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Da dreht sich was

Bedrohte Erde: Die großen ökologischen Probleme machen die einen ängstlich, die anderen wütend. Das Gegenrezept heißt: Nachhaltigkeit – es kommt aus Sachsen. Und aus dem Glauben. Ein Ökumenischer Festtag in Dresden will daran erinnern.
Andreas Roth
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Das Wort ist sperrig und hat es doch ganz nach oben geschafft: Nachhaltigkeit. Mittlerweile haben es die UNO ebenso wie Auto- und Aktienhändler als oberstes Ziel ausgerufen. Klar ist für immer mehr Menschen: Ohne Nachhaltigkeit wird es eng beim Überleben auf einem endlichen Planeten. Der Erfinder dieses Prinzips war ein Sachse: Hans Carl von Carlowitz, Oberberghauptmann in Freiberg. Er sah den Kahlschlag des Erzgebirges durch den Holzhunger in Bergbau und Hüttenwerken und hatte 1713 eine einfache und revolutionäre Idee: Es darf nur so viel Holz gefällt werden wie nachwächst. Die Nachhaltigkeit war erfunden. »Für Carlowitz war das Holz – heute spricht man von Ressourcen – eine Gabe Gottes«, sagt der Wissenschaftsjournalist Ulrich Grober, der das Buch »Die Entdeckung der Nachhaltigkeit« geschrieben hat. »Aus solch einer Vorstellung kommt man zu einem anderen, tieferen Verständnis von Ökonomie. Denn mit einer Gabe Gottes geht man anders um als mit einem auszubeutenden Ressourcenlager. Da entsteht eine Verpflichtung.«

Als in den letzten 50 Jahren der Raubbau an der Natur immer offensichtlicher wurde, begann der Siegeszug der Nachhaltigkeit als Gegenrezept. »Der Konziliare Prozess für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung, der in den 1980er Jahren von der DDR-Kirche und dem Weltkirchenrat ausging, gab der weltweiten Bewegung für Nachhaltigkeit wesentliche Impulse«, sagt Grober. Nun will die sächsische Landeskirche mit einem groß angelegten Ökumenischen Festtag am Buß- und Bettag in und um die Dresdner Kreuzkirche erinnern an die dort vor 30 Jahre zu Ende gegangene Ökumenische Versammlung, die diese Ziele zusammen dachte.

Doch es geht nicht um Weihrauch für die Vergangenheit. In Gottesdienst und Workshops wird nach Antworten auf die heutigen Herausforderungen wie Klimakrise und globale Ungerechtigkeit gefragt. Schon für Carlowitz war sie weit mehr als nur Umweltschutz. Er sah sehr genau, dass mit der Schädigung der Schöpfung auch die Wirtschaft Schaden nimmt – und der Mensch ohnehin. Auch den ärmsten Untertanen stehe ein Recht auf Nahrung und ein gutes Leben zu, schrieb der Oberberghauptmann. Diese Aufgabe bleibt bis heute ungelöst.

Doch je mehr Menschen das Problem erkennen und je lauter das Wort Nachhaltigkeit wird, desto schriller wird auch ein Unterton. Bei den einen klingt er abwehrend und wütend, bei anderen apokalyptisch und ängstlich. Selbst der Freiberger Berghauptmann Carlowitz zitierte bei seinen Überlegungen zur Nachhaltigkeit eine apokalyptische Vision des Reformators Philipp Melanchthon: Am Ende der Welt werden die Menschen an großem Mangel an Holz leiden.

»Aber gleichzeitig hatte er immer dieses Vertrauen in die Güte der Schöpfung«, sagt Ulrich Grober, der am 28. November auf Einladung der Evangelischen Akademie in der Dreikönigskirche einen Vortrag über die Kontroversen um die Nachhaltigkeit halten wird. »Das sehe ich allerdings auch in den leuchtenden Augen der Jugendlichen, die heute bei ›Fridays for Future‹ auf die Straße gehen. Sie erkennen das Ausmaß der Krise und haben gleichzeitig die positive Energie, das Spiel zu drehen.«

Im Wachhalten dieser Zuversicht und des Vertrauens in die Güte der Schöpfung sieht Grober eine wichtige Aufgabe der Kirche. Gegen die Ängste. Und gegen die Wut. Es gibt guten Grund für Hoffnung. Vor 30 Jahren hieß die von Menschen gemachte Bedrohung Ozonloch – heute schließt es sich. Weil Menschen umsteuern können. Und in Carlowitz’ kahl geschlagenem Sachsen steht heute viel Wald. Noch.

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