwingen lassen, springen sie doch oftmals nur über die Stöckchen, die ihnen vom rechten Rand vorgehalten werden. Wenn heute insbesondere von rechts die Vertiefung des gesellschaftlichen Risses und eine Verschärfung der Gegensätzlichkeiten vorangetrieben werden, sollten die an der freien Gesellschaft Interessierten besonnen bleiben.

Sicher, es muss über die drängenden Fragen der Bewältigung von Einwanderung oder der Gestaltung von Sozialsystemen gesprochen und gerungen werden. Aber nicht im Geiste höherer Mauern und reinerer Rassen. Denn das führt letzten Endes zu Krieg.

Die Kirche kann sich als eine förderliche Kraft erweisen, wenn sie nicht der Versuchung erliegt, sich vor den Karren eines neuen Kulturkampfes spannen zu lassen. Wenn ihr Gott tatsächlich die Liebe ist, dann ist das eine Verpflichtung dazu, nach Wegen der Kooperation, Koexistenz und Solidarität zu suchen – und Brücken statt Mauern zu bauen.

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17 Lesermeinungen zu Brücken statt Mauern
Gert Flessing schreibt:
08. Juni 2018, 11:17

Ach, Herr Seidel, woher wird denn nun das Stöckchen gehalten? Sind es denn nur jene vom rechten Rand?
Da bin ich mir nicht so sicher.
Es sei denn, man wäre so tief in der linken Szene verwurzelt, das man die Stöckchen, die es dort gibt, gar nicht mehr sehen kann.
Wenn wir, als Kirche, wirklich "förderliche Kraft" sein wollten, dann wären wir weder rechts, noch links.
Als Christen wissen wir, das uns nicht Marx, sondern Christus befreit hat.
Diese Freiheit entzieht uns aber politischen Streitigkeiten.
Gott ruft auch uns zur Gelassenheit.
Gegensätzlichkeiten zwischen Menschen, sind ein Teil unserer Wirklichkeit. Eine "freie Gesellschaft" werden wir nicht, indem wir uns "verlinken", sondern offen halten.
Gert Flessing

Johannes schreibt:
10. Juni 2018, 17:55

Lieber Herr Flessing,

Sie haben natürlich recht, dass uns nicht Marx, sondern Gott durch den Christus befreit hat. Aber angesichts mancher Äußerungen hier im Forum ist es gut, auch mal wieder festzustellen: "Christus ist nicht gegen Karl Marx, sondern für uns alle gestorben." (Helmut Gollwitzer)

Johannes Lehnert

Gert Flessing schreibt:
11. Juni 2018, 11:26

Lieber Herr Lehnert,
nichts gegen Karl Marx. Er war ein kluger Analytiker seiner Zeit und hat einiges, über das System des Kapitalismus, geschrieben, was uns heute hin und wieder sehr deutlich einfällt.
Auch Helmut Gollwitzer war ein kluger Kopf. Freilich kann ich ihn, als Teil der Bekennenden Kirche und ihres Kampfes, verstehen. Seine politischen Tendenzen jedoch teile ich nicht.
An der Stelle wohnen, ach, zwei Seelen in meiner Brust.
Als Deutscher und bekennender Preuße, schätze ich unser Land und viele seiner Traditionen, wie Fleiß, Ordnungssinn (mal von meinem Schreibtisch abgesehen), Pünktlichkeit, Disziplin und Toleranz.
Wobei mir gerade letzteres sehr wichtig ist.
Als Christ und Mensch, der in seiner Kirche beheimatet ist, weiß ich um die Vorläufigkeit alles weltlichen und darum, das wir nicht unterscheiden können zwischen Christen erster Güte und minderer Güte. Weder im Blick auf ihre Herkunft, noch im Blick auf die Gestaltung ihres Glaubens.
Momentan lese ich "Gaudete et Exsulate" von Papst Franziskus. Er weist genau darauf hin und darüber hinaus, wenn er uns in jedem, der unser bedarf, Christus finden heißt.
Aber eben weder durch das Einhalten starrer Formeln, noch durch den Gedanken der eigenen Kraft, kann uns dieses Leben gelingen.
Von daher möchte ich mich auch weder von diesem, noch von jenem politischen oder kirchlichen Lager, vereinnahmen lassen.
Gert Flessing

Beobachter schreibt:
09. Juni 2018, 12:39

Herr Seidel, glauben Sie mir bitte, die linken Stöckchen sind meist höher und länger asl die "rechten" und oftmals im doppelten Wortsinne links. Sie springen offenbar genau über diese, wie Ihre einseitige Formulierung beweist!

Johannes schreibt:
11. Juni 2018, 13:42

Lieber Herr Seidel,
glauben Sie lieber an die Erlösung durch Christus als an die Stöckchen-Ideologie, die Ihnen hier angeboten wird. Ihre Formulierung ist schon richtig! - Vor einem Stöckchen möchte ich Sie aber doch warnen: Der Schrei "Wir sind das Volk" ist geklaut von denen, die sich '89 wirklich für das Volk eingesetzt haben. Wer über dieses Stöckchen springt, könnte in alternative Arme fallen....

J.L.

Beobachter schreibt:
11. Juni 2018, 17:44

Das ist jetzt genau wieder das, was ich oben beschrieben habe! Links im doppelzen Sinn!
Der Spruch "Wir sind das Volk"seht jedem frei, der sich gegängelt und schlecht regiert wirrd, damals wie heute. Ganz Viele (auch viele Christen!) rufen genau deshalb jetzt wieder den selben Spruch!

John schreibt:
15. Juni 2018, 0:29

Lieber Johannes, lieber Herr Seidel, lieber Herr Flessing,
ich mag eigentlich Artikel in dieser Form, wie den von Herrn Seidel nicht so - warum? Weil hier mehr "Gesinnung" und "Polemik" drinsteckt als "Liebe zur Wahrheit" und "gründliche Analyse" auch nicht. Deshalb möchte ich paar Gedanken schreiben: Gott hat den Menschen gesagt was gut ist (Gerechtigkeit!): unser Gewissen, die 10 Gebote u. das Gesetz im AT sprechen deutlich. Hier kann jeder erkennen: Ich brauche Vergebung und Erneuerung durch Jesus Christus. Hat der Mensch dann zu Jesus gefunden, soll er in der Lehre der Jesu und der Apostel bleiben. Die Liebe zur Wahrheit ist für Christen grundlegend. Wie kann dann ein Christ zu allem und jedem "Brücken bauen" und einseitig ohne Umkehr des anderen Versöhnung verkündigen? Es gab und gibt zu allen Zeiten Menschen die entgegen dem gesunden Menschenverstand und entgegen den Regeln Gottes bewusst o. unbewusst Böses tun und planen - Soll man diesen nicht widersprechen? Sie Ertragen (=Toleranz) ja, aber nicht hirnlos mitmachen, sondern widersprechen und den rechten Weg aufzeigen. Die Liebe freut sich der Wahrheit. Der allmächtige Schöpfergott wird seine Regeln niemals ändern. Deshalb werden auch Christen immer mit den gottlosen Menschen, Meinungen u. Ideologien kollidieren und evtl. sogar leiden.
Die wirkliche Brücke (und unser Hoher Priester) ist Jesus Christus:
-- Gottes Willen anerkennen,
-- zu Gott umkehren, um Vergebung bitten und sie annehmen,
-- die Gebote Jesus Christi kennen und halten, Liebe üben,
-- und wir können Priester sein für Menschen, welche die frohe Botschaft Gottes nicht kennen
Wenn unsere Bundesregierung schädliche und böse Dinge tut, muss ich dem nicht zustimmen. Ich kann und muss die Dinge beim Namen nennen, ohne jemanden zu hassen! Ich bin da weder "rechts" oder "links". Diese Begriffe sind sowieso viel zu ungenau und trügerisch. Weder linker Sozialismus, noch rechter (National-) Sozialismus, noch "grüner" Sozialismus oder eine "Neue-Welt-Ordnung" wird d a s Problem (und die daraus resultierenden Probleme) der Menschheit lösen. Die Geschichte zeigt es.
Unsere Hoffnung: Jesus Christus wird wiederkommen! So wie es die Bibel sagt, so wie es im Glaubensbekenntnis gesprochen wird.
Ich verstehe die Menschen, welche auf die Straße gehen u. gegen Unrecht protestieren. Es ist ihr Recht. Ich achte die Menschen, egal welcher Partei, welche sich für Recht u. Gesetz u. Einhaltung von Gottes Ordnungen einsetzen (denn dazu ist der Staat von Gott gesetzt).
Niemand muss Kompromisse machen, um faule Brücken zu bauen. Sagte nicht Jesus selber, das wir gehasst werden um seines Namens willen? Sind die aufrechten Menschen nicht schon immer unbequem gewesen? Mein Tip: hören sie mal Pastor Jakob Tscharntke - efk-riedlingen.de
Gott befohlen!
John

Gert Flessing schreibt:
15. Juni 2018, 8:46

Lieber John,
leider muss ich Ihnen sagen, dass Sie sich auf einem Irrweg befinden.
Sie setzen auf einen Weg, der eigentlich durch Jesus, den Christus, durchbrochen wurde. Es ist dies der Weg der Gesetzlichkeit.
Nicht umsonst sprechen Sie vom "Gesetz des AT".
Jesus aber hat dieses Gesetz erfüllt und damit für uns lediglich zu einem Spiegel der eigenen Unzulänglichkeit gemacht. Diese aber wird durch die Gnade, die wir, vom Kreuz her, empfangen, zur Gerechtigkeit, die vor Gott gilt.
Wenn wir denn in diese Gnade Vertrauen haben.
Dieses Vertrauen jedoch fehlt bei denen, die eine neue Gesetzlichkeit verkündigen, völlig.
Gewiss sollen wir die Dinge beim Namen nennen. Auch das Versagen einer Regierung gehört dazu.
Gewiss wird uns kein, wie immer gearteter "Sozialismus" das Heil bringen. Das Heil kann nur einer für uns sein.
Was sind denn "Gottes Ordnungen" für Sie? Die Ordnungen der Welt waren schon immer wandelbar. Wie es in Gottes Welt aussehen wird, wissen wir letztlich nicht.
So sind auch wir, als Christen, nur Haushalter Gottes. Was wir den Menschen zu sagen haben, ist eine Einladung. Genau das verstehe ich unter Brücken bauen. Es ist die Einladung zu einem neuen Umgang miteinander, der von Respekt begleitet ist. Wir dürfen um Verständnis werben.
Es geht ja nicht um faule Kompromisse. Es geht darum, deutlich zu machen, wie verbindend Gott heute, durch die Liebe, zu der er uns beruft, ist.
Meines Erachtens ist Pastor Tscharntke dafür ein etwas unglückliches Beispiel. Er ist doch eher der neuen Gesetzlichkeit und damit der Furcht vor der Freiheit der Kinder Gottes, zuzuordnen.
Gert Flessing

Johannes schreibt:
15. Juni 2018, 11:20

Vielen Dank, Herr Flessing, für die Richtigstellung. Das einzige "Gesetz", das bei Jesus gilt: "Du sollst GOTT, Deiner HErrn lieben und Deinen Nächsten wie Dich selbst." (Das ist das ganze Gesetz und die Propheten)

Johannes Lehnert

Gert Flessing schreibt:
12. Juni 2018, 19:19

"Wir sind das Volk." Genau das sind wir. Wir sind das Volk Gottes, Ecclesia. Wir sind herausgerufen aus allen Völkern und aus allen Ideologien.
Damit haben wir es nicht nötig über irgend etwas, was uns von dieser oder jener Seite vorgehalten wird, zu springen.
Ich glaube nicht, das es uns gut tut, wenn wir irgend eine Fassette irgend einer Ideologie bedienen. Welche Glaubwürdigkeit bekommen wir dadurch?
Einst waren es die Kirchen, die durch ihre Gebete und ihre Art, den Zorn der Menschen aufzunehmen und ihm die aggressive Spitze zu nehmen, mit Gottes Hilfe zu einem friedlichen Verlauf beigetragen haben.
Eine Selbstverständlichkeit war das nicht. Man kann auch zehntausend niederkartätschen.
Vielleicht wäre es unsere Aufgabe, durch Offenheit gegenüber denen, die sich heute als Volk, melden, zu beginnen, neue Gebetsanliegen zu formulieren?
Vielleicht wäre es an der Zeit, ihnen zumindest zuzuhören?
Es ist unsere Aufgabe, Brücken zu bauen. Nicht umsonst ist ein Titel des Papstes "Pontifex Maximus".
Nicht, das wir einen Papst haben, aber wenn jeder getaufte Christ, wie Luther sagt... ?
Gert Flessing

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