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Eins auf die Presse

Andreas Roth
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Jedes Ereignis für sich genommen könnte man noch für einen bizarren Einzelfall unterm sächsischen Deutschlandhut halten: Ein am Rande einer Pegida-Demonstration von der Polizei festgehaltenes Fernsehteam, einen die Journalisten vom grünen Tisch her abkanzelnden Ministerpräsidenten, einen bei Facebook abfällig über öffentlich-rechtliche Sender sinnierenden CDU-Fraktionschef, von Rechten bedrängte Journalisten in Dresden und Chemnitz.

Gut, Reporter sollten nicht zimperlich sein. Und auch sie machen Fehler. Und auch sie haben Macht, die kontrolliert werden muss. Darüber ist zu reden, aber bitte konkret und mit Fakten. Doch zieht man das Bild etwas größer, zeigt sich das ganze Panorama: Rechte Parteien in ganz Europa befeuern ein dunkel dräuendes Misstrauen gegenüber Journalisten, fleißig genährt vom US-Präsidenten ebenso wie von seinem Kollegen aus Russland. Fakten? Egal. Und das alles mitten in der größten Umwälzung seit Erfindung der Zeitung. Auflagen und Redakteursstellen schwinden – und das Publikum sieht kaum ein, warum es im Internet für Journalismus zahlen soll. Also beginnt er zu sterben.

Ja, das ging den Pferdekutschen- und Dampflokbauern auch so. Nur sind Pferdekutschen und Dampfloks nicht so wichtig für die Demokratie wie der Journalismus. Wenn Macht nicht mehr kontrolliert wird, macht Macht, was sie will. Wenn unterschiedliche Meinungen nicht mehr offen diskutiert und präsentiert werden, gibt es bald nur noch eine von ihnen. Wenn politische und gesellschaftliche Vorgänge nicht mehr transparent erklärt werden, kann der mündige Bürger nicht mehr kompetent mitentscheiden.

Kluge Politiker sollten das zu schätzen wissen. Kluge Polizisten ebenso, und auch die Kirche.

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13 Lesermeinungen zu Eins auf die Presse
Beobachter schreibt:
12. September 2018, 13:05

Ach Herr Röth, es sei Ihnen gegönnt! Offenbar muß selbst ein Jurnalist mit in die offizielle (Htz)kerbe hauen. Aber gerade damit werden Sie das Aussterben, auch Ihrer; Redateurstellen nicht aufhalten!
Dabei haben Sie doch auch positive Denkansätze:
"Wenn Macht nicht mehr kontrolliert wird, macht Macht, was sie will. Wenn unterschiedliche Meinungen nicht mehr offen diskutiert und präsentiert werden, gibt es bald nur noch eine von ihnen(Hoffentlich nicht, es gibt zum Glück auch wieder Alternativen!). Wenn politische und gesellschaftliche Vorgänge nicht mehr transparent erklärt werden, kann der mündige Bürger nicht mehr kompetent mitentscheiden.(Deshalb geht er auf die Straße und sucht sich Alternativen!)"
Besser kann man doch den aktuellen Zustand unseres Vaterlandes beinahe nicht mehr beschreiben! Danke dafür!

Gert Flessing schreibt:
12. September 2018, 14:47

Lieber Herr Roth, ich halte viel von der Presse. Ich halte auch viel von Journalisten. Sie haben eine schwere Aufgabe. Sie müssen den Menschen, in einer rasanten Zeit, belastbare Fakten berichten, die diesen Menschen helfen, sich ein Bild von dem Geschehen zu machen.
Ja, sie sollen Transparenz in das Geschehen bringen, was ganz gewiss nicht immer einfach ist. Denn auch ein Journalist sieht zunächst einmal den Abschnitt des Geschehens, der ihm vor Augen ist.
Ich bin davon überzeugt, dass all das, was ich beschrieben habe, auch nicht das ist, was heute oft bemängelt wird.
Ein Journalist soll transparent machen, was geschieht, aber er soll dafür keine gefärbte Transparentfolie nehmen. Er soll berichten, aber er soll nicht schon, während er berichtet, eine Denkschablone verwenden, und damit, für den Leser, eine Richtung vorgeben.
Das ist noch einmal schwerer, denn jeder Mensch besitzt auch eine eigene Sicht der Dinge und eine persönliche Linie.
Von gutem Journalismus erwarte ich, das er diese Eigensicht zunächst einmal hinten an stellt und dennoch so schreibt, dass es lesenswert und nachdenkenswert ist.
Ich möchte mein Urteil zu Ereignissen jedoch gern selbst treffen und zwar nach der, möglichst von mehreren Seiten, dargestellten Faktenlage.
Nun denke ich, dass es vielen anderen Leuten, jedenfalls denen, die da s Nachdenken noch nicht verlernt haben, ähnlich geht.
Gert Flessing

manuel schreibt:
13. September 2018, 18:22

Wie gewohnt vermisse ich eines - Selbstkritik.
Warum machen es die Medien den Rechten so leicht? Schon vor dem Aufkommen der "Rechten" waren Journalisten in der Regel die Berufsgruppe, die in der Bevölkerung am wenigsten Vertrauen genoss. Fragen sich Medien eigentlich nie, warum das so ist?

Britta schreibt:
14. September 2018, 9:32

Das Problem ist, dass es kaum noch guten Journalismus gibt, wo nicht Meinung mit Fakten verwechselt wird. Guter Journalismus sollte objektiv Geschehnisse aufarbeiten, die Meinung des entsprechenden Journalisten kann dann in einer Kolumne, wo sie als solche gekennzeichnet ist, dargestellt werden.
Da sich auch die meisten Medien nicht leisten koennen, bei Geschehnissen vor Ort zu sein, muessen sie auf Presseagenturen zurueckgreifen, in denen die Meldungen zumeist bereits aufgearbeitet sind. Groesste Medienmacht konzentriert sich also in den grossen Presseagenturen. Daher ist die Pressevielfalt doch nicht so vielfaeltig.

Gert Flessing schreibt:
17. September 2018, 9:53

Es geht um Journalismus. Es geht um die Frage, ob Journalismus, wenn er denn das macht, was sein Geschäft ist, zu leiden hat.
Sein Geschäft ist die Information. Die geschieht durch das Sammeln von, möglichst belastbaren, Informationen, die dann weiter gegeben werden. Diese Informationen sollten ein Bild von Ereignissen geben, die es dem Leser, Hörer oder Seher, möglich machen, sich seine EIGENE Meinung zu bilden.
Nun weiß ich, dass wir in einer Zeit leben, in der jeder Narr, der über ein Smartphon verfügt, der Meinung ist, er könnte genau die Dinge darbieten, die unsere Gesellschaft braucht. Dazu noch möglichst aufgeladen mit Emotionen und beinahe atemlos, um die Aktualität zu verdeutlichen.
Dazu wird mit starken Worten nicht gespart. "Es ist fünf vor zwölf!" "Es ist fünf nach zwölf!" Momentan ist es eine Minute vor halb zehn.
Wir "glauben" Videoschnipseln und anderen Dingen und nicht nur wir, die Leute an den Monitoren, sondern auch dieser oder jener Journalist.
Wer es noch gelernt hat, selbst zu denken und wer es schafft, nüchtern zu bleiben, der wird diese ganze aufgeblasene Rhetorik, in die ja auch hier mancher verfällt, für recht fragwürdig halten.
Ja, auch ich bin davon überzeugt, dass jeder, dem die Demokratie am Herzen liegt, sich heute stark machen muss. Er muss unsere Politiker nicht mehr in Ruhe lassen, sondern befragen und das so, dass sie nicht anders können, als Rede und Antwort zu stehen.
Aber es sollte auch immer wieder jeder, der ernsthaft Journalismus betreibt und für den es wichtig ist, Menschen zu informieren und nicht, ihnen eine vorgefertigte Meinung zu geben, überlegen, wie er es umgehen kann, selbst dieser oder jener windigen Information aufzusitzen.
Pech kann dabei jeder haben. Aber dann kann man ja auch das deutlich machen und Leser und andere Konsumenten haben mehr Verständnis für einen Fehler, der eingeräumt wird, als für das Abducken und weitermachen.
Gert Flessing

Beobachter schreibt:
17. September 2018, 16:03

Genau so ist es!
Aber wie wir sehen, wenn sich dann meil einer,dem die Demokratie am Herzen liegt, sich heute stark macht und als Mahner auftritt , fallendie "Mächtigen" und Medien" über ihn her. Man versucht, ihn "fertig" zu machen , auch wenn es seinen öffentlichen und wirtschaftlichen Ruin betreffen kann! Und dann gibt es hier Menschen, die gern ihr tolerantes Christsein herauskehren, die da mit einfallen!

manfred schreibt:
26. September 2018, 13:55

Sehr geehrter Herr Andreas Roth, ich möchte mich bei Ihnen bedanken, dass sie versucht haben, ein paar Dinge der heutigen Zeit zu schreiben.
Ein Journalist hat es heute sehr schwer, weil er besonders mit einem Pressekodex zu kämpfen hat und immer in die Nähe eines Verstoßes kommen kann.
Alles was wir heute bei den großen Medien lesen können, sollte mit der zentralen Meinung von Berlin in Übereinstimmung gebracht werden.
Wenn ein Medium dagegen verstößt, hat es dann ziemlich schwer.
Viele Artikel erinnern mich an die zentral gesteuerten Medien der DDR.
Ich hatte vor ein paar Tagen einen Artikel beim Focus geschrieben (Forum), bei dem ich meine Ansicht zu Herrn Maaßen geäußert hatte. Ich war und bin der Meinung, dass er keinen schwerwiegenden Fehler begangen hat.
Dieser wurde nicht veröffentlicht, mir wurde aber angedroht, dass ich in Zukunft gesperrt werden könnte.
Heute habe ich diesem Treiben ein Ende gemacht und selbst meine Sperrung beantragt (damit ich nie wieder in die Versuchung komme).
Leider gibt es inzwischen in diesem Staat kaum noch eine Möglichkeit, ohne nach rechts gerückt zu werden, eine andere Meinung zu äußern.
Da ich als ehemaliger konservativer CDU-Wähler keine Heimat mehr besitze, bin ich ein Nichtwähler. Glücklich bin ich damit aber nicht.

Beobachter schreibt:
26. September 2018, 18:38

Danke, manfred, für diese klare Stellungnahme und Beschreibung der aktuellen Lage! Wer hätte 89 gedacht, daß es je wider soweit mit unserem Vaterland kommen könnte?

Johannes schreibt:
27. September 2018, 12:52

Leider gibt es in der sächsischen Gesellschaftsgruppe, die sich hier manifestiert, kaum noch eine Möglichkeit, ohne linksgrünversifft genannt zu werden, eine andere Meinung als die von Pegida und Co. zu vertreten...

Beobachter schreibt:
27. September 2018, 15:35

Woran das wohl liegt?

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