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Keiner geht verloren

Advent und Trauer: Für Familien, die ein Kind verloren haben, ist die Weihnachtszeit oft schwer. Am 2. Advent wird weltweit der verstorbenen Kinder gedacht. Auch Jesu Familie war leidgeprüft. Der Krippe folgte bald das Kreuz.Doch von der »Heiligen Familie« geht ein tiefer Trost aus.
Von Stefan Seidel
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© Foto: tomertu stock.adobe.com

Weihnachtszeit – das ist immer auch Familienzeit. Den kleineren Kindern werden die Bräuche und Freuden dieser Zeit nahegebracht: Adventskalender, Plätzchenbacken, Wünsche sammeln und Geschenke machen. Die groß gewordenen Kinder kehren oft über Weihnachten ins Elternhaus zurück. Man isst zusammen, beschenkt sich, hat Zeit füreienander. Man versammelt sich um die »Heilige Familie«. Maria, Josef und das Jesuskind im Stall von Bethlehem sind in diesen Tagen allgegenwärtig.

Doch gerade weil die Weihnachtszeit so viele warme Erinnerungen und sehnsüchtige Wünsche birgt, kann sie auch als schmerzhaft erlebt werden. Zum Beispiel wenn die Lücke, die ein verstorbenes Kind gerissen hat, wieder neu sicht- und spürbar ist. In Deutschland versterben jedes Jahr etwa 20 000 Kinder – durch Krankheit, Unfall oder Suizid. Seit 1996 wird weltweit am 2. Advent der verstorbenen Kinder gedacht – mit Gedenkfeiern und dem Entzünden von Kerzen im Fenster um 19 Uhr. »Während die Kerzen in der einen Zeitzone erlöschen, werden sie in der nächsten entzündet, so dass eine Lichterwelle 24 Stunden die ganze Welt umringt. Jedes Licht im Fenster steht für das Wissen, dass diese Kinder das Leben erhellt haben und dass sie nie vergessen werden«, heißt es in einer Erklärung. Auch in Sachsen öffnen viele Kirchen an diesem Tag ihre Türen für Gedenkfeiern.

Dabei entsteht auch die Frage: Wie heil war eigentlich die »Heilige Familie«? Und: Welche Botschaft trägt sie durch die Zeiten hindurch? Deutlich ist: Maria, Josef und Jesus waren weniger eine heile, als vielmehr eine leidgeprüfte und gefährdete Familie: Zum Zeitpunkt der Geburt obdachlos, muss Maria ihr Kind unter widrigen Umständen gebären – nur um bald darauf vor den Kinderschlächtern des Herodes zu fliehen.

Kaum lässt die Bibel den Eindruck einer Vater-Mutter-Kind-Idylle aufkommen. Im Gegenteil: Schon als Zwölfjähriger beginnt sich Jesus von seiner Herkunftsfamilie zu lösen, um sich in der größeren »Familie Gottes« zu beheimaten. Später, als Wanderprediger, relativiert er die Bedeutung der Blutsverwandtschaft und betont die Geistverwandschaft. Seiner Mutter und seinen Brüdern, die durch die Menge seiner Zuhörer zu ihm gelangen möchten, lässt er ausrichten: »Meine Mutter und meine Brüder sind diese, die Gottes Wort hören und tun.«

Und doch bleiben sie verbunden. Maria, die ihn ins Leben geleitet hat, begleitet ihn auch bei seinem frühen Sterben. Sie wacht unter dem Kreuz – und hält ihn nach seinem Tod wie einst als kleines Kind auf dem Schoß.

Vielleicht ist es diese Botschaft, die das Bild der »zerzausten« und leidgeprüften Familie Jesu vermitteln soll: Wir dürfen uns begreifen als in tragende Zusammenhänge Hineingestellte. Im Idealfall leistet das schon die leibliche Familie. Dann kann sie ein Abbild dessen sein, was im Schöpfungs- und Erlösungswerk Gottes angelegt ist: Dass niemand herausfällt aus den heiligen Bindungen der Gotteskindschaft und wir getrost leben können – aller Verluste und Verletzungen zum Trotz. So wie Maria. Sie hatte schwer zu tragen – und wird doch vom Engel als »Begnadete« angeredet. Sie stimmt das Loblied auf Gott an, der große Dinge an ihr getan hat und an allen tun wird: der diese Welt nicht im Dunkel versinken lässt, sondern gekommen ist, um sie zu erlösen und zu verwandeln.

Maria wurde die Gnade des Durch-Schauens zuteil – ein Engel erschloss ihr das größere Ganze. Deshalb konnte sie wohl auch ihr schweres Schicksal tragen. Sie wusste sich getragen von Gottes umfassender Wirklichkeit, von guten Mächten. Von Maria zu lernen, heißt zu lernen: weit zu werden. Und sich zu bergen im großen Zuhause Gottes, in dem keiner verloren geht.

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