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Ringen um Neuanfang

Landesbischof: Nach intensiver Beratung und Rücksprache mit Carsten Rentzing nahm die Kirchenleitung dessen Rücktritt an. Doch unter Gemeindegliedern breitet sich Unmut aus. Ist die Einheit der Landeskirche in Gefahr?
Uwe Naumann
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Pressekonferenz, Landeskirchenamt, Otto Guse, Thilo Daniel, Hans-Peter Vollbach
Das Bedauern ist »maßlos« (v. l.): Oberlandeskirchenrat Thilo Daniel, Synodalpräsident Otto Guse und Kirchenamtspräsident Hans-Peter Vollbach verkünden, dass Landesbischof Rentzing zurücktritt. © Steffen Giersch

Im Schein vieler Kerzen steht am Montagabend Christoph von Mohl vor dem Landeskirchenamt. Um den 69-Jährigen herum singen sächsische Christen Choräle und spielen Posaunenmusik. Steine liegen angehäuft, darüber ein Plakat »Wer von Euch ohne Sünde ist, bediene sich hier«. Von Mohl zählt etwa 200 Teilnehmer, die seinem Aufruf zur Zusammenkunft vor dem Landeskirchenamt in Dresden gefolgt sind. Sie halten Mahnwache »für einen Neuanfang mit Bischof Rentzing«. Und sie warten darauf, dass die Kirchenleitung bei ihrer zeitgleich stattfindenden Sitzung im Landeskirchenamt diesen Neuanfang beschließt.

Kurz nach 18 Uhr beginnt die Pressekonferenz. Die Entscheidung der Kirchenleitung steht fest. Etwa 20 Journalisten drängen sich in den kleinen Raum. Im Internet wird live über diesen einmaligen landeskirchlichen Vorgang berichtet. Synodalpräsident Otto Guse kommt ohne Umschweife zur Sache: »Nach langer und intensiver Beratung, in der Tat intensiver Beratung«, wie Guse betont, habe die Kirchenleitung dem Wunsch Carsten Rentzings zum Rücktritt vom Bischofsamt entsprochen. Die herabhängenden Mundwinkel von Guse lassen seine persönliche Betroffenheit erahnen. Er bedaure den Rücktritt »maßlos«, sagt er, der Rentzing aus jahrelanger Zeit im Vogtland sowie aus vielen Jahren Synoden- und Kirchenleitungsarbeit gut kennt. Trotzdem sei ihm wie auch anderen Mitgliedern der Kirchenleitung nicht klar gewesen, was der Landesbischof mit seiner am 20. Oktober abgegebenen Erklärung sagen wolle. Rentzing formulierte, er übergebe die »Klärung und Entscheidung« in die Hand der Kirchenleitung. Ein erneuter Anruf bei ihm im Urlaub wurde nötig. Will er sein Amt wirklich noch zur Verfügung stellen? Das fragten sie ihn am Telefon. »Ja«, habe Rentzing eindeutig gesagt.

»Unter diesen Umständen hat die Kirchenleitung letztlich keine andere Entscheidung treffen können«, macht Otto Guse deutlich, dass er viele Christen der Landeskirche enttäuschen muss: Nicht nur die rund 20 000 Unterzeichner einer Online-Petition, die trotz der umstrittenen Vergangenheit für den Verbleib von Rentzing im Amt stimmten, sondern auch jene, die still für den Landesbischof beteten.

Nicht zuletzt werden die Teilnehmer der Mahnwache enttäuscht. Neuanfang ja, aber nicht mit Carsten Rentzing als Landesbischof. Oberlandeskirchenrat Klaus Schurig verliest auf der Straße die Erklärung der Kirchenleitung. Ungläubiges Kopfschütteln in der Mahnwache, auch Wut auf Leipziger Pfarrer, die eine Petition gegen Rentzing gestartet hatten. Alle anwesenden Mitglieder der Kirchenleitung sind auf die Straße gekommen, um über diese Entscheidung und auch die Zukunft der Landeskirche ins Gespräch zu kommen. Dieses wird im Foyer des Landeskirchenamtes fortgesetzt. Bettina Westfeld, Vizepräsidentin der Landessynode, hört an einem der Tische im Foyer Unverständnis und Zweifel am freiwilligen Rücktritt des Landesbischofs. Von Austritt aus der Landeskirche ist die Rede.

Christoph von Mohl ruft unterdessen immer wieder zur Mäßigung auf. Er wolle keine Abspaltung, keine Austritte, sagt er. »Ich freue mich, dass wir hier diese Gemeinschaft haben können. Und ich wünsche mir, dass wir die Einheit leben«, so von Mohl. Als er hört, dass der neue Präsident des Landeskirchenamtes mit einigen Teilnehmern der Mahnwache sich in wenigen Tagen zum Gespräch treffen will, nickt er zustimmend. Diese Gespräche brauche es jetzt, meint er. Auch andernorts wird die Sorge um die Einheit deutlich, etwa durch einen Aufruf der Altbischöfe Volker Kreß und Jochen Bohl oder von Landessynodalen und Pfarrern.

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