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Der Glaube reist mit

Auslandsgemeinden: Rund um den Globus gibt es deutsche Gemeinden – für Deutsche, die ausgewandert sind oder einfach Urlaub machen. Auch sächsische Pfarrerinnen und Pfarrer sind ins Ausland entsandt. Sie bauen Brücken – und stiften Heimat in der Fremde.
Von Mirjam Petermann
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Eine deutsche evangelische Gemeinde mitten in Kairo: Das Pfarrerehepaar Stefan und Nadia el-Karsheh teilt sich die Pfarrstelle der 155 Jahre alten deutschen Kirchgemeinde Kairo. © Foto: epd-bild/Katharina Eglau

Es gibt sie fast überall: Ob im kanadischen Montreal oder in Santiago de Chile, Jakarta oder Wladiwostok, in Oslo oder Südafrika – die Auslandspfarrstellen der EKD. Über 120 deutsche Pfarrerinnen und Pfarrer sind derzeit in rund 100 mit der EKD vertraglich verbundenen Auslandsgemeinden im Dienst. »Unsere Gemeinden stiften Heimat in der Fremde, religiös wie auch kulturell«, sagt Frank Kopania, Leiter der EKD-Auslandsabteilung. Ob Arbeiter, die nur vorübergehend in einem anderen Land sind, Migranten oder Urlauber – Menschen können dort in ihrer Muttersprache beten und Seelsorge in Anspruch nehmen.

»Auslandsgemeinden sind von einer herausfordernden Vielfalt geprägt«, sagt Hans-Christian Beutel, seit fünf Jahren Pfarrer der Deutschen Gemeinde in Finnland. »Die Menschen in unserer Gemeinde kommen aus den unterschiedlichsten Regionen Deutschlands, Österreichs und der Schweiz. Sie bringen unterschiedliche konfessionelle Prägungen mit und die verschiedenen Frömmigkeitsformen decken ein Spektrum ab wie man es sonst vielleicht bei Kirchentagen findet«, berichtet er. Dass diese so unterschiedlichen Menschen eine Gemeinde bilden und in dieser Gemeinde füreinander da seien, füreinander Verantwortung übernehmen – das empfindet Hans-Christian Beutel als etwas Besonderes. Die Situation, die er beschreibt, lässt sich auf viele der Auslandsgemeinden übertragen. Seine Kollegin Barbara Lötzsch, Pfarrerin der deutschsprachigen Evangelisch-Lutherischen Gemeinde in Budapest, sieht darin aber auch eine große Freiheit: »Es gibt wenig, das ›schon immer so‹ ist«, sagt sie. »Wir können flexibel auf Anfragen und Notwendiges eingehen. Und wenn die Form nicht passt auch relativ schnell verwerfen und Neues beginnen.«

Einen großen Vorteil sieht Frank Kopania in der hohen Bindung an eine Gemeinde während eines Auslandsaufenthalts: »Im Gegensatz zu Gemeinden in Deutschland sind es im Ausland vor allem junge Familien mit Kindern, die sich eng an die Gemeinde binden.« Oft seien das wegen befristeter Arbeitsverträgen nur zwei oder drei Jahre, mitunter wechseln im Sommer bis zu ein Drittel der Gemeindeglieder. Aber für diese Zeit seien die Gemeinden ein bedeutender Ort für die Religiösität der Menschen.

Bewerben können sich auf die Auslandspfarrstellen alle Pfarrerinnen und Pfarrer mit mindestens fünf Jahren Gemeindeerfahrung. Auf eine Stelle kommen fünf bis 15 Bewerber. Rekord waren einmal über 100 Bewerbungen auf die Pfarrstelle in New York. Aber das seien Ausnahmen. Stellen mit einem politisch schwierigen Umfeld müssen manchmal ein zweites Mal ausgeschrieben werden, etwa die in Nigeria oder Mexiko, oder können zeitweise gar nicht besetzt werden, wie aktuell in Venezuela.

Die von den Gemeinden vor Ort ausgewählten Pfarrerinnen und Pfarrer werden von ihren Landeskirchen für den Dienst freigestellt, in der Regel sind das sechs Jahre, einmalig kann um drei Jahre verlängert werden. Hans-Christian Beutel beispielsweise wird nicht im kommenden Jahr zurückkehren, sondern noch drei Jahre länger bleiben. Die sächsische Landeskirche hat neben Barbara Lötzsch noch Pfarrerin Elisabeth Veronika Förster-Blume nach Prag und Pfarrer Heiner Bludau nach Turin entsandt. Pfarrer der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland sind zur Zeit in Washington, Meran, Sankt Petersburg, in Barcelona und im südafrikanischen Gemeindeverband Philippi und Wynberg.

Sie alle, so Frank Kopania, sind zu Gast in den Ländern: »Sie sind dort auch Brückenbauer und wollen eine Bereicherung für Christen, Gemeinden und Einheimische vor Ort sein.«

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